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Ren Zhiqiang , 69,

Kritik an der Regierung

Kritiker „Kanonen-Ren“ spurlos in China verschwunden - jetzt wird gegen ihn ermittelt

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Ein chinesischer Unternehmer kritisiert in den sozialen Medien den chinesischen Präsidenten Xi Jinping und sein Verhalten in der Corona-Krise. Die Regierung stellt ihn kalt.

  • Der Unternehmer Ren Zhiqiang kritisierte Chinas Corona-Politik in Sozialen Medien
  • Der Kritiker verschwand daraufhin spurlos
  • Die Kommunistische Partei Chinas geht nun gegen ihn vor

Peking - Nicht wenige Chinesen fragen sich dieser Tage, ob die Virus-Pandemie nicht hätte verhindert werden können. Auch Ren Zhiqiang, 69 Jahre alt und einer der einflussreichsten Unternehmer des Landes, ging dem vor einigen Wochen auf den Grund. 

In einem scharfzüngigen Essay, publiziert in sozialen Medien, schießt „Kanonen-Ren“, wie er genannt wird, gegen das Staatsoberhaupt. Ohne Präsident Xi Jinping beim Namen zu nennen, wird dieser unverkennbar als „machthungriger Clown“ verunglimpft.

Nach Kritik an Corona-Verhalten: Unternehmer verschwindet spurlos

Seither fehlt von dem ehemaligen Immobilien-Tycoon jede Spur. Am späten Dienstagabend schließlich berichteten chinesische Staatsmedien, dass die Justiz gegen Ren wegen „ernsthafter Verletzungen der Disziplin und der Gesetze“ ermittele. Die Botschaft ist eindeutig: Der Kritiker hat aus Sicht der Regierung eine Grenze überschritten.

Dabei genoss Ren Zhiqiang, seit 1974 selbst Mitglied der Kommunistischen Partei, so etwas wie Narrenfreiheit. Sein Vater gehörte zu den Gründungsvätern der Volksrepublik. Später wurde er Unternehmer und pflegt ein großes politisches Netzwerk.

Unternehmer fragte nach Schuld am Corona-Ausbruch

In jenem Essay, der Ren Zhiqiang nun zum Verhängnis wurde, stellt er die Schuldfrage für den Ausbruch der Pandemie. Seine These lautet: Gäbe es eine unabhängige Presse und Meinungsfreiheit im Land, dann wäre die Krise zu verhindern gewesen. Die Kommunistische Partei, so Ren, habe kein Interesse, das eigene Fehlverhalten aufzuklären.

Tatsächlich deutet bei der chinesischen Regierung derzeit wenig auf Selbstreflexion hin: So behaupten Regierungsvertreter aus Peking stets, von Beginn an transparent und effizient gegen das Virus vorgegangen zu sein. Auch wenn das Land angesichts der – nach offiziellen Angaben – sinkenden Fallzahlen zwar stolz sein kann: In den ersten Wochen nach dem Ausbruch haben die Behörden das Virus zunächst verschwiegen und dann massiv verharmlost.

Corona-Krise: China zeigt keine Transparenz

Das kritisiert auch Ren: Seiner Ansicht nach haben die Beamten in Wuhan, dem Virus-Epizentrum im Land, aus Eigeninteresse keine schlechten Nachrichten an ihre Vorgesetzten weiterleiten wollen. Die Information über eine sich anbahnende Epidemie versickerte schließlich. Ganz anders in der Provinz Zhejiang bei Schanghai, wo man besser reagiert und „die Rechte der Bevölkerung respektiert“ habe.

Dass Peking nun die harte, aber von vielen Chinesen geteilte Kritik nicht duldet, zeugt erneut davon, dass die Virus-Krise nicht zu Transparenz und einer Öffnung der Regierung unter Xi Jinping führen wird. An Xi schrieb Ren in seinem Essay: „Sie verstecken nicht im mindesten Ihre resolute Ambition, ein Herrscher zu sein und jeden zu zerstören, der Sie hindert“.

China gerät in der Corona-Krise zunehmend unter Druck. Ein brisanter Geheimdienstbericht spricht von Vertuschung und nimmt ein Labor in Wuhan in den Fokus.

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