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In der Nähe von Manaus erhält eine Brasilianerin das Astrazeneca-Vakzin.
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In der Nähe von Manaus erhält eine Brasilianerin das Astrazeneca-Vakzin.

Betrug

Skandal um Corona-Impfungen in Brasilien: Menschen bekommen Luft gespritzt

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Skandal bei Corona-Impfung in Brasilien: Älteren Menschen wird oft nur vorgeblich Impfstoff gespritzt. Das Personal verimpft Luft, um das Vakzin zu kassieren.

  • In Brasilien ging die Impfkampagne gegen das Coronavirus vergleichsweise spät und schleppend an den Start.
  • Impfhelfer:innen betrügen offenbar in großem Stil, indem sie Menschen statt Impfstoff nur Luft spritzen.
  • Menschen sind angewiesen, ihre Impfung zu filmen, um Betrug aufzudecken.

Brasilia - Es sind beängstigende Szenen, die sich in Brasilien in den vergangenen Tagen mehrfach wiederholt haben. Ein älteres Ehepaar oder ein Rentner, begleitet von einem Kind oder Enkel, fahren im Auto beim Impfzentrum vor. Auf dem Beifahrersitz rollen ein alter Mann oder eine betagte Frau den Ärmel hoch, und eine Impfhelferin im Schutzanzug drückt der Person routiniert eine Spritze in den Oberarm – vorgeblich mit dem Corona-Vakzin. Es wirkt professionell und routiniert, und ist doch ganz offensichtlich oftmals ein Betrug, der in dem von Covid-19 so stark gebeutelten südamerikanischen Land immer mehr um sich greift.

Denn vielfach sind diese Impfungen wahrhafte Luftnummern, das heißt Impfungen, mit denen gar kein Schutzpräparat injiziert wird. Die Krankenschwester oder der Impfhelfer haben entweder gar kein Vakzin in der Spritze aufgezogen – oder sie verimpfen den Inhalt der Spritze nicht unter die Haut, sondern lassen ihn im Kolben. Mutmaßlich wollten die Impfkräfte das Vakzin für sich oder Angehörige nutzen oder es auf dem Schwarzmarkt verkaufen, vermuten die Behörden.

Luft „verimpft“: Betrug bei Corona-Impfungen in Brasilien

Diese Art von „Drive-by-Impfung“ in mobilen Impfzentren, bei denen die Menschen gar nicht aus dem Auto aussteigen, sind in Brasilien sehr verbreitet. Aufgefallen sind diese Betrügereien jetzt mehrfach, nachdem die Patient:innen zuhause noch mal in Ruhe die Handyvideos der angeblichen Immunisierung angeschaut und dabei festgestellt haben, dass sie um ihre Schutzimpfung betrogen wurden.

Besonders dramatisch ist ein Fall aus Petrópolis in der Nähe von Rio de Janeiro. Eine Frau von 94 Jahren dachte, sie sei gerade gegen Covid-19 geschützt worden, aber ihre Spritze war leer. Auf dem Video, das ihre Kinder machten, sieht man, dass die Helferin Probleme mit der Schutzkappe der Spritze vorgibt und diese dann gegen eine angeblich neue austauscht. Diese andere Spritze aber enthält gar kein Vakzin und wurde der alten Frau dann also „leer“ gesetzt.

Betrug bei Corona-Impfung in Brasilien: Personal droht Haftstrafe

Die Impfhelferin sah nicht, dass ihr Betrug gefilmt wurde, da sie sich nicht weit genug ins Auto beugte. Die Täterin verteidigte sich mit dem Argument, sie sei wegen des Dauerstresses der Akkord-Impfungen übermüdet gewesen und habe einen Fehler gemacht. Sie habe aber nicht vorgehabt, das Vakzin zu unterschlagen. Ihr drohen laut Staatsanwaltschaft dennoch nun bis zu vier Jahren Gefängnis.

Medien in Brasilien nennen diese Betrügereien „Wind-Impfungen“, und sie sind eindeutig und vielfach belegt aus den Bundesstaaten Rio de Janeiro, São Paulo, Goiás, Alagoas und dem besonders dramatisch unter Covid-19 leidenden Staat Amazonas mit seiner Hauptstadt Manaus. Überall dort wurden nachweislich häufig Scheinimpfungen verabreicht. Mittlerweile empfehlen die Behörden sogar ausdrücklich, dass die Angehörigen das Verabreichen des Impfstoffs dokumentieren und bei Zweifeln sofort zum Zentrum zurückkehren und Anzeige erstatten sollen.

Brasilien: Präsident Bolsonaro gegen Corona-Impfung

Der Skandal trifft ein Land, das erstens wie kaum ein anderes unter der Pandemie leidet und wo die Immunisierung zudem erst spät (17. Januar) und sehr holprig angelaufen ist. Der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro hält nichts von Impfungen und bekämpfte sie lange auf allen politischen und administrativen Ebenen. Bis heute haben nach internationalen Erhebungen erst 3,3 Prozent der 211 Millionen Menschen im Land ihre erste Dosis erhalten. Zudem kommen die Impfstoffe nur sehr langsam und in geringer Zahl ins Land, weil die Regierung sehr spät Verträge mit den Pharmaunternehmen abgeschlossen hat. Große Städte wie Rio de Janeiro oder Salvador de Bahía mussten ihre Impfkampagnen zeitweise ganz einstellen.

Das größte Land Lateinamerikas hat laut der Johns-Hopkins-Universität mit mehr als 254.000 Toten die zweitmeisten Opfer nach den USA zu beklagen. Und mit 10,5 Millionen verzeichnet Brasilien auch die drittmeisten Infizierten nach den USA und Indien.

Corona-Impfung: Skandale auch in anderen Ländern

Impfskandale haben in den vergangenen Wochen auch Peru, Ecuador und Argentinien erschüttert. In Peru mussten die Außen- und die Gesundheitsministerin zurücktreten, weil sie sich frühzeitig impfen ließen. In Ecuador stolperte der Gesundheitsminister über Vetternwirtschaft beim Immunisieren. Auch in Argentinien hatte der Ressortchef politischen Bekannten ermöglicht, sich außer der Reihe vorschnell zu impfen.

Einzig im kleinen Chile läuft alles nahezu vorbildhaft. Dort sind die Impfungen weitgehend skandalfrei, bestens organisiert und auch Dosen sind genügend vorhanden. In dem Land ist bald ein Fünftel der 19 Millionen Menschen immunisiert. Chile könnte das erste Schwellenland sein, das Herdenimmunität erlangt. (Klaus Ehringfeld)

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