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Xi‘an: Supermarktmitarbeiter sortieren Gemüse für die Auslieferung an Haushalte.
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Xi‘an im Dezember: Supermarktmitarbeiter sortieren Gemüse für die Auslieferung an Haushalte.

Coronavirus

China: Corona-Lockdown in Teilen des Landes - nicht mal Supermärkte sind geöffnet

  • VonFabian Kretschmer
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Wegen des strikten Corona-Lockdowns im chinesischen Xi’an sind die Menschen auf staatliche Essenslieferungen angewiesen.

Xi‘an - Das Video, das sich viele Menschen in China derzeit über die sozialen Medien zuschicken, steht sinnbildlich für die Schattenseiten der rigiden Lockdown-Vorschriften: Es zeigt einen Mann vor dem Eingangstor seiner Wohnanlage stehen, in der Hand hält er eine Plastiktüte mit Dampfbrötchen. Mehrere Behördenangestellte stellen den mutmaßlichen Regelbrecher, den der Hunger trotz Ausgangssperre zum Essenkaufen auf die Straße getrieben hat, zur Rede. Sie bedrängen und schubsen ihn – bis die Brötchen auf den dreckigen Asphalt fallen.

Die Volksrepublik China startet ins neue Jahr mit dem landesweit größten Infektionsherd seit der Eindämmung der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020. Rund 1600 Infektionen wurden in den vergangenen Wochen in der Provinzhauptstadt Xi’an registriert. Die Behörden reagierten mit dem härtesten Lockdown seit dem in Wuhan: Konnten die 13 Millionen Bewohner:innen Xi’ans zuvor zumindest alle paar Tage noch zum Lebensmitteleinkauf ihre Häuser verlassen, dürfen sie nun nur mehr für die verpflichtenden Corona-Tests hinaus. Sie sind vollständig von staatlich organisierten Versorgungslieferungen abhängig.

Corona-Lockdown in Xi’an: Staatsmedien in China zeigen verfälschtes Bild

Die chinesischen Staatsmedien zeichnen ein weitgehend rosiges Bild von sich aufopfernden Nachbarschaftskomitees und dankbaren Menschen. Wer jedoch mit den Menschen vor Ort spricht, erhält ein anderes, wesentlich vielschichtigeres Bild.

„Es ist über eine Woche her, dass wir unsere Wohnanlage nicht mehr verlassen können, und die Bezirksregierung organisiert bislang weder Fleisch, Milch oder sonstiges Essen“, sagt eine Chinesin aus dem Südteil der Stadt, dem Epizentrum des Corona-Ausbruchs. Man helfe sich innerhalb der Nachbarschaft gegenseitig aus. Prekär sei die Lage jedoch für diejenigen, die keine Kühlschränke zur Essenslagerung haben.

Corona in China: Infos zu Xi‘an

NameXi'an
Bevölkerung12.900.000 (Großraum Xi'an)
ProvinzShaanxi
Altermehr als 1250 Jahre

Auf der Online-Plattform Weibo berichten Menschen, wie sich die Versorgungslage innerhalb weniger Tage verschlimmert hat. „Heute habe ich anderthalb Stunden auf meine Lieferung gewartet: eine bloße Kartoffel und zwei Stück Kohl“, schreibt einer. Der Nachbarschaftskiosk, bei dem man zuvor das Nötigste bekommen habe, habe nun auch noch schließen müssen.

Corona-Lockdown in China: Einschränkung mit Kollateralschaden

Ein Ladenbesitzer antwortet in einem privat organisierten Gruppenchat mehreren verzweifelten Menschen, die bei ihm Bestellungen aufgeben wollen, dass er von der Polizei gewarnt wurde, sich nicht den Regeln zu widersetzen.

Natürlich sind das nur Bruchstücke einer vielschichtigen Realität. Doch Fakt ist: Die Kollateralschäden des Lockdowns kommen in der Berichterstattung der Staatsmedien höchstens am Rande vor. Man kann sich allerdings ausmalen, wie es derzeit um die Unterprivilegierten in Xi’an steht: die Arbeitsmigrantinnen, Tagelöhner und Wohnungslosen; aber auch denjenigen, die von Medikamentenlieferungen abhängig oder psychisch erkrankt sind und nun keine professionelle Hilfe mehr in Anspruch nehmen können.

Corona-Lockdown in China: Logistische Mammutaufgabe

Eine über Nacht beschlossene staatliche Versorgung von mehreren Millionen Menschen ist eine logistische Mammutaufgabe, die wohl nur wenige Staaten abseits der Volksrepublik stemmen können. Tatsächlich hat die rigide Null-Covid-Politik trotz der radikalen Opfer, die sie den Menschen abverlangt, der Gesamtbevölkerung von 1,4 Milliarden wohl etliche Virustote erspart: Laut offiziellen Zahlen sind bislang weniger als 6000 Menschen an oder mit dem Virus gestorben. Zwar dürfte die Dunkelziffer aufgrund der chaotischen Zustände zu Beginn der Pandemie in Wuhan um einiges höher liegen. Doch spätestens seit Sommer 2020 spielt die Corona-Infektionsgefahr im Alltag in China keine Rolle mehr.

In Xi’an wurden inzwischen zwei hochrangige Funktionäre der Kommunistischen Partei von ihren Posten entfernt. Der Schritt soll laut der Stadtverwaltung dafür sorgen, dass die Anstrengungen zur „Epidemie-Prävention und -Kontrolle verstärkt“ werden, wie Lokalmedien am Sonntag berichteten.

Omikron in China: Corona-Variante bisher nur bei Einreisenden

„Ich erwarte, dass die Situation in Xi’an noch vor Februar offiziell unter Kontrolle gebracht werden kann“, sagte Yanzhong Huang, Gesundheitsexperte und Professor an der Seton Hall Universität in New Jersey. Die eigentliche Sorge sei jedoch eine andere: die scheinbar mildere, aber gleichzeitig weitaus infektiösere Omikron-Variante. Denn gegen diese bieten die chinesischen Vakzine keinen ausreichenden Schutz.

Bislang jedoch wurden die einzigen Omikron-Fälle in China ausschließlich bei Einreisenden festgestellt, die direkt nach ihrer Ankunft in Quarantänezentren isoliert wurden. Doch ganz gleich, ob Delta oder Omikron: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Peking den nächsten Lockdown verhängt. (Fabian Kretschmer mit afp)

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