1. Startseite
  2. Politik

Corona-Lage: Virologe Stöhr hält Impfpflicht für „nicht zielführend“

Erstellt:

Von: Helena Gries

Kommentare

Der Virologe Klaus Stöhr rät von einer allgemeinen Corona-Impfpflicht ab. Für die Omikron-Welle käme sie zu spät und sei zudem „nicht alternativlos“.

Berlin – Die Corona-Lage in Deutschland ist nach wie vor angespannt. Auch am Samstag (05.02.2022) meldet das Robert Koch-Institut (RKI) einen weiteren Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz und insgesamt 217.815 Corona-Neuinfektionen. Besonders die Omikron-Variante lässt die Fallzahlen in die Höhe steigen.

Nach langen Diskussionen und trotz zahlreicher Proteste führt Deutschlands Nachbarland Österreich am Samstag (05.02.2022) als erstes Land Europas eine allgemeine Corona-Impfpflicht ein. Auch in Deutschland ist die allgemeine Impfpflicht gegen Corona umstritten, und die Meinungen der Expert:innen gehen stark auseinander.

Virologe Stöhr: Corona-Impfpflicht sei nicht ohne Nebenwirkungen

Der Virologe Klaus Stöhr hält eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona gegenwärtig „nicht für zielführend“. Generell könne sie laut Experten ein gutes Mittel sein, um Impfquoten zu erhöhen, „aber sie ist nicht alternativlos“, sagte Stöhr der Fuldaer Zeitung am Samstag (05.02.2022). „Dazu kommt, dass sie auch nicht ohne Nebenwirkungen ist.“ Stöhr riet, mehr Soziologen und Psychologen einzubinden, um mit einem besseren Wissen über die Impfskeptiker:innen zielgerichtet Impfangebote machen zu können.

Der Virologe Klaus Stöhr hält eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona gegenwärtig „nicht für zielführend“. (Archivbild)
Der Virologe Klaus Stöhr hält eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona gegenwärtig „nicht für zielführend“. (Archivbild) © imago images/teutopress

Viele Menschen, die sich nicht impfen ließen, seien eher Impfskeptiker:innen als Impfgegner:innen, meinte Stöhr. „Wenn man weiß, um welche Bevölkerungsschichten es sich da handelt, kann man diese gezielt ansprechen.“ Er gab auch zu bedenken, dass eine Impfpflicht nicht vor dem Winterende greifen würde. „Sie käme damit für diese Saison zu spät. Mit der Omikron-Welle werden unter Umständen 40 bis 50 Prozent eine natürliche Immunität erlangen“, so der Experte.

Expert:innen im Kampf gegen Corona uneins: Montgomery spricht sich für Impfpflicht aus

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hat sich hingegen klar für eine Impfpflicht ausgesprochen. „Mir scheint der Antrag für eine allgemeine Impfpflicht ab 18 auf zwei Jahre befristet der Vernünftigste zu sein“, sagte er der Rheinischen Post am Samstag (05.02.2022). Unklar seien jedoch dann noch die Sanktionen für immer noch Ungeimpfte: „Zwangsimpfungen wird es nicht geben – dazu stehen Ärztinnen und Ärzte nicht zur Verfügung. Deswegen kommt es auch hier auf die handwerkliche Qualität des Gesetzes an“, sagte Montgomery. (Helena Gries mit dpa)

Auch interessant

Kommentare