Heilung durch Sonnenlicht? Die Coronavius-Pandemie hat auch in Australien viele Fake News produziert.
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Heilung durch Sonnenlicht? Die Coronavius-Pandemie hat auch in Australien viele Fake News produziert.

Australien

Facebook lässt vieles durchgehen: Verschwörungstheorien und Fake News

  • vonBarbara Barkhausen
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Ein Thinktank zeigt mithilfe eines falschen Nachrichtenportals, was Facebook alles durchgehen lässt.

  • Mit der Coronavirus-Pandemie ist gleichzeitig eine Infodemie ausgebrochen. 
  • Wilde Verschwörungstheorien geistern durch das Netz. 
  • Ein Thinktank zeigt, was Facebook alles durchgehen lässt. 

Die 5G-Technologie soll Covid-19 verursachen, Zwiebeln oder Sonnenlicht die Krankheit heilen: Mit dem Ausbruch der Pandemie ist auch eine Infodemie ausgebrochen, die sich als ebenso ansteckend erweist wie das eigentliche Virus. Wilde Verschwörungstheorien, Fehlinformationen und erfundene Nachrichten werden zuhauf über soziale Medien verbreitet – auch in Australien, wo laut einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Essential inzwischen 13 Prozent aller Befragten das Virus für eine Verschwörung von Bill Gates halten.

Facebook: Fehlinformationen verbreiten sich rasant 

Eigentlich haben Facebook, Twitter und Google versprochen, verstärkt gegen solche Fehlinformationen im Netz vorzugehen. Erst in der vergangenen Woche betonte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem BBC-Interview, er wolle keinesfalls, dass Falschinformationen zu viralen Inhalten auf seiner Plattform würden. Und er beteuerte, Facebook würde Fake News sofort entfernen.

Dass die Realität anders aussieht, hat jetzt ein australischer Thinktank in einem Experiment aufgezeigt. Responsible Technology Australia (RTA) kreierte dafür ein erfundenes Medienunternehmen namens Ozzie News Network. Über diese Seite platzierte RTA über zwei Monate hinweg eine Reihe von Fake-News-Anzeigen, die von Facebook überprüft und bewilligt wurden. Um keinen echten Schaden mit den Nachrichten anzurichten, wählte der Thinktank einen engen Kreis aus Nutzern als Empfänger auf, die von dem Experiment wussten.

Facebook: Ratschläge zum Schutz gegen Covid-19 

Unter den falschen Meldungen waren Ratschläge zum vermeintlichen Schutz gegen Covid-19 – wie etwa, das 5G-Netzwerk auszuschalten, mehr Wasser zu trinken oder täglich 30 Minuten an die Sonne zu gehen. Eine weitere Falschnachricht kreierte das Bild, das australisch-indonesische Freihandelsabkommen sei nur ein Vorwand, um eine Masseneinwanderung von Jakarta nach Australien zu ermöglichen, eine dritte behauptete, das 5G-Netzwerk würde der australischen Polizei ermöglichen, Bürger über ihre Telefone auszuspionieren. Mehrere Anzeigen zielten darauf, Bürger vom Wählen abzuhalten.

Trotz der nicht belegten Inhalte der Anzeigen und dem Fakt, dass sich keine der Meldungen in einem seriösen Medium wiederfand, gingen sie bei Facebook durch. „Kein traditioneller Verlag oder Sender würde jemals solche Anzeigen schalten“, sagte Chris Cooper, der den aus-tralischen Thinktank leitet. Zudem habe Facebook die Nachrichten nicht nur überprüft und genehmigt, sondern sie selbst dann nicht entfernt, als sie wiederholt als Fehlinformationen gemeldet wurden. Erst als ein australisches Medium über das Experiment berichtete und Facebook um ein Statement bat, verschwand die Werbung.

Facebook: „Wir gehen aggressiv gegen Fehlinformationen über Covid-19 vor“

„Wir gehen aggressiv gegen Fehlinformationen über Covid-19 vor und haben Teams im Unternehmen, die sich nur darum kümmern“, rechtfertigte sich ein Facebook-Sprecher gegenüber News.com.au, das auf die Fake News hinwies. „Wir haben Millionen von Fehlinformationen mit Warnhinweisen versehen und Inhalte entfernt, die zu unmittelbarem Schaden führen können.“ Doch trotz dieser Teams gingen die RTA-Anzeigen durch, obwohl sie dem klassischen Schema von Verschwörungstheorien und Falschnachrichten entsprachen, die meist mit den Ängsten der Menschen spielen.

Cooper betonte, dass das bisherige Engagement Facebooks in keinem Fall ausreiche. Die Verantwortung könne nicht allein beim Nutzer liegen, sagte der Experte. Schließlich pflege Facebook das Material und profitiere davon. „Da sollte es auch Verantwortung übernehmen“, meinte er.

Deswegen fordert er mit seinem Thinktank mehr Transparenz von dem sozialen Medium. Einen Vorschlag unterbreiteten die Experten dafür auch: Als ersten Schritt könnte Facebook eine Liste der beliebtesten viralen Posts veröffentlichen, die klar darauf hinweise, welche frei erfunden seien, schrieben die Australier.

Von Barbara Barkhausen 

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