In China wird schnell geforscht. Vielleicht zu schnell.
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In China wird schnell geforscht. Vielleicht zu schnell.

Corona-Pandemie

Such nach Impfstoff gegen Corona gebremst: Zu wenig Testpersonen in China

  • vonFabian Kretschmer
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Die Volksrepublik beschleunigt die Suche nach einem Impfstoff. So sehr, dass internationale Forscher an den rosigen Versprechungen aus Peking zu zweifeln beginnen.

  • Die Welt forscht an einem Impfstoff gegen das Coronavirus
  • Dabei beschleunigt China seine eigene Suche. 
  • Internationale Forscher zweifeln an den rosigen Versprechen. 

Nachdem chinesische Wissenschaftler am 10. Januar erstmals die Genomsequenz des Coronavirus mit der Welt teilten, läuft das globale Wettrennen nach dem Impfstoff. Kandidaten aus der Volksrepublik gelten als vielversprechend: Die Nationale Gesundheitsbehörde meldet für fünf potenzielle Impfstoffe Testreihen am Menschen – und drei Mittel sollen bereits die zweite von drei nötigen Phasen hinter sich haben.

Coronavirus: Pharmaindustrie steht vor einem ungewöhnlichen Problem 

Nun jedoch steht die Pharmaindustrie vor einem ungewöhnlichem Problem: Der eigene epidemiologische Erfolg bremst die Suche nach dem Impfstoff. Für die dritte Testphase benötigt man nämlich möglichst viele Probanden, die dem Virus ausgesetzt sind. Aber China führt für das gesamte Land mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern nur mehr 485 Infizierte an, wobei allein 270 auf Peking entfallen.

Hilfe verspricht das Ausland: Die „China National Biotec Group“ hat einen Vertrag mit den Vereinigten Arabischen Emiraten unterschrieben, die Firma Sinovac Biotech kooperiert mit dem Hotspot Brasilien und kann dort 9000 Freiwillige erwarten. In besagter Phase drei muss ein Präparat über mehrere Monate an Probanden verabreicht werden. Erst dann kann der Arzneistoff bei den Behörden registriert, produziert und vertrieben werden.

Impfstoff in China: Gesetzliche Prozeduren verkürzt 

Während China sich anhaltender internationaler Kritik sicher sein kann – hatte doch das Virus in Wuhan seinen Ursprung –, so scheint der autoritäre Staat im Wettrennen um einen Impfstoff nun die Nase vorn zu haben. Bei Erfolg würde die meiste Kritik wohl verstummen.

Die Regierung hat allerdings auch die gesetzlichen Prozeduren verkürzt; so dürfen vorklinische Studien an Tieren und die – an sich erst später folgenden – Tests an Menschen gleichzeitig durchlaufen werden. Zudem fördert der Staat die Pharmalabore großzügig und entsendet auch die bestqualifizierten Ärzte der Armee zur Unterstützung.

Sinovac reklamiert bereits Erfolge für sich: Sein Präparat „Coronavac“ soll für den Menschen verträglich wie auch wirksam sein. Dabei handelt es sich um eine „inaktivierte“ Version des Virus, die dem Körper gewissermaßen eine Infektion vortäuscht. Bis zum Herbst sollen alle Tests erledigt sein. Sinovac gibt sich zu 99 Prozent sicher, dass der Wirkstoff immun macht.

Präsident Xi Jinping versichert, dass man einen wirksamen Impfstoff als „globales öffentliches Gut“ zur Verfügung stellen werde. Und da verstummt Sinovac dann. Angeblich besitzt die Firma eine erste Produktionskapazität von 100 Millionen Dosen. Das ist allein schon für China sehr wenig. Aber viele internationale Forscher sind eh skeptisch: Zu oft schon waren Firmen aus China in handfeste Skandale verwickelt. Das Institut für Biotechnologieprodukte in Wuhan etwa produzierte mal einen Impfstoff gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus, der Lähmungen verursachen konnte. (Fabian Kretschmer) 

Das Coronavirus ist noch lange nicht besiegt. Die deutsche Bevölkerung wird sich noch einige Zeit mit massiven Einschränkungen abfinden müssen.

Noch immer ist nicht absehbar, wann genau es einen Corona-Impfstoff geben wird. Der Druck auf die Forschung wächst – In Deutschland sind allein acht Einrichtungen auf der Suche nach einem Impfstoff. Eine Petition fordert jetzt: Forschungsergebnisse zu Corona-Impfstoffen sollen frei verfügbar sein.

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