Acht Millionen Ansteckungen

USA bekommen Corona nicht unter Kontrolle – New York verbietet Hochzeit mit 10.000 Gästen

  • vonMirko Schmid
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  • Tim Vincent Dicke
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In den USA stecken sich acht Millionen Menschen mit dem Coronavirus an. Top-Virologe Anthony Fauci warnt vor zu hohen Infektionszahlen – insbesondere wegen des Winters.

  • Das Coronavirus breitet sich in den USA wieder schneller aus.
  • In den Vereingten Staaten stecken sich mehr als acht Millionen Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 an.
  • Unterdessen freut sich Donald Trump über den Anstieg der Corona-Infektionen in Europa.

Update vom Sonntag, 18.10.2020, 09.15 Uhr: Die USA bekommen die Corona-Krise nicht in den Griff. Umso verwunderlicher ist das Verhalten einiger Menschen dort. In New York war etwa für Montag (19.10.2020) eine Hochzeit mit mehr als 10.000 Gästen geplant. Dagegen ist die Stadt nun vorgegangen. „Es war eine große Hochzeit geplant, die die Versammlungsregeln verletzt hätte“, sagte Gouverneur Andrew Cuomo. Einer Mitarbeiterin zufolge habe eine Untersuchung herausgefunden, dass die Feier im Viertel Williamsburg in Brooklyn stattfinden sollte. Die Veranstaltung sei per Verfügung ausdrücklich untersagt worden. Die städtischen Behörden seien alarmiert, so Cuomo. „Ich bin sicher, die haben Leute, die das beobachten.“

Trotz Corona-Pandemie hat ein Paar in New York eine Hochzeit mit mehr als 10.000 Gästen geplant (Symbolfoto).

Update vom Samstag, 17.10.2020, 15.39 Uhr: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in den USA mehr als acht Millionen Infektionen mit dem Virus verzeichnet worden. Das geht aus Daten der Johns-Hopkins-Universität hervor. Damit stehen die USA bei der absoluten Zahl an nachgewiesenen Infektionen an erster Steller, gefolgt von Indien mit mehr als 7,3 Millionen Fällen. An dritter Stelle steht Brasilien, wo mehr als 5,1 Millionen Ansteckungen registriert wurden. Experten gehen zugleich von einer hohen Dunkelziffer an Corona-Infektionen aus.

USA bekommen Coronavirus-Pandemie nicht unter Kontrolle

Die USA bekommen die Pandemie nicht unter Kontrolle. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen stieg am Donnerstag (15.10.2020) über die Marke von 60.000. Besonders stark war der Anstieg zuletzt in einigen Bundesstaaten des Mittleren Westens wie North Dakota, South Dakota und Missouri.

Vier US-Bundesstaaten – Idaho, Illinois, North Carolina und Wyoming – meldeten am Freitag (16.10.2020) ihre bisher höchsten Corona-Fallzahlen seit Beginn der Virus-Ausbreitung.

Top-Virologe Anthony Fauci warnte derweil vor deutlich zu hohen Corona-Infektionszahlen. „Man darf in die kühlen Monate des Herbstes und in die kalten Monate des Winters nicht mit einer hohen Infektionsbasis hineinkommen“, sagte er in einer Diskussion mit der Universität Johns Hopkins. Es sei an der Zeit, jedoch noch nicht zu spät, gute Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit energisch anzuwenden, so Fauci.

Corona in den USA: Mitreisende von Joe Biden und Kamala Harris mit Corona infiziert

Update vom Freitag, 16.10.2020, 14.19 Uhr: Die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris hat bis auf Weiteres alle öffentlichen Auftritte abgesagt und wird zunächst nur noch virtuell in den Wahlkampf eingreifen. Grund dafür sind positive Tests auf das Coronavirus im direkten Umfeld von Harris und Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Beide absolvierten zuletzt Flugreisen mit Covid-19-infizierten Personen an Bord.

Biden sei „nicht in engem Kontakt“ zu der mit Corona infizierten Person gewesen, auch Harris betonte im Programm von CNN, dass sie nicht mit dem Cornonavirus infiziert sei. Einer der infizierten Mitreisenden sei ein Mitarbeiter gewesen, eine andere Person Teil der Flugbelegschaft. Inwiefern die Ereignisse auf die letzte Präsidentschaftsdebatte zwischen Donald Trump und Joe Biden am 22. Oktober Einfluss nehmen, ist bisher nicht bekannt.

Update vom Donnerstag, 15.10.2020, 14.48 Uhr: Die Serie an Corona-Neuinfektionen in den Reihen der Republikaner um Donald Trump im Umgang mit dem Coronavirus nimmt kein Ende. Der Kongressabgeordnete Bill Hiuzenga aus Michigan gab jetzt bekannt, ebenfalls mit COVID-19 infiziert zu sein. Er habe gemeinsam mit Vizepräsident Mike Pence an einer Veranstaltung teilnehmen wollen und vorsorglich einen Schnelltest gemacht. Dieser sei positiv gewesen.

Donald Trump und seine führenden Corona-Experten Deborah Birx und Anthony Fauci: Die Immunologen rebellieren gegen die Sorglosigkeit des Präsidenten

In der Vorwoche gab bereits sein Fraktionskollege Mike Bost aus Illinois bekannt, dass sein Corona-Test positiv ausgefallen war, nachdem er über Husten und einen raschen Verlust von Geschmack und Geruch geklagt hatte. Die Entwicklung stimmt bedenklich, hatten sich doch schon die republikanischen Senatoren Mike Lee aus Utah und Thom Tillis aus North Carolina mit dem Coronavirus infiziert, nachdem sie an der als Superspreader Event“ geltenden Veranstaltung zur Ernennung von Amy Coney Barret als Kandidatin von Donald Trump für den Supreme Court teilgenommen hatten.

Auch der jüngste Sohn des Präsidenten infiziert, Experten um Anthony Fauci distanzieren sich von Donald Trump

Während aus den Reihen der Demokraten nur wenige Fälle von Neuinfektionen mit dem Coronavirus wie die des Kongressabgeordneten Raúl Grijalva gemeldet werden, scheint die Infektionskette aufseiten der Republikaner einfach nicht abzureißen. Wie heute bekannt wurde, war auch der jüngste Sohn von Melania und Donald Trump, Barron Trump, Corona-infiziert.

Der sorglose Umgang von Donald Trump mit dem Coronavirus sorgt inzwischen dafür, dass sich die führenden Experten in den USA, Anthony Fauci und Deborah Birx, merklich vom Präsidenten distanzieren. Inzwischen gilt es nicht mehr als ausgeschlossen, dass die über alle Parteigrenzen hinweg hoch anerkannten Experten ihre Aufgaben in der Corona Task Force der USA entweder niederlegen, oder sich sogar am Präsidenten vorbei direkt an die Bevölkerung wenden könnten. Beobachter sprechen deswegen bereits von einer Rebellion gegen Trump.

Update vom Montag, 12.10.2020, 18.13 Uhr: US-Präsident Donald Trump freut sich offenbar indirekt über den starken Anstieg der Corona-Infektionen in Europa. Wie Trump am Montag auf Twitter schrieb, steigen die Corona-Neuinfektionen in Europa stark an. Also an den Orten, „die die Fake News als Beispiel nehmen, wo es gut läuft, um die USA schlecht aussehen zu lassen“. Man solle stark und wachsam bleiben, denn: „Impfstoffe und Heilmittel kommen schnell.“

Corona in den USA: Florida vor „großem Ausbruch“, Restriktionen in New York

Erstmeldung vom Sonntag, 11.10.2020: USA – In den USA ist die höchste Zahl täglicher Corona-Infektionen seit fast zwei Monaten gemeldet worden. Experten befürchten, dass sich die Situation weiter verschlimmern wird, wenn sich die Bevölkerung nicht an die essenziell wichtigen Vorsichtsmaßnahmen hält.

Corona in den USA: 50.000 Neuinfektionen seit drei Tagen in Folge

Nach Daten der renommierten US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität kamen in den Vereinigten Staaten am Freitag (09.10.2020) 57.420 Neuinfektionen mit dem Coronavirus hinzu. Zuletzt registrierten die Forscher am 14. August derart hohe Fallzahlen. Es ist der dritte Tag in Folge, an dem mehr als 50.000 neue positive Tests hinzugekommen sind.

Insbesondere Florida sei „reif für einen weiteren großen Ausbruch“, so ein Experte für Infektionskrankheiten gegenüber dem Fernsehsender CNN. Erst Ende September machte der „Sunshine State“ den Weg für die vollständige Wiedereröffnung von Bars und Restaurants frei. Innerhalb von zwei Tagen hat es in dem Bundesstaat über 6000 weitere Corona-Infektionen gegeben.

Corona-Krise in den USA: Donald Trump will im gefährdeten Florida Wahlkampf machen

Am Montag (12.10.2020) wird der an Corona erkrankte US-Präsident für einen Wahlkampfauftritt nach Florida fliegen. Das kündigte sein Wahlkampfteam an. Den Angaben seines Leibarztes zufolge wird Donald Trump ab Samstag wieder öffentliche Termine wahrnehmen dürfen. Unklar ist bisher, ob das Weiße Haus belegen wird, dass der Präsident nicht mehr ansteckend ist.

Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist US-Präsident Trump seinem Leibarzt zufolge nicht mehr ansteckend.

Auch in New York steigen die Fallzahlen wieder rasant. Mit einer gezielten Strategie versucht die Stadt nun, der Ausbreitung entgegenzuwirken. Neun Viertel gelten als Hochrisikozonen, in diesen werden strenge Restriktionen vorgenommen. Alle nicht dringend notwendigen Geschäfte und Schulen müssen schließen, Massenveranstaltungen sind verboten, die Besucherzahl in Gotteshäusern ist erheblich eingeschränkt.

In vielen Bundesstaaten der USA steigen die Corona-Fallzahlen

In mehreren der neun Viertel, in denen die Infektionszahlen stark steigen und die allesamt in Brooklyn oder Queens liegen, gibt es große jüdisch-orthodoxe Gemeinden. Der jüngste explosionsartige Anstieg bei den Corona-Fällen fiel mit den hohen jüdischen Feiertagen rund um Jom Kippur zusammen.

In vielen Bundesstaaten steigen die Fallzahlen stark an. „Unsere Krankenhausaufenthaltsraten steigen und belasten unser Gesundheitssystem (insbesondere das Personal). Und leider sehen wir jetzt vermehrt Todesfälle“, schrieb Spencer Cox, Vizegouverneur des Bundesstaates Utah, auf Twitter. Im Bundesstaat Wisconsin ist die Corona-Hospitalisierungsrate so hoch wie noch nie.

Corona in den USA: Donald Trump verhindert Maskenpflicht

Derweil sorgen die Entscheidungen der US-Regierung für Verwunderung. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge hat diese eine Anordnung zur Maskenpflicht in allen öffentlichen und kommerziellen Verkehrsmitteln verhindert. Die von der Gesundheitsbehörde CDC vorbereitete Corona-Regelung sollte in Bussen, Zügen, U-Bahnen und Flugzeugen sowohl für Passagiere als auch Bedienstete gelten, wie die Zeitung erläuterte.

Donald Trumps Regierung habe den Vorschlag der Behörde aber abgelehnt, wie die Zeitung am Freitagabend (09.10.2020, Ortszeit) unter Berufung auf zwei Beamte berichtete. Die Anordnung einer Maskenpflicht sei Sache der Bundesstaaten und Kommunen, die die Corona-Lage vor Ort am besten einschätzen könnten, wurde ein Vertreter des Weißen Hauses zur Begründung zitiert. Die Vorschrift sollte demnach auch für alle Bahnhöfe und Flughäfen gelten.

US-Gouverneurin greift Donald Trump an: In der Corona-Krise Wut angefacht, statt Zusammenhalt geschaffen

Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer hatte Donald Trump zuvor vorgeworfen, in der Corona-Krise Wut angefacht zu haben. „Dies sollte ein Moment nationaler Einheit sein. Stattdessen hat unser Staatsoberhaupt die vergangenen sieben Monate damit verbracht, die Wissenschaft zu verleugnen, seine eigenen Gesundheitsexperten zu ignorieren, Misstrauen zu schüren, Wut anzufachen und denjenigen Trost zu spenden, die Angst und Hass und Spaltung verbreiten“, sagte die Demokratin. (Von Tim Vincent Dicke)

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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