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Corona verschärft die weltweite Armut. Entwicklungsziele der UN-Agenda 2030 wackeln gewaltig.
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Corona verschärft die weltweite Armut. Entwicklungsziele der UN-Agenda 2030 wackeln gewaltig.

Entwicklungsziele gefährdet

Corona verschärft die weltweite Armut - UN-Agenda 2030 wackelt gewaltig

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die Corona-Pandemie macht fast alle Fortschritte auf dem Weg zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen zunichte. Die weltweite Armut steigt.

New York - Mehr Armut, mehr Hunger, weniger Jobs: Die Corona-Pandemie hat die Bemühungen, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Kürzel: SDG) in diesem Jahrzehnt zu erreichen, stark zurückgeworfen. Das zeigt ein offizieller UN-Bericht zu den SDG, der am Dienstag in New York veröffentlicht wurde. Allerdings gebe es auch eine positive Nachricht: Immer mehr Länder hätten angesichts der negativen Folgen von Covid-19 die Notwendigkeit erkannt, mehr für diese Ziele zu tun, hieß es aus New York.

Die SDG – „Sustainable Development Goals“ – wurden 2015 von den UN mit Horizont 2030 beschlossen. Die Absicht dahinter ist es, weltweit das Wirtschaftswachstum und das soziale Wohlergehen zu steigern sowie gleichzeitig Umwelt und Klima zu schützen. In einer „Agenda 2030“ wurden Ziele in 17 Feldern definiert – von „keine Armut“ über „bezahlbare und saubere Energie“ bis „weniger Ungleichheit“.

Ziele der UN-Agenda 2030 kamen schon vor Corona nur langsam voran

Der Report räumt ein: Der Fortschritt im Hinblick auf Nachhaltigkeitsziele war bereits vor der Pandemie, die im Herbst 2019 begann, nur langsam. Im Jahr 2020 habe es dann aber in mehreren zentralen Feldern sogar Rückschritte gegeben. So seien rund 120 Millionen Menschen in die Armut zurückgedrängt worden, zudem seien 255 Millionen Arbeitsplätzen verloren gegangen und die Zahl der Hungernden habe sich um 83 bis 132 Millionen erhöht.

Ein weiteres Problem: „Die Pandemie hat Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern aufgedeckt und verschärft“, so die UN. Ein Beispiel ist die Versorgung mit Impfstoffen. So seien in Europa und Nordamerika bis Mitte Juni auf 100 Menschen im Durchschnitt etwa 68 Impfdosen verfügbar gewesen, in Afrika südlich der Sahara hingegen weniger als zwei. Das macht die wirtschaftliche Erholung in den ärmeren Ländern schwieriger.

Die Fakten des Berichts

Die Quote der extremen Armut ist 2020 gegenüber dem Vorjahr zum ersten Mal seit 1998 gestiegen, von 8,4 auf 9,5 Prozent der Weltbevölkerung.

Die Corona-Krise hat Verbesserungen im Gesundheitswesen gestoppt, aufgehalten oder sogar zunichte gemacht. Etwa 90 Prozent der Länder berichten von anhaltenden Einschränkungen der Gesundheitsdienste.

Die Folgen der Pandemie auf die Schulbildung gelten als „Generationenkatastrophe“. Etwa 101 Millionen Kinder und Jugendliche mehr als vorher erreichten das Mindestniveau der Lesefähigkeit nicht, damit wurden die in den letzten zwei Jahrzehnten erzielten Bildungsgewinne zunichte gemacht.

Covid-19 hat auch die Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter beeinträchtigt; die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nahm zu.
Die für 2020 gesetzten Ziele , den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, wurden verfehlt.

Knapp ein Zehntel der Menschen weltweit, rund 759 Millionen, hatte 2019 keinen Zugang zu elektrischem Strom und sogar ein Drittel keinen zu sauberen Kochbrennstoffen.

Vor allem in Industrieländern ist die Wirtschaftserholung im Gange, angeführt von China und den USA. Für viele andere Länder wird aber nicht erwartet, dass das Wirtschaftswachstum vor 2022 oder 2023 auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehrt.

Die Entwicklungshilfezahlungen stiegen im Jahr 2020 auf 161 Milliarden US-Dollar, sie bleiben damit aber immer noch deutlich unter dem seit langem festgelegte Ziel von 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts der Industrieländer. jw

Verschärft wird die Lage zudem durch nachlassende Direktinvestitionen aus dem Ausland. Weltweit sind diese 2020 laut dem Report um 40 Prozent gegenüber 2019 gefallen. Die ökonomische Lage von Familien sei als Folge der Pandemie vielfach noch prekärer geworden; so seien bis zu zehn Millionen mehr Mädchen im nächsten Jahrzehnt von Kinderheirat bedroht.

UN-Agenda 2030: Entspannung der Klimakrise durch Corona-Lockdowns hat sich nicht bewahrheitet

Die Hoffnung auf eine Entspannung der Klimakrise durch die Corona-Lockdowns hat sich zudem nicht bewahrheitet. Sie sei „kaum gebremst“ worden, so der UN-Report. Der Ausstoß der Treibhausgase nahm zwar 2020 global um rund sieben Prozent ab, ihre Konzentration in der Atmosphäre jedoch stieg weiter an. Die globale Durchschnittstemperatur liege inzwischen bei etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, „gefährlich nahe an der im Pariser Abkommen festgelegten Grenze von 1,5 Grad“.

Um bei den SDG wieder auf Kurs zu kommen, müssen laut dem Bericht Regierungen, Kommunen und Unternehmen den Aufschwung nutzen, um „CO2-arme, widerstandsfähige und inklusive Entwicklungspfade“ einzuschlagen. Die nächsten 18 Monate seien dafür entscheidend.

„Wir befinden uns an einem kritischen Punkt in der Geschichte der Menschheit“, sagte Liu Zhenmin, Untergeneralsekretär der UN-Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, „unsere heutigen Entscheidungen und Handlungen werden wichtige Konsequenzen für zukünftige Generationen haben.“ (Joachim Wille)

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