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Corona

Coronavirus: Risiko für Schwangere an Covid-19 zu erkranken höher - Impfempfehlung fehlt

  • VonFrederik Jötten
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Für werdende Mütter ist die Wahrscheinlichkeit größer, schwer an Covid-19 zu erkranken. Bislang fehlt in Deutschland eine generelle Impfempfehlung für sie.

Berlin - Vier Totgeburten in Irland - jeweils nach Infektion mit Sars-CoV-2 der Mütter -, zwei in Israel. Dort machte zusätzlich der Fall der vierfachen Mutter Osnat Ben Shitrit Schlagzeilen, die mit 32 Jahren an den Folgen von Covid-19 starb. Sie war schwanger und hatte sich aus Angst vor möglichen Folgen für das Baby nicht gegen das Coronavirus impfen lassen – Mutter und Kind starben in der 30. Schwangerschaftswoche.

Das sind keine nichtssagenden Beispiele, die Studienlage zu den Gefahren für Schwangere ist mittlerweile eindeutig. Eine Untersuchung von allen 400 000 Schwangerschaften in den USA zwischen April und November 2020 ergab, dass das Risiko für einen Herzinfarkt bei an Covid-19 erkrankten Schwangeren um das 27-fache, für den Tod der Mutter um das 28-fache anstiegen.

Das Corona-Virus kann für die Mutter, aber auch für das ungeborene Kind gefährlich werden.

Coronavirus: Das gesundheitliche Risiko für Schwangere ist durch Covid-19 deutlich erhöht

„Es ist mittlerweile sehr klar, dass das gesundheitliche Risiko für die Schwangere deutlich erhöht ist durch Covid-19“, sagt Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin an der Uniklinik Jena und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin, eine Fachgesellschaft rund um die Geburtshilfe. Laut den Daten aus den USA steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Totgeburt um 21 Prozent, für eine Frühgeburt um 17 Prozent. Kanadische Wissenschaftler:innen ermittelten in einer kürzlich publizierten Metaanalyse mit Daten aus aller Welt noch deutlich höhere Werte, etwa ein 82 Prozent höheres Risiko für eine Früh- und ein mehr als 111 Prozent höheres für eine Totgeburt. „Die Daten aus dem deutschen Register ähneln aber denen aus den USA“, sagt Schleußner.

Das Beispiel Israel zeigt, wie gefährlich eine hohe Inzidenz für Schwangere werden kann. Gleichzeitig mit dem Start der Impfkampagne schnellten dort Ende Dezember 2020 die Infektionszahlen in die Höhe. Die dritte Welle hatte schon begonnen, das Virus grassierte in der Bevölkerung und infizierte dabei zwangsläufig auch Gruppen, die bis dato nicht geimpft waren – wie Schwangere, die zu Beginn der Kampagne vom Impfen ausgenommen waren. Am 20. Januar waren plötzlich zehn Frauen mit lebensgefährlichen Covid-19-Verläufen in israelischen Kliniken – die Zahl der infizierten Schwangeren hatte sich seit November verzehnfacht. Daraufhin rief die Regierung alle Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung gegen das Coronavirus auf. Im Februar änderte sie diese Empfehlung sogar dahingehend, dass alle Schwangeren sich impfen lassen sollten, gleich zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft.

Coronavirus: Bei Durchseuchung der Bevölkerung könnten Schwangere Schaden nehmen

Die Gefahr, dass bei Durchseuchung der Bevölkerung auch mehr Schwangere in Deutschland Schaden nehmen, sieht auch Ekkehard Schleußner. „Ich rechne mit mehr jungen und damit zwangsläufig auch mehr schwangeren Infizierten durch die steigenden Infektionszahlen“, sagt er. „Denn Kinder stecken sich in der Schule oder im Kindergarten an und infizieren ihre schwangeren Mütter.“ Die Zahl der Fälle in Deutschland ist noch relativ gering: 71 Frauen, die ein Kind erwarteten, mussten seit Beginn der Pandemie auf die Intensivstation. Doch binnen vier Wochen stieg die Zahl um fast 20 Prozent.

„Ein schwerer Verlauf trifft jede tausendste Frau, die ein Kind erwartet“, sagt Schleußner. „Das Risiko ist damit dreimal so hoch wie bei Frauen der gleichen Altersgruppe, die keine Kinder erwarten.“

Corona-Virus

Alle Informationen zu sars-CoV-2 finden Sie in den Corona-News.

Trotzdem fehlt eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für Schwangere. Sie erlaubt nur, Schwangeren mit Vorerkrankungen in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung eine Impfung gegen das Coronavirus anzubieten. Aber das geschieht selten. „Jede Woche erreichen mich mehrere Anfragen von verzweifelten Schwangeren, die sich impfen lassen möchten, aber ich habe ja keinen Impfstoff“, sagt Schleußner. „Ich höre das immer wieder, dass eine Schwangerschaft von Ärzten als eine absolute Kontraindikation für die Impfung angegeben wird, aber das ist völlig falsch.“

Schwangere und Corona: Impfung mit mRNA-Vakzinen für Schwangere unproblematisch

Neue Studien zeigen, dass die Impfung mit mRNA-Vakzinen für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder unproblematisch ist. In den USA impft man schon seit Beginn der Kampagne Schwangere in Gesundheitsberufen. Es zeigte sich, dass bei mit mRNA-Vakzinen geimpften Frauen nicht mehr Geburtskomplikationen auftraten als bei Schwangeren, die vor der Pandemie entbunden hatten.

Das Corona-Virus kann für die Mutter, aber auch für das ungeborene Kind gefährlich werden.

Eine andere Studie fand bei geimpften Schwangeren neutralisierende Antikörper in der Nabelschnur und in der Muttermilch – die Konzentration war höher als bei Frauen, die bereits eine Infektion durchgemacht hatten. Damit sind nicht nur die Mütter, sondern auch ihre Kinder nach der Geburt erstmal vor Sars-CoV-2 geschützt.

Neben Israel priorisieren mittlerweile auch Frankreich, Kanada und 17 US-Bundesstaaten Frauen, die ein Kind erwarten, bei der Impfung. „Jede Schwangere sollte die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen“, sagt Claire-Ann Siegrist, Vakzinologin an der Uni Genf und Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Impffragen.

„Ich würde mir wünschen, dass die Ständige Impfkommission auf die neuen Studien mit einer Änderung reagiert und ihre restriktive Haltung zur Impfung aufgibt“, sagt Schleußner. (Von Frederik Jötten)

Rubriklistenbild: © Caroline Seidel

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