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Corona-Pandemie

Politikerinnen von SPD und Grünen sprechen von versteckter Triage in deutschen Pflegeheimen

Politikerinnen von SPD und Grünen äußern sich zu versteckten Fällen von Triage in Deutschland. Pflegeheime würden nicht jeden Corona-Patient ins Krankenhaus bringen.

  • Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer sprechen von versteckter Triage in Pflegeheimen.
  • Laut Zahlen des RKI sterben zwei Drittel der Corona-Patienten in Deutschland nicht auf Intensivstationen.
  • Es besteht der Vorwurf, Pflegeheime würden nicht alle hochbetagten Patienten ins Krankenhaus bringen lassen.

Berlin - Sowohl Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) als auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer sprechen laut Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) davon, dass es in Deutschland täglich mehrfach zu Fällen von versteckter Triage in Pflegeheimen käme. Ärzte müssten demnach entscheiden, welche Corona-Patienten in ein Krankenhaus gebracht werden, um dort intensivmedizinisch versorgt zu werden, und welche nicht.

„Wir müssen befürchten, dass insbesondere erkrankte Hochbetagte in Pflegeheimen nicht die medizinische Versorgung bekommen, die sie eigentlich bräuchten“, sagte Rüffer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Rüffer verwies auf die aktuellen Statistiken des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Corona-Todesfällen.

Die Daten würden aussagen, dass rund zwei Drittel der Corona-Verstorbenen in einem Pflegeheim gestorben seien, anstatt auf einer Intensivstation. „Das könnte darauf hindeuten, dass vor Ort in einer Art Triage entschieden wird, schwer Erkrankte nicht mehr ins Krankenhaus zu bringen“, sagte Rüffer. Weiter führte sie aus: „Für mich besteht daher der Verdacht, dass Menschen aus Pflegeheimen keine Chance auf eine intensivmedizinische Behandlung bekommen, weil sie von vorneherein aussortiert werden.“ Sie fordert eine entsprechende Untersuchung der Situation.

Bundesjustizministerin Christine Lamprecht (SPD) warnt vor Fällen von versteckter Triage in deutschen Pflegeheimen.

Triage in Deutschland: Vorauswahl in Pflegeheimen wäre „völlig inakzeptabel“

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) formulierte, die Vorgehensweisen der einzelnen Pflegeheime nicht zu kennen. Trotzdem warnte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor einer versteckten Triage in Altenpflege­heimen: „Es wäre schrecklich, wenn alte Menschen wegen fehlender ‚Erfolgsaussichten‘ nicht mehr aus Pflegeheimen in Krankenhäuser überwiesen würden.“

Hinweise und Äußerungen, wonach in Altenpflegeheimen bereits eine informelle Vorauswahl für die Überweisung von hochbetagten Corona-Patienten zur Behandlung ins Krankenhaus getroffen werde, kommentierte Lambrecht mit den Worten: „Das wäre völlig inakzeptabel. Darüber muss doch Einigkeit herrschen, ethisch wie rechtlich: In diesem Land ist uns jedes Leben gleich viel wert.“ In einem Interview mit der FR sprach sie davon, alles zu tun, um eine Triage zu verhindern.

Corona-Pandemie: Gesundheitswesen in Deutschland konnte Triage bisher verhindern

Der Lockdown in Deutschland soll dazu führen, dass es nicht zu Überlastungen im Gesundheitswesen kommt und Ärzte und Krankenhäuser nicht in die Situation kommen, Patienten nicht die notwendige medizinische Versorgung bieten zu können. Im Dezember war die Lage in einigen deutschen Krankenhäusern sehr angespannt, jedoch wurde die Anwendung der Triage nicht bestätigt. Für eine Klinik in Sachsen wurde zwischenzeitlich gemeldet, dass eine Triage nötig gewesen wäre.

Die Kapazitäten in deutschen Kliniken haben somit bisher ausgereicht. Anders war es zum Beispiel zu Beginn der Corona-Pandemie in Norditalien. Dort wurden die Beatmungsgeräte knapp. Aktuell droht dem Gesundheitswesen in Portugal der Zusammenbruch. (Theresa Ricke)

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/imago-images

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