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Ursprung des Corona-Virus: Rund 90 Krankenhäuser in Wuhan, China, hatten bereits zwei Monate vor den offiziellen ersten Fällen Patient:innen mit Corona-Symptomen.
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Ursprung des Corona-Virus: Rund 90 Krankenhäuser in Wuhan, China, hatten bereits zwei Monate vor den offiziellen ersten Fällen Patient:innen mit Corona-Symptomen.

Wuhan-Delegation

Coronavirus: WHO durch chinesische Behörden beeinflusst? Experte rudert bei Laborthese zurück

  • vonFabian Kretschmer
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Noch bevor die WHO ihren Bericht zum Ursprung des Coronavirus aus Wuhan veröffentlicht, gibt es Streit um die Resultate. Ein Experte muss zurückrudern.

  • Ursprung des Coronavirus: Die WHO ist im Januar mit einer Delegation nach Wuhan gereist.
  • Weniger als eine Woche nach der abschließenden Pressekonferenz in China müssen Experten wieder zurückrudern.
  • Ein WHO-Experte wiederholt in einem Interview eine Theorie, die Chinas Regierung ebenfalls verbreitet.

Peking – Weniger als eine Woche nach der abschließenden Pressekonferenz der WHO-Delegation in Wuhan ist jenes Szenario eingetreten, das es eigentlich zu verhindern galt: Die Ursprungsfrage der Pandemie ist aufgrund gegenseitiger Anschuldigungen, Politisierungen und widersprüchlicher Aussagen zum Streitfall verkommen. Handelt es sich bei der WHO-Mission um unfreiwillige Handlanger der chinesischen Propaganda? Steckt hinter dem grundsätzlichen Infragestellen der WHO-Resultate bloß politisches Kalkül?

Tatsächlich lässt sich festhalten, dass die Weltgesundheitsorganisation nach ihrer 14-tägigen Untersuchung in Wuhan die chinesischen Behörden nach außen hin mit Samthandschuhen angefasst hat. Überraschen darf dies nicht, schließlich steht und fällt jeder Zugang auf chinesischem Territorium mit dem politischen Willen der Staatsführung.

Coronavirus-Ursprung: WHO rudert bei Laborthese zurück

Dennoch müssen einige der Aussagen während der Abschlusspressekonferenz neu bewertet werden. Delegationsleiter Peter K. Ben Embarek sagte zur sogenannten Labor-These, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan entwichen sei, sei „extrem unwahrscheinlich“ und erfordere keine weitere Untersuchungen.

Der Aufschrei war groß, beruhte die Schlussforderung doch nur auf Interviews mit Labormitarbeitenden. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus ruderte nun zurück und sagte, dass „alle Hypothesen weiter bestehen und weitere Analyse und Studien erfordern“.

Corona-Erkrankte: Chinesische Behörden hielten gegenüber WHO Daten zurück

Dass es in der WHO-Delegation hinter den Kulissen durchaus lautstarke Auseinandersetzungen gab, ist ebenfalls bekanntgeworden. In mindestens 174 Fällen, so berichtet das „Wall Street Journal“, sollen zudem chinesische Behörden den Zugang zu personalisierten Daten über mögliche Covid-Erkrankungen für Dezember 2019 verweigert haben. Das WHO-Team musste sich mit zuvor von chinesischen Forschenden ausgewerteten und interpretierten Datensätzen begnügen – ein klarer Verstoß gegen das Standardprozedere epidemiologischer Aufarbeitungen.

Das zentrale Problem bei der rückwirkenden Aufarbeitung ist die verlorene Zeit. So weiß man etwa mittlerweile, dass rund 90 Krankenhäuser in Wuhan und Umgebung bereits zwei Monate vor den offiziell ersten Infektionsfällen Patient:innen mit Covid-ähnlichen Symptomen registrierten. Doch ob es sich dabei wirklich um Sars-CoV-2 handelte, wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen können. Zwar haben die chinesischen Behörden über ein Jahr später Antikörpertests durchgeführt, doch sind diese nach einem so langen Zeitraum nur bedingt aussagekräftig.

Coronavirus: WHO-Experte wiederholt Chinas Propaganda

Die Äußerungen mancher WHO-Delegationsteilnehmer vermitteln zudem den Eindruck, beim Umgang mit dem chinesischen Staat überaus naiv zu sein. Der britisch-amerikanische Zoologe Peter Daszak schreibt etwa auf Twitter davon, sich nicht auf die in „vielen Aspekten falschen“ US-Informationen zu verlassen.

Zugleich gibt er dem englischsprachigen Propagandasender CGTN ein fragwürdiges Interview: Einerseits gibt er an, dass sich eine weitere Verfolgung eines angeblichen Labor-Leaks nicht lohnen würde. Andererseits spricht er über eine Einfuhr des Erregers durch tiefgefrorene Fleischimporte – ausgerechnet jene Theorie wurde von Chinas Staatsmedien propagiert, die darüber spekulierten, ob das Virus aus den USA nach China kam. (Fabian Kretschmer)

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