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Verkürzung des Genesenenstatus: E-Mail wärmt Konflikt zwischen Lauterbach und Wieler auf

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Von: Sandra Kathe

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Als im Januar 2022 etliche Ungeimpfte ihren Genesenenstatus verlieren, wirft Lauterbach dem RKI schlechte Kommunikation vor. Eine E-Mail wirft nun Fragen auf.

Berlin – Mit hohen Corona-Zahlen und Hospitalisierungsraten galten Anfang 2022 noch deutlich strengere Corona-Regeln als heute und inmitten von Nachweisen, Fristen und unterschiedlichen Zuständigkeiten sorgte vor allem auch eine Unstimmigkeit zwischen Bundesgesundheitsministerium (BGM) und RKI für Chaos. Was damals mit schlechter Kommunikation seitens des RKI begründet wurde, soll laut eines Berichts der Zeitung Welt am Sonntag doch Tage vorher im Gesundheitsministerium bekannt gewesen sein.

Damals – das Jahr war kaum zwei Wochen alt – verloren nach einer Regelanpassung durch das RKI etliche Ungeimpfte ohne lange Vorwarnung ihren Genesenenstatus, nachdem dieser pauschal von sechs auf drei Monate verkürzt wurde. Für viele bedeutete das keinen Zugang zu Veranstaltungen, Gastronomie oder Fitness-Studios. Der Ärger war groß und die Lautstärke der Beschwerden gewaltig.

Mögliche Kommunikationsprobleme zwischen RKI und Gesundheitsministerium haben im Januar zu mächtig Ärger bei Ungeimpften geführt.
Mögliche Kommunikationsprobleme zwischen RKI und Gesundheitsministerium haben im Januar zu mächtig Ärger bei Ungeimpften geführt. (Archivfoto) © Kay Nietfeld/dpa

Verwirrung bei Corona-Regeln: Ministerium räumt Kommunikationsprobleme ein

Dann meldete sich der erst wenige Wochen zuvor ins Amt eingeführte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu Wort und nannte die Vorgehensweise des RKI, das den verkürzten Genesenenstatus in eine Regelanpassung aufgenommen hatte, „nicht in Ordnung“. Zudem kündigte er an, „über tiefgreifende Entscheidungen wie etwa den Genesenenstatus“ künftig „selbst und direkt“ entscheiden zu wollen, um nicht „politische Verantwortung für das Handeln anderer“ übernehmen zu müssen. RKI-Chef Lothar Wieler gegenüber wurden diese Worte von vielen Seiten als Affront gewertet.

Nun hinterfragt die Welt am Sonntag ob die Sache nicht doch anders abgelaufen sein könnte. Aus einer E-Mail aus Reihen des RKI, die der Zeitung vorliege, gehe hervor, dass das Gesundheitsministerium tatsächlich von den Plänen gewusst habe. Ob Lauterbach von den zuständigen Kolleginnen und Kollegen unzureichend informiert wurde oder die fehlenden Informationen als Vorwand genutzt haben könnte, geht aus dem Text der E-Mail nicht hervor. Ein Jurist im Ministerium bestätigte jedoch nach Informationen der Welt am Sonntag, dass sich Beschäftigte beider Institutionen über die Änderungen ausgetauscht hätten.

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In der Stellungnahme des Gesundheitsministeriums heißt es dazu nach wie vor, dass Lauterbach zum Zeitpunkt einer Ansprache vor dem Bundesrat, nichts von der Änderung in Sachen Genesenenstatus gewusst hätte. In seiner Rede hatte er versprochen, künftige Änderungen frühzeitig zu kommunizieren, was im Nachhinein von einigen Ministerpräsidenten besonders kritisiert worden war.

Grund seien „Kommunikationsprobleme zwischen RKI und BMG sowie innerhalb des BMG“ gewesen, „die dieses besondere neue Verfahren bei seiner erstmaligen Anwendung verursacht hatte“. Davon dass Lauterbach Wieler mit seinem Verhalten laut Welt am Sonntag womöglich „öffentlich demontiert“ haben soll, ist in der Entwicklung der Zusammenarbeit von Gesundheitsminister und RKI-Chef zuletzt nicht erkennbar. (ska)

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