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Coronavirus

Virologe Stöhr widerspricht Merkel – Mutanten nicht verantwortlich für Anstieg der Infektionen

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Im Gegensatz zu Kanzlerin Angela Merkel hält Virologe Klaus Stöhr Mutationen nicht für ursächlich für die steigenden Zahlen von Neuinfektionen mit Corona.

  • Die Corona-Neuinfektionen befinden sich in Deutschland immer noch auf einem hohen Niveau.
  • Flächendeckende Schnelltests in der Bundesrepublik verzögern sich. Probleme bereiten außerdem mehrere Corona-Mutanten.
  • Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr hat in Bezug auf die Corona-Mutationen eine andere Ansicht als Christian Drosten.

Frankfurt/Berlin – Deutschland im Februar 2021: Wir befinden uns immer noch mitten in der Pandemie. Die Todeszahlen sinken zwar, doch die Neuinfektionen stagnieren. Die bundesweite Inzidenz liegt bei 60,5 (Stand 23.02.2021). Trotz eines Lockdowns, der mittlerweile seit November 2020 beziehungsweise Januar 2021 gilt. Woran könnte das liegen?

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr gibt im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ eine Einschätzung der Lage ab. Stöhr war Leiter des Globalen Influenza-Programms sowie SARS-Forschungskoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Damit ist er in der Wissenschaft kein Unbekannter.

Lockerungen trotz Corona-Mutationen? Virologe Stöhr bezieht Stellung

In dem Gespräch bezieht der Wissenschaftler auch Stellung zu den Forderungen Berliner Amtsärzt:innen. Diese möchten nämlich, dass Lockerungen nicht mehr von starren Inzidenzwerten abhängig gemacht werden. „Die Amtsärzte sind eigentlich die, die die Pandemie vor Ort bekämpfen“, erklärt Stöhr. Es sei „nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50“ zu koppeln, heißt es in ihrer Stellungnahme. Klaus Stöhr begrüßt eine solche Strategie. Man müsse die Inzidenzen nach Altersgruppen aufschlüsseln. „Bei Kindern und Jugendlichen sind logischerweise höhere Inzidenzen möglich als bei alten Menschen“, sagt der Virologe und Epidemiologe.

Laut dem Virologen sind nicht die Corona-Mutanten für die jüngste Entwicklung des Infektionsgeschehens in Deutschland verantwortlich. (Archivfoto)

Corona: Epidemiologie Klaus Stöhr zu Inzidenzen – NoCovid-Strategie ist realitätsfern

In Altenheimen müsse die Inzidenz allerdings unter einem Wert von 20 bis 30 liegen. Die Inzidenz sei wichtig, um einen Überblick über die Corona-Pandemie zu bekommen, helfe allerdings nicht dabei, sie zu bekämpfen. „Pandemiebekämpfung heißt dort anzusetzen, wo es am schlimmsten ist und das sind nun mal die Altenheime und vulnerable Gruppen“, sagt der Wissenschaftler. Auch bezüglich der Strategie NoCovid, mit der Wissenschaftler:innen die Inzidenzen dauerhaft auf Null drücken möchten, hat Stöhr eine klare Meinung. „Wünschenswert ist das sicherlich, aber es ist unfassbar schwierig, eine Inzidenz zu erreichen und auf Dauer zu halten. Wir haben das Problem seit November in Deutschland“, stellt er fest.

Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr bei Markus Lanz.

„Ich halte Inzidenzen von 50 und darunter für illusorisch“, sagt Klaus Stöhr. Menschen würden sich wie in Irland über einige Wochen an strenge Corona-Regeln halten können. Wenn Inzidenzen aber erreicht würden und wieder ohne Kontrolle geöffnet wird, würden die Neuinfektionen auch wie in Irland wieder steil nach oben schießen. „In Frankreich liegt man bei 130 bis 150, die Schulen sind geöffnet, in Österreich die Läden. Dort hat man den Kompromiss zwischen Gesundheit, Freiheit und Wirtschaft als viel wichtiger angesehen“, führt der Virologe und Epidemiologe weiter aus. In wenigen Tagen werden Bund und Länder sich zum nächsten Corona-Gipfel treffen. Bereits jetzt beginnen die Debatten um eine Öffnungsstrategie*.

Virologe Klaus Stöhr zu Corona: „Infektionszunahme liegt an Pandemiemüdigkeit, nicht an Mutante“

2003 habe man in der WHO bereits Stufenpläne erarbeitet, die sich an die veränderte epidemiologische Lage anpassen. Maßnahmen könne man transparent verschärfen, und lockern, wenn es gut laufe. „Das gibt den Menschen wieder eine Perspektive, dann machen die auch mit. Gegenwärtig sehen wir, dass sich die Zahlen erhöhen. Das hat meines Erachtens weniger mit einer Mutante zu tun, sondern viel mehr damit, dass die Menschen pandemiemüde sind“, erklärt Klaus Stöhr. Damit widerspricht er Bundeskanzlerin Angela Merkel, die immer wieder auf die Bedrohung durch die Mutationen hinweist.  (Moritz Serif)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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