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Corona-Variante Omikron weicht dem Impfschutz aus

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Von: Pamela Dörhöfer

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Die Corona-Variante Omikron umgeht den Impfschutz teilweise.
Die Corona-Variante Omikron umgeht den Impfschutz teilweise. © imago images/NurPhoto

Erste Studien der Corona-Variante Omikron zeigen: Impfungen wirken effektiv nur mit drei Spritzen.

Frankfurt – Die Twitter-Nachricht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek bestätigte, was bereits befürchtet wurde: Die neutralisierende Wirkung der Antikörper ist gegen die Omikron-Variante des Coronavirus stark herabgesetzt, die Wissenschaftlerin schreibt von einer bis zu 37-fachen Reduktion im Vergleich zur Delta-Variante. Ein Team der Universitätsklinik Frankfurt um Ciesek hatte das Virus aus Proben eines Reisenden am Frankfurter Flughafen – einer der ersten Omikron-Fälle in Deutschland – isoliert und es im Labor angezüchtet. Die Ergebnisse sind als vorläufige Publikation auf der Preprint-Plattform „medrxiv“ verfügbar. Wie das Medizinportal DocCheck zudem berichtet, soll das Forschungsteam bei Zweifach-Impfung „mit egal welcher Impfstoffkombination überhaupt keine Neutralisation bei Omikron“ gefunden haben, „nach Booster waren es immerhin 25 Prozent“.

Versuche mit Lebendkulturen des Virus in einem Labor in Durban in Südafrika kommen zu noch schlechteren Resultaten. Demnach verringert sich die neutralisierende Wirkung der Antikörper um das 41-Fache nach einer doppelten Impfdosis; besser sah es aus, wenn Menschen vorher noch eine Corona-Infektion durchgemacht hatten. Zu einer deutlich geringeren Abschwächung hingegen kam ein anderes südafrikanisch-schwedisches Forschungsteam, allerdings basierend auf Tests mit einem künstlich hergestellten Virus, einem „Pseudovirus“.

Corona-Variante Omikron: Virologin Ciesek bestätigt Befürchtungen

Ciesek schreibt auf Twitter weiter, dass die monoklonalen Antikörper Imdevimab und Casirivimab gegen die Variante „wirkungslos“ seien und die „Daten bestärken, die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll“ sei, sie aber nichts darüber „aussagen, ob man weiterhin vor einem schweren Verlauf geschützt ist“. Bei Letzterem spielt Ciesek darauf an, dass es nicht allein die Antikörper sind, die eine Immunantwort ausmachen, sondern auch T- und B-Zellen eine wesentliche Rolle spielen. Der Infektionsimmunologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité erwartet deshalb, dass der Impfschutz vor schwerer Erkrankung „weiterhin größtenteils aufrechterhalten wird“, wie er dem Science Media Center sagte. Immunologe Carsten Watzl von der Technischen Universität Dortmund rechnet gleichwohl mit „noch mehr Durchbruchinfektionen“. Er und Sanders sehen eine Anpassung der Corona-Impfstoffe als notwendig an.

Verfügbar dürften diese allerdings nicht vor Februar oder März sein. Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen bis dahin auf die dritte Dosis, auch weil dadurch die zelluläre Immunität – T-und B-Zellen – geboostert werde, wie der Virologe Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf sagt.

In einem Artikel in der „New York Times“ weist die Virologin Sara Cherry von der University of Pennsylvania darauf hin, dass antivirale Medikamente, wie sie etwa Pfizer und Merck entwickelt haben, gerade angesichts neuer Varianten umso wichtiger würden. Denn die Mutationen in Omikron „hätten nicht mit den viralen Zielen der Pillen zu tun“.

Omikron-Variante: Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe wird geprüft

Anlass zur Hoffnung gibt eine Studie zum Antikörper Sotrovimab. Anders als bei den von Ciesek erwähnten Antikörpern soll sich laut einem Bericht im „Ärzteblatt“ Omikron seinem Zugriff nicht entziehen können. Es ist bisher in den USA. Australien, Saudi-Arabien und Großbritannien zugelassen, in der EU läuft derzeit die Prüfung.

Auch die Pharmafirmen Biontech und Pfizer veröffentlichten am Mittwoch Ergebnisse zur Wirkung ihres Impfstoffs Comirnaty gegen Omikron. Demnach soll der Schutz um das 25-Fache verringert sein. Dass die Reduktion geringer ausfällt als bei den Frankfurter Untersuchungen, könnte auch damit zu tun haben, dass die Pharmafirmen mit Pseudoviren und nicht mit echten Erregern gearbeitet haben. Eine dritte Dosis des Vakzins soll laut Biontech/Pfizer wieder zu Werten führen, die dem Schutz von zwei Dosen gegen den Wildtypus von Sars-CoV-2 entsprechen. Allerdings basieren auch diese Ergebnisse auf Tests mit Pseudoviren. Unabhängig davon arbeiten die beiden Pharmafirmen ebenso wie die Konkurrenz von Moderna, Astrazeneca und Novavax an angepassten Impfstoffen.

Ob die Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 für schwerere oder vielleicht sogar schwächere Verläufe sorgt, ist noch unklar. Aus Südafrika wurde vor allem von milden Erkrankungen berichtet. Die Bevölkerung dort ist allerdings viel jünger als etwa in Europa oder den USA, außerdem geht man davon aus, dass schon viel mehr Menschen eine Infektion durchgemacht haben und deshalb besser vor schweren Verläufen geschützt sind. Daten aus Südafrika zeigen zudem, dass die Sterberate bei Covid-Patientinnen und -Patienten im Krankenhaus mit 6,6 Prozent niedriger ist als die in den vergangenen eineinhalb Jahren berichteten 17 Prozent. Auffällig ist indes, dass in Südafrika vermehrt kleine Kinder wegen Omikron im Krankenhaus behandelt werden. Allerdings lassen auch diese Berichte noch keine Rückschlüsse zu.

Corona: Omikron-Variante könnte ansteckender sein als Vorgänger

Einig sind sich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler indes bei der Einschätzung, dass Omikron ansteckender als seine Vorgänger sein könnte. So sollen einige seiner zahlreichen Mutationen dafür bekannt sein, zu einer leichteren Verbreitung zu führen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters äußerten Forschende aus den USA die Vermutung, Omikron könne mindestens eine seiner Mutationen von einem Erkältungsvirus erworben haben.

Sars-CoV-2 hat im Laufe der vergangenen zwei Jahre schon mehrfach seine Gestalt geändert.
Sars-CoV-2 hat im Laufe der vergangenen zwei Jahre schon mehrfach seine Gestalt geändert. © Getty Images

Am Dienstag (07.12.2021) meldete die britische Zeitung „Guardian“ zudem, dass bereits eine Variante von Omikron identifiziert worden sei: die „Stealth“-Version. Sie soll in Virusgenomen aus Südafrika, Australien und Kanada gefunden worden sein. Francis Balloux vom University College London Genetics Institute sagt dazu, beide Linien seien genetisch „sehr unterschiedlich“ und könnten sich auch „unterschiedlich verhalten“. (Pamela Dörhöfer)

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