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Interview

Hilft wärmeres Wetter gegen das Coronavirus? Experte gibt Antworten

  • Sabine Hamacher
    vonSabine Hamacher
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Ein Experte zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten beantwortet Fragen über das Coronavirus und das Wetter. Und erklärt, warum er trotz Mutanten nicht für strengere Abstandsregeln ist.

  • Die Frage beschäftigt viele: Welchen Einfluss haben die Außentemperaturen auf Corona?
  • Professor Nico Mutters, Spezialist in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, gibt spannende Antworten.
  • Er erklärt, was für die Ansteckungsgefahr relevant ist ‒ und was nicht.

Frankfurt ‒ Wie beeinflusst das Wetter das Coronavirus? Diese Fragen stellen sich gerade im Winter viele. Wir sprachen mit Prof. Nico Mutters, Spezialist in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Direktor des „Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit“ am Universitätsklinikum Bonn.

Das Coronavirus mag bekanntlich keine Sonne, aber kalte, feuchte Luft – heißt das, dass es sich im Winter auch im Freien länger hält und besser verbreiten kann?
Wie lange das Virus in der Umgebung überlebt, hat tatsächlich mit Wettereinwirkungen wie UV-Strahlen und Temperatur zu tun. Bei Kälte ist es etwas stabiler, das ist bei vielen Viren der Fall. Und UV-Strahlen können Viren tatsächlich schädigen. Trotzdem ist es nicht ganz so einfach: Die Sonne ist im Winter zwar allgemein schwächer, aber Schnee und Eis reflektieren die UV-Strahlung und können deren Effekt deutlich verstärken – auch auf die Viren.
Mal abgesehen von der Sonne: Wenn das Virus bei Kälte stabiler ist, müssten dann nicht im Winter draußen andere Abstandsregeln gelten als im Sommer?
Das lässt sich so nicht ableiten. Wenn Sie einen halben Meter entfernt von jemandem stehen, und der hustet in Ihre Richtung, ist es völlig irrelevant, wie viel UV-Strahlung gerade unterwegs ist oder wie warm oder kalt es ist. Das Virus überlebt diese paar Sekunden, die es für den Weg braucht, natürlich trotzdem. Es dauert eine Weile, bis Sonne oder Wärme das Virus zerstört haben. In einer Wüste mit großer Hitze und hoher UV-Einstrahlung wird der Erreger schneller abgetötet als in einer gemäßigten Zone im Dunkeln. Aber das hat für die Ansteckungsgefahr wenig Relevanz.
Was hat Relevanz?
Der wahrscheinlich größte Einfluss, den die Jahreszeiten auf die Virusübertragung haben, ist schlicht und ergreifend, dass wir im Winter, wenn das Wetter schlechter ist, näher beieinander sind und uns mehr in Innenräumen aufhalten. Unabhängig davon, ob es Sommer oder Winter ist, ist draußen die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich geringer, weil sich auch Verdünnungseffekte einstellen.
Durch die Luftbewegung.
Genau. In einem Raum mit geschlossenem Fenster sammeln sich die Aerosole aus der Atemluft an. Draußen werden sie vom Wind weggetragen und verdünnen sich. Wenn das Virus in die nächste Hecke gepustet wird, überlebt es an den Blättern, abhängig von Temperatur oder UV-Strahlung, vielleicht etwas länger oder kürzer; es macht aber keinen Unterschied, weil man sich da nicht mehr anstecken kann.
Nicht das Wetter, sondern der Abstand spielt die entscheidende Rolle.
Weiß man Genaueres darüber, wie sich Aerosole im Freien verbreiten?
Im Gegensatz zu den Tröpfchen, die sich beim Niesen oder Husten bilden, sind Aerosole relativ unbeweglich. Man muss sich das wie einen Nebel vorstellen. Sie sind so klein und leicht, dass sie allein mit der Schwerkraft nicht so schnell absinken. Deshalb ist Lüften so sinnvoll, weil die Aerosole durch die Luftverwirbelung und den Luftaustausch abgezogen werden. Im Freien ist der Verdünnungseffekt viel stärker, weil immer Luftbewegung da ist, egal, ob es windig ist oder nicht. Draußen spielt eher die Gefahr durch die direkte Ansteckung eine Rolle, also entweder über die Hände, oder über Tröpfchen, die beispielsweise beim Husten oder Niesen entstehen, wenn die Leute keine Masken tragen.
Oder wenn Jogger:innen dicht an mir vorbeilaufen und prustend ausatmen?
Eine Übertragung ist in dieser Situation prinzipiell natürlich möglich, aber viel unwahrscheinlicher als beim Husten oder Niesen in das Gesicht des Gegenüber. Prinzipiell sollte aber auch der Jogger Abstand einhalten.
Mit Blick auf die deutlich ansteckenderen neuen Virusvarianten – müssten nicht die Abstandsregeln angepasst werden?
Je mehr wir den Abstand vergrößern, desto unwahrscheinlicher ist eine Ansteckung. Ich glaube aber nicht, dass sich viel damit gewinnen ließe, die Abstandsempfehlung jetzt zu erhöhen. Wer von uns hat denn wirklich ein Gespür dafür, wie groß die Distanz gerade ist? Wir laufen ja nicht mit einer auf den Bauch gebundenen Stange herum. Wenn wir weiter versuchen, überhaupt Abstand zu halten und die anderen AHA-L Regeln einzuhalten, ist das das Beste, was wir machen können.
Zurück zur Temperatur: Würde diese eine große Rolle spielen, wäre die Ansteckungsgefahr in warmen Ländern ja auch wesentlich geringer als bei uns – was nicht der Fall zu sein scheint.
Richtig. Die Temperatur hat einen gewissen Einfluss, in der Konsequenz ist der aber relativ gering. Die Pandemie ist ein weltweites Phänomen, wir haben im Moment in jeder Klimazone Übertragungen. Auch daran sieht man, dass es nicht so entscheidend ist, ob jetzt Sommer oder Winter ist.

Zur Person

Prof. Nico Mutters (41) ist Hygieniker und Mikrobiologe und Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn. Mutters gilt als Spezialist in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Kälte hat aber bei der Ausbreitung des Virus in den gekühlten Arbeitsräumen der betroffenen Schlachthöfe schon eine Rolle gespielt, oder?
Sie war eines der Probleme bei Tönnies oder auch anderen fleischverarbeitenden Betrieben: Das Virus überlebt in den gekühlten Räumen etwas länger. Dazu kann kommen, dass manche Klimaanlagen nicht ausreichend Frischluft zuführen, sondern die ausgeatmete und eventuell virushaltige kalte Luft immer wieder umwälzen. Das kann man sich vorstellen wie ein Schwimmbad, in das kein neues Wasser mehr fließt, da sind irgendwann lauter Haare und Hautschuppen drin. Die Verunreinigung der Luft sieht man nur nicht.
Die arbeitenden Menschen haben sich dort reihenweise angesteckt.
Ja. Allerdings haben sie nicht nur zusammen gearbeitet, sondern waren auch zusammen untergebracht. Wenn zehn Personen in einem Gemeinschaftsraum schlafen und zwei von ihnen haben Corona, können sich die anderen natürlich anstecken – vielleicht sogar schneller als in dem Betrieb, in dem sie eine Maske tragen. Im Nachhinein lässt sich nicht mehr sagen, wo genau sie sich infiziert haben.

(Das Interview führte Sabine Hamacher.) Die aktuellen Corona-Fallzahlen vermeldet das Robert-Koch-Institut (RKI).

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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