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Omikron wirklich ansteckender als Delta? Virologin Ciesek: „Gar nicht klar“

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Von: Karolin Schäfer

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Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main, sitzt bei einem Pressegespräch auf dem Podium.
Sandra Ciesek ist Direktorin des Instituts für Virologie der Uniklinik in Frankfurt am Main. (Archivbild) © picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zieht Bilanz nach zwei Jahren Corona-Pandemie. Es sei gar nicht eindeutig, dass Omikron infektiöser ist als Delta.

Frankfurt – Die Corona-Fallzahlen befinden sich in Omikron-Welle weiterhin auf einem Rekordniveau. Dass Viren mutieren, ist normal. Denn anders als Bakterien brauchen sie eine Wirtszelle, um zu überleben. Auch wenn Virologen damit gerechnet hatten, dass sich das Coronavirus verändere, aber „dass das so schnell geht und dass wir so viele Varianten sehen“, sei überraschend gewesen. Das erklärte Virologin Sandra Ciesek in ihrer Bilanz zwei Jahre nach Pandemie-Beginn.

Ciesek ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität. Dort ist sie maßgeblich an der Forschung zu Sars-CoV-2 beteiligt.

Corona-Variante: Es ist „gar nicht klar“, ob Omikron infektiöser als Delta ist

Grund für die hohen Fallzahlen in der Bundesrepublik könnte die scheinbar infektiösere Omikron-Variante sein. Dieser Annahme pflichtete Ciesek allerdings nicht bei. Aus virologischer Sicht sei „gar nicht klar“, dass Omikron so viel ansteckender als die Delta-Variante ist. Die zahlreichen Neuinfektionen gingen eher darauf zurück, „dass das Virus viel mehr Opfer findet“, wird die Virologin von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert.

Bei der Delta-Variante hätten sich weniger Geimpfte angesteckt. Während der Omikron-Welle würden sich aber auch Geimpfte und Geboosterte infizieren. Deshalb könne das Virus Ciesek zufolge besser zirkulieren. Ausschlaggebend sei zudem die kürzere Inkubationszeit bei Omikron. Eine Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus bringt gewisse Symptome mit sich.

Virologin Ciesek: Vierte Impfung für alle ist unwahrscheinlich

Eine vierte Impfung für alle hält die Frankfurter Virologin für unwahrscheinlich. Das mache für Omikron „keinen großen Unterschied“. Bei einer vierten Spritze würden die Antikörper weniger stark ansteigen, als nach der zweiten oder dritten Impfung. „Und ich kenne auch einige, die sich trotz vier Impfungen infiziert haben“, so Ciesek. Sie geht dennoch davon aus, dass sich „einige regelmäßig impfen lassen müssen.“

Obwohl Corona-Impfstoffe nach wie vor ein wichtiges Mittel seien, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, habe sich laut Ciesek die Hoffnung auf ein baldiges Pandemie-Ende „leider nicht so richtig bewahrheitet“. Wann wir wieder ohne Maske einkaufen und unbeschwert ausgehen können, ist noch unklar. Die Virologin prognostizierte ein Ende erst, „wenn alle irgendwie mal Kontakt hatten - entweder durch Impfung oder Infektion und dann die Verläufe einfach milder werden.“ So weit seien wir in der Bundesrepublik allerdings noch nicht.

Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, erwartet ein Ende der Pandemie bis zum Jahresende. „Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da“, sagte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am 14. Januar 2022. Währenddessen heben immer mehr Länder wie Großbritannien und Dänemark die Corona-Regeln auf und leiten den Übergang in einen endemischen Zustand ein. (kas mit dpa-Material)

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