Italien öffnet seine Grenzen.
+
Italien öffnet seine Grenzen.

Coronavirus

„Heute beginnt Italien wieder zu leben“

  • vonDominik Straub
    schließen

Das Land öffnet in der Corona-Krise die Grenzen, doch das wird der angeschlagenen Tourismusbranche wohl erst mittelfristig Linderung verschaffen. Und auch sonst stehen Italien harte Zeiten bevor.

Ganze 85 Tage hat der Lockdown in Italien gedauert, aber seit Mittwoch können sich die Bürgerinnen und Bürger in ihrem Land wieder frei bewegen: Die Grenzen zwischen den insgesamt 20 Regionen wurden geöffnet und die Pflicht, einen Passierschein mit sich zu tragen, ist abgeschafft. „Heute beginnt Italien wieder zu leben“, erklärte Regionen-Minister Francesco Boccia.

Nicht nur die inneritalienischen Grenzen sind wieder offen, sondern auch jene für Menschen aus der EU, der Schweiz und Großbritannien. „Italien ist bereit, wieder Touristen zu empfangen“, betonte Außenminister Luigi Di Maio. Allerdings wollen viele Staaten ihre Grenzen zu Italien noch bis mindestens 15. Juni geschlossen halten, darunter Deutschland, die Schweiz und Österreich, das die Beschränkungen zu allen Nachbarstaaten außer Italien in dieser Woche aufheben will. Di Maio hat für diese Zurückhaltung wenig Verständnis: „Wir sind kein Lazarett.“

Durch den von der Regierung von Giuseppe Conte verordneten Lockdown konnte die Epidemie – von der Lombardei einmal abgesehen – inzwischen unter Kontrolle gebracht werden. Doch die Furcht vor einer „zweiten Welle“ ist groß: Die Vorschriften zum Distanzhalten und zum Maskentragen in geschlossenen Räumen und öffentlichen Verkehrsmitteln bleiben bis auf weiteres bestehen.

Doch die Bilder der Militär-Lkw, die in Bergamo die Särge abtransportierten, werden noch lange in Erinnerung bleiben. Und so werden die Grenzöffnungen der angeschlagenen Tourismusbranche voraussichtlich erst mittelfristig Linderung verschaffen. Der Tourismus trägt in Italien 13 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei; rund drei Millionen Beschäftigte sind von der härtesten Krise seit Jahrzehnten betroffen.

Italiens Gesundheitssystem war auf eine Pandemie diesen Ausmaßes nicht vorbereitet – und nun droht das Land auch ökonomisch von der Krise überfordert zu werden. Laut der italienischen Notenbank wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mindestens neun Prozent, eventuell aber sogar um 13 Prozent einbrechen.

Auch politisch geht Italien unruhigen Zeiten entgegen: Die beiden Regierungsparteien – die Fünf-Sterne-Protestbewegung und der sozialdemokratische PD – lassen für den Wiederaufbau nach dem Lockdown bis heute keine überzeugende, gemeinsame Strategie erkennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare