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USA

Joe Bidens „Neandertaler“-Aussage zu Corona-Lockerungen provoziert – Gouverneur schlägt zurück

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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  • Stefan Krieger
    Stefan Krieger
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Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, schießt nach der „Neandertaler“-Aussage von Joe Biden mit einer Behauptung gegen ihn. Das Weiße Haus verteidigt den US-Präsidenten.

  • US-Präsident Joe Biden hat sich die Bekämpfung des Corona-Virus auf die Fahnen geschrieben.
  • Mehrere Bundesstaaten der USA lockern jetzt die Schutzmaßnahmen – gegen den Rat der Expertinnen und Experten.
  • Mehr zum 46. Präsidenten der USA in den Biden-News.

Update vom Freitag, 05.03.2021, 10.45 Uhr: Das Weiße Haus in Washington hat die Aussagen von US-Präsident Joe Biden zu den Corona-Lockerungen in Texas und Mississippi verteidigt. Dieser hatte die Lockerungen in den beiden Bundesstaaten als Fehler bezeichnet und gesagt, ein „Neantertalerdenken“, dass bis zur Impfung alles in Ordnung sein würde, sei „das Letzte, was wir brauchen“.

Wie der „Guardian“ berichtet, betonte die Sprecherin des Weißen Hauses nun, dass Joe Biden das Verhalten der Gouverneure mit Neandertalern verglichen hatte, nicht die Menschen selbst. „Nur um das klarzumachen, das Verhalten“, sagte Jen Psaki. Joe Bidens Kommentar zeige seine Frustration damit, dass Amerikaner:innen sich nicht an die Corona-Richtlinien für die öffentliche Gesundheit hielten. „Ich glaube nicht, dass seine Ansicht zu Masken ein Geheimnis ist“, fuhr Psaki fort. „Und ich bin mir sicher, wenn er das nächste Mal mit ihnen spricht, wird er ihnen das selbst sagen“, sagte sie in Bezug auf die Gouverneure.

Der Governeur von Texas, Greg Abbott, hatte sich gegen die Aussage von Joe Biden gewehrt und gesagt, bei „Neantertalerdenken“ handele es sich nicht um ein Wort, das ein Präsident benutzen sollte. Abbott beschuldigte daraufhin US-Präsident Joe Biden, angeblich „illegale Immigranten, die Corona haben“ ins Land zu lassen. Dies sei eine „Neandertaler-Herangehensweise“ für die Corona-Krise. Dies entspreche nicht der Wahrheit, sagte Jen Psaki dazu.

Joe Biden, Präsident der USA, trägt Maske während eines Treffens im Oval Office des Weißen Hauses.

Corona in USA: Joe Biden kritisiert Lockerungen und spricht von „Neandertaler-Denken“

Erstmeldung vom Donnerstag, 04.03.2021, 11.57 Uhr: Washington, D.C. – In den USA stecken sich weiterhin Zehntausende Menschen am Tag mit dem Coronavirus an. Mehrere Bundesstaaten lockern die Schutzmaßnahmen nun trotzdem - gegen den ausdrücklichen Appell von US-Präsident Joe Biden. Der Präsident bezeichnete die Lockerungen in den Bundesstaaten Texas und Mississippi als „großen Fehler“ und warf den zuständigen Gouverneuren „Neandertaler-Denken“ vor.

Erst Ende Mai werde es genug Impfstoff geben, um alle erwachsenen Amerikaner:innen impfen zu können. „Das Letzte, was wir brauchen, ist ein Neandertaler-Denken, dass in der Zwischenzeit alles in Ordnung ist“, sagte Joe Biden mit Blick auf Texas. Es sei „entscheidend“, die von der Wissenschaft empfohlenen Schutzmaßnahmen zu befolgen.

„Wir haben sehr deutlich gemacht, dass es jetzt nicht an der Zeit ist, alle Einschränkungen aufzuheben. Die nächsten ein oder zwei Monate sind wirklich entscheidend“, sagte Dr. Rochelle Walensky, Direktorin der Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC). Sie warnte: „Heute befinden wir uns an einem kritischen Punkt in der Corona-Pandemie. In den nächsten Wochen kann sich so viel ändern. “

Joe Biden, Präsident der USA, kritisiert Corona-Lockerungen.

Corona-Lockerungen: Biden-Berater Anthony Fauci kritisiert die Verantwortlichen

Auch der Immunologe und Biden-Berater Anthony Fauci nannte die Rücknahme der Schutzmaßnahmen „unerklärlich und unüberlegt“. Fauci sagte dem Sender CNN am Mittwochabend, bereits vor Monaten hätten die USA erlebt, wie die Fallzahlen wieder bedenklich zugenommen hätten, nachdem manche Bundesstaaten die Richtlinien der Experten nicht befolgt hätten. Die täglichen Fallzahlen in den USA seien zwar auf 55 000 bis 70 000 zurückgegangen, lägen damit aber immer noch hoch - und der Rückgang sei inzwischen gebremst.

BundesstaatEinwohnerHauptstadt
Mississippi Knapp drei Millionen Jackson
Texas25 MillionenAustin

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte am Dienstag angekündigt, die Maskenpflicht und alle Kapazitätsgrenzen für Restaurants und andere Betriebe in seinem Bundesstaat aufzuheben. Auch der republikanische Gouverneur von Mississippi, Tate Reeves, hatte erklärt, alle Anordnungen zum Tragen von Masken und Kapazitätsgrenzen für Restaurants und Firmen würden beendet. Weitere Bundesstaaten, darunter Ohio und Michigan, kündigten zumindest Lockerungen ihrer Corona-Auflagen an.

Corona-Lockerungen: Gouverneur Abbott spricht von Beleidigungen

Abbott und Reeves wehrten sich am Mittwoch auf Twitter gegen Kritik. „Wir sind in der Lage, Covid einzudämmen und Texas sicher zu 100 Prozent zu öffnen“, schrieb Abbott. Reeves kritisierte, Biden habe es als „Neandertaler-Denken“ bezeichnet, den Menschen in Mississipi die Entscheidung zu überlassen, wie sie sich schützten. Diese Menschen bräuchten keine „Betreuer“, schrieb der Gouverneur. „Ich denke, wir sollten den Amerikanern vertrauen und sie nicht beleidigen.“

Tweet von Gouverneur Greg Abbott.

Der Bürgermeister von Houston, der größten Stadt des Bundesstaates Texas, war mit der Entscheidung nicht einverstanden. „Es ist ein Schritt in die falsche Richtung“, sagt Sylvester Turner und fügte hinzu: „Ich bin sehr enttäuscht. Es macht keinen Sinn.“

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, übte Kritik an Politikern, die die Expertenratschläge seit Beginn der Corona-Krise nicht ernst genommen hätten. Die USA hätten seit einem Jahr mit der Pandemie zu tun, sagte Psaki am Mittwoch. „Und das gesamte Land zahlt den Preis für politische Anführer, die die Wissenschaft mit Blick auf die Pandemie ignoriert haben.“

Psaki betonte, Joe Bidens Appell an die Amerikaner:innen, in seinen ersten 100 Tagen im Amt Masken zu tragen, basiere auf Experteneinschätzungen, die davon ausgingen, dass so 50.000 Menschenleben gerettet werden könnten. „Wir müssen wachsam bleiben.“

Corona in den USA: Donald Trump findet Masken lästig

Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte zu Beginn der Corona-Pandemie die von dem Virus ausgehende Gefahr geleugnet, sich später ohne wissenschaftliche Belege für bestimmte Medikamente als vermeintliche Wundermittel eingesetzt und bis zuletzt erkennen lassen, dass er das Tragen von Masken eher lästig fand. Biden hat den Kampf gegen die Pandemie zu einem seiner wichtigsten Ziele erklärt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in den USA fast 520 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus ums Leben gekommen, wie aus Statistiken der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Mehr als 28,7 Millionen der rund 330 Millionen Amerikaner steckten sich mit dem Virus an. Die Infektionszahlen sind deutlich unterhalb von denen zu Jahresbeginn, lagen in den vergangenen Tagen aber weiterhin bei jeweils mehr als 50 000. (Stefan Krieger mit dpa)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

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