Kalte und nass

Coronavirus in Herbst und Winter – Akademie Leopoldina schlägt konkrete Maßnahmen vor

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina macht der Bundesregierung Vorschläge für den Umgang mit dem Coronavirus.

  • Wissenschaftler warnen vor den kalten und nassen Jahreszeiten.
  • In Innenräumen steigt das Coronavirus-Infektionsrisiko.
  • Die Leopoldina-Akademie schlägt der Bundesregierung konkrete Maßnahmen vor.

Halle (Saale) – Für die kommenden Wochen und Monate sehen die Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Gefahr, dass es auch in Deutschland „abermals zu einer schwer kontrollierbaren Entwicklung der Pandemie kommt“.

Die Mitglieder der unabhängigen wissenschaftlichen Gesellschaft fordern die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern deshalb in einer gestern erschienenen Stellungnahme auf, sich zur Vorsorge „rasch auf bundesweit verbindliche, wirksame und einheitliche Regeln“ zu einigen. Auch müssten die verabredeten Regelungen dann „konsequenter als bisher“ um- und durchgesetzt werden.

Gelehrtengesellschaft:Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
Gründer:Leopold I.
Gründung:1. Januar 1652, Schweinfurt
Hauptstandort:Halle (Saale)
Vorsitz:Gerald Haug (Präsident)
Zweck:Nationale Akademie der Wissenschaften

Wissenschaftsgesellschaft Leopoldina

Die Leopoldina listet in dem zwölfseitigen Papier auf, was jetzt erforderlich wäre – es steht zwar nicht im Widerspruch zu geltenden Empfehlungen, ist aber an den aktuellen Wissensstand angepasst und fällt in Teilen konkreter aus als das, was bisher von der Politik zu hören war. Für die kalte Jahreszeit sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen eine Reihe von Herausforderungen: etwa, dass sich wieder mehr nach innen verlagern dürfte, Erkältungen und Grippe nur schwer von Covid-19 zu unterscheiden sein werden oder dass Herbst- und Winterferien beliebte Reisezeiten sind.

Wenn es draußen nass wird, wird es drinnen eng – und Infektionen werden wahrscheinlicher.

Damit es in Deutschland nicht so kommt wie in anderen europäischen Ländern und Israel, wo die Coronavirus-Neuinfektionen teilweise wieder den Stand vom März erreicht haben, mahnt die Leopoldina von „jedem einzelnen Menschen“ das konsequente Einhalten von Abstand, Hygiene und Maskentragen an. Ob das tatsächlich geschehe, müsse regelmäßig überprüft werden, je nach Infektionsgeschehen könne eine regionale Verschärfung der Regeln angezeigt sein.

Coronavirus-Regeln für Herbst und Winter – Maskentragen, Stoßlüften, Bußgelder für Verstöße

In Innenräumen, wo mehrere Leute zusammenkommen, sollten Mund-Nasenschutz und regelmäßiges Stoßlüften zur Routine werden. Letzteres könne nach heutigem Stand das Coronavirus-Infektionsrisiko um die Hälfte reduzieren, zusätzliches Maskentragen senke es weiter. Möglichst sollten Gruppenaktivitäten wie Sport, Singen oder lautes Sprechen in geschlossenen Räumen vermieden werden. Der Bevölkerung müsse bei allem, was beschlossen werde, „das verantwortungsvolle Verhalten erleichtert“ werden, heißt es – etwa durch das kostenlose Vorhalten von Masken am Arbeitsplatz.

Wichtig finden es die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leopoldina zudem, dass die Politik die Grundlagen für ihre Entscheidungen und die eigene Unsicherheit transparent macht. Aber sie sprechen sich auch für Sanktionen aus: Maskenmuffel müssten Bußgeld zahlen. Laut einer Studie sollen 97 Prozent bereit sein, Maske zu tragen, wenn es Pflicht wäre.

Coronavirus-Tests und Quarantäne extrem wichtig beim Bekämpfen der Pandemie

Als zentral für das Eindämmen der Coronavirus-Pandemie sieht die Leopoldina das gezielte Testen auf eine akute Infektion und die Quarantäne von Menschen aus einem Infektionscluster an. Dabei sei die „weitere Digitalisierung der Datenerfassung“ – Stichwort: Gesundheitsämter – sowie eine „barrierefreie und schnelle Mitteilung von Ergebnissen dringend notwendig“.

Weil die üblichen PCR-Tests, bei denen ein Abstrich auf Virenerbgut im Labor untersucht wird, aufwendig sind und Tage dauern, hoffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf eine Zulassung von Antigen-Schnelltests – auch wenn diese nicht genauso zuverlässig sind. Nach Ansicht der Leopoldina kann die Isolationszeit nach Beginn der Symptome bei nachgewiesener Infektion auf etwa eine Woche verkürzt werden, ebenso die Quarantäne nach Kontakt mit Infizierten oder einer Reise in ein Risikogebiet von 14 auf zehn Tage.

Die Leopoldina Akademie sitzt in Halle an der Saale.

Ziel müsse es sein, die Coronavirus-Pandemie unter Kontrolle zu halten und gleichzeitig das öffentliche und wirtschaftliche Leben „so weit wie möglich aufrechtzuerhalten“, so die Leopoldina, auch sollten Schulschließungen vermieden werden. Für Gruppen, die besonders belastet seien wie Alleinerziehende oder psychisch Kranke müssten seitens der Politik „Unterstützungsangebote bereitgestellt werden“.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance

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