USA in der Corona-Krise

Forscher warnen: Zahl der Corona-Toten in den USA könnte dramatisch steigen 

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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  • Marvin Ziegele
    Marvin Ziegele
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Die USA erleben in der Corona-Krise eine Achterbahnfahrt zwischen Vorsicht und Leichtsinn. Das könnte die Zahl der Corona-Toten deutlich steigen lassen. Der News-Ticker.

  • Die USA sind weiterhin das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land.
  • US-Präsident Donald Trump legt sich derweil mit einem Reporter an.
  • Twitter sperrt Konto, Facebook löscht Botschaft von Donald Trump

Die Corona-Lage in den USA bleibt weiter kritisch, die Zahlen könnten bis Dezember deutlich ansteigen. Und Donald Trump? Der US-Präsident verbreitet weiter Unwahrheiten. Die weitere Entwicklung können Sie in unserem neuen USA-Ticker verfolgen.

Update vom Freitag, 07.08.2020, 6.10 Uhr: Bis Dezember könnten nach einem weithin beachteten Modell in den USA insgesamt fast 300.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Das wären rund 140.000 Tote mehr als derzeit. Wenn 95 Prozent der Menschen in der Öffentlichkeit stets Masken trügen, könnte die Zahl der Opfer bis 1. Dezember mit rund 228.000 deutlich geringer ausfallen, erklärten die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle.

Das Modell des Instituts befürchtet nun bis 1. Dezember 295.000 Tote. Vor der jüngsten starken Zunahme der Neuinfektionen in den USA hatte das Modell bis 1. November noch mit rund 230.000 Toten gerechnet.

„Wir erleben in den Vereinigten Staaten eine Achterbahnfahrt“, erklärte Institutsdirektor Christopher Murray. Sobald die Infektionen in einem Gebiet dramatisch ansteigen, tragen die Menschen Masken und befolgen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich aber auch die Vorsicht wieder, wie Murray kritisierte. „Das führt natürlich zu mehr Infektionen. Und der womöglich tödliche Kreislauf beginnt wieder von vorne“, sagte er.

Bislang sind in den USA fast 160.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gestorben, wie Daten der Universität Johns Hopkins zeigen. Landesweit gibt es inzwischen fast fünf Millionen bestätigte Corona-Infektionen. Seit Mitte Juni hat die Zahl der Neuinfektionen in den USA wieder deutlich zugenommen. Im Schnitt meldeten die Behörden zuletzt rund 60.000 Neuinfektionen pro Tag - vor allem in Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes.

US-Corona-Experte Fauci erhält Morddrohungen

Update vom Donnerstag, 06.08.2020, 13.57 Uhr: US-Seuchenexperte Anthony Fauci schätzt die Lage der Corona-Pandemie für die USA immer wieder neu ein. Damit macht er sich jedoch nicht nur Freunde. Gegenüber CNN erklärte er: „Krisen wie diese bringen das Beste und das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein.“

Was er meint? „Ich erhalte Morddrohungen und meine Töchter werden belästigt. Es ist ein Punkt erreicht, an dem ich Security brauche“, legte Fauci nach. Dass ihn Menschen wegen Dingen angreifen, die die öffentliche Gesundheit betreffen, habe er sich nicht ausmalen können. Dass er dafür bedroht werde, sei schlicht „verrückt“.

US-Seuchenexperte Anthony Fauci erhält in Zuge seiner Tätigkeit als Corona-Experte Morddrohungen.

Corona in den USA: Facebook löscht kontroverses Trump-Video

Update vom Donnerstag, 06.08.2020, 6.22 Uhr: Die Social-Media-Giganten Twitter und Facebook legen sich erneut mit US-Präsident Donald Trump an. Facebook löschte am Mittwoch (Ortszeit) eine Botschaft Trumps zur Corona-Pandemie gelöscht. Dabei handelte es sich um einen Video-Ausschnitt aus einem Interview im Sender Fox News. Darin führte Trump ins Feld, Kinder seien „fast immun“ gegen das Coronavirus.

Donald Trump hat mal wieder Ärger mit Facebook und Twitter.

Bei dieser Veröffentlichung handele es sich laut Facebook um eine „schädliche“ Falschinformation über das Virus und damit einen Verstoß gegen die Facebook-Regeln, teilte ein Konzernsprecher mit.

„Falschinformationen" zu Corona: Twitter sperrt Account der Wahlkampagne Trumps komplett

Kurz darauf hat Twitter das Konto der Wahlkampagne des US-Präsidenten vorübergehend komplett gesperrt. Das Unternehmen begründete die Maßnahme am Mittwoch damit, dass eine dort platzierte Botschaft falsche Informationen über die Corona-Pandemie enthalte. Das Konto werde erst wieder entsperrt, wenn das Wahlkampfteam den Tweet lösche.

In der Twitter-Botschaft von Trumps Kampagnenteam wird ebenfalls behauptet, dass Kinder „fast immun“ gegen das Coronavirus seien. Der Tweet verstoße gegen die Regularien des Unternehmens, wonach auf der Plattform keine „Falschinformation“ über das Coronavirus verbreitet werden dürften, erklärte ein Firmensprecher.

Mehr als 156.000 Corona-Tote in den USA – Donald Trump: „Es ist, wie es ist“

+++ 19.44 Uhr: Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden wird wegen der Corona-Krise nicht zum Parteitag der Demokraten nach Milwaukee (Wisconsin) reisen. Biden werde seine Rede zur Nominierung im US-Bundesstaat Delaware halten, wo er zuhause ist, erklärte die Partei am Mittwoch (05.08.2020). Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden. Auch andere Redner bei dem Parteitag würden nicht nach Milwaukee reisen, hieß es.

Wegen befürchteter Gesundheitsrisiken hatten die Demokraten den ursprünglich für Juli geplanten Parteitag bereits auf August verschoben und später angekündigt, die Versammlung weitgehend digital abzuhalten. Der Parteitag ist für den 17. bis 20. August geplant.

Update vom Mittwoch, 05.08.2020, 14.10 Uhr: In New York City haben trotz Corona-Auflagen mehr als 170 Leute auf einem Partyboot gefeiert. Fotos zeigen eine große Gruppe von Leuten auf dem Außendeck des Schiffs, mit kaum Abstand voneinander. Die Polizei fing die “Liberty Belle” am Pier 36 am East River in Manhattan ab. Die Betreiber wurden für die illegale Party verhaftet. Sie hätten nicht nur ohne Lizenz Alkohol verkauft, sondern auch gegen die Notstands-Verordnung in New York verstoßen, die es verbietet, innen Alkohol auszuschenken.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo bezeichnete die Party als “rücksichtslos, unhöflich, unverantwortlich und illegal”, wie CNN berichtet. “Was ist, wenn einer der Leute an Bord krank wird und stirbt?”, fügte er hinzu und forderte bei Corona-Verstößen mehr Konsequenz im Bundesstaat.

Corona in den USA: Hunderttausende werden täglich getestet

+++ 13.00 Uhr: Die USA testen ungefähr 755.000 Menschen pro Tag auf das Coronavirus. Doch die Kapazität alleine sorgt noch nicht für Sicherheit. Da die Test-Chemikalien knapp sind und die Infektionszahlen in den USA steigen, warten Getestete viele Tage auf ihr Ergebnis, wie die „New York Times" berichtet.

Laut einer nationalen Studie der Harvard-Universität erhalten die meisten Getesteten ihr Resultat nicht innerhalb der von Gesundheitsexperten angegebenen Frist von 24 bis 48 Stunden. „Das Testen geht einfach nicht schnell genug“, sagte Professor Matthew A. Baum, Professor der Universität. „Das ist ein weit verbreitetes Problem".

In den USA sterben immer mehr Menschen an einer Coronavirus-Infektion. Nach Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität gab es bis Dienstag (04.08.2020) über 156.000 Covid-19-Todesfälle.

Mehr als 156.000 Corona-Tote in den USA – Donald Trump: „Es ist, wie es ist“

Update vom Mittwoch, 05.08.2020, 6.45 Uhr: Einen Tag nach seinem denkwürdigen Axios-Interview hat Donald Trump auf einer Pressekonferenz noch einmal nachgelegt. Dort erklärte er, dass der steile Anstieg der Corona-Fälle in den USA nicht mit einem „signifikanten“ Anstieg der Todesfälle einhergegangen sei – eine doch eher fragwürdige Aussage, die den Tatsachen widerspricht.

Doch Trump gab sich sehr optimistisch. „Wir sehen Anzeichen, dass unsere Corona-Maßnahmen funktionieren. Eigentlich sehr gut. Die Zahlen sind sehr gut. Wir löschen die Glut, wir löschen die Flammen.“ Und auch den Umstand, dass der Prozentsatz der Covid-Toten in den USA höher ist als in fast allen anderen Ländern, stritt er erneut ab: „Die Zahlen sind doch wohl niedriger als bei den anderen.“

Mehr als 156.000 Corona-Tote in den USA: Donald Trump gibt bizarres Interview

+++ 20.51 Uhr: In den USA sterben immer mehr Menschen an einer Coronavirus-Infektion. Nach Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität gab es bis Dienstag (04.08.2020) über 156.000 Covid-19-Todesfälle. Derweil hat Donald Trump neue Kritik auf sich gezogen. In einem Interview mit einem Reporter des Online-Portals Axios sagte Trump, die USA hätten in der Pandemie in zahlreichen Kategorien niedrigere Werte als Europa und der Rest der Welt. Zum Beweis zeigte er auf verschiedene Ausdrucke von Statistiken.

Der Journalist hielt entgegen, dass sich der Präsident auf den Anteil der Corona-Toten an der Zahl der in den USA gemeldeten Fälle beziehe, anstatt den Bezug zur Gesamtbevölkerung herzustellen. „Das können Sie nicht machen“, widersprach Trump im Interview. „Sie müssen sich auf die Fälle beziehen.“ Zudem sagte Donald Trump zu den Todeszahlen: „Es ist, wie es ist“. Zahlreiche Nutzer kommentierten im Kurzmitteilungsdienst Twitter am Dienstag, Trump versuche, die Zahlen herunterzuspielen. Der knapp drei Minuten lange Clip erzielte binnen Stunden mehr als 30 Millionen Aufrufe.

+++ 14.37 Uhr: Viele Staaten im mittleren Westen der USA verzeichnen einen Anstieg von Corona-Infektionen. Ungewöhnlich ist, dass diese Staaten zuvor eher unauffällig waren und keine hohen Infektionszahlen vorwiesen. Die Staaten Missouri, Montana und Oklahoma konnten einen hohen prozentualen Anstieg an Infektionen verzeichnen. Allerdings liegen die Staaten Florida, Mississipi und Alabama trotz des Anstiegs anderer Staaten in puncto Infektionszahlen immer noch weit vorne, wie eine Tabelle der „Washington Post“ zeigt.

Corona in den USA: Uni-Partys in Texas verboten

Experten befürchten, dass es auch in Städten der Staaten im mittleren Westen zu einer höheren Infektionsrate kommen könnte. Grund dafür sind die zahlreichen Universitäten im mittleren Westen. Einzelne Städte ergreifen bereits Maßnahmen gegen die drohende Gefahr. Die Universität in Austin, Texas, hat ihre Studenten darauf hingewiesen, dass Partys bei einer Wiedereröffnung des Campus verboten sein werden.

Trotz steigender Corona-Zahlen drängt US-Präsident Donald Trump auf eine Wiedereröffnung der Universitäten und der Schulen. „Idealerweise wollen wir sie öffnen. Wir wollen sie öffnen“, so Trump während einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Corona in den USA: Donald Trump legt sich mit Reporter an und spricht von Virus-„Explosionen“ in Deutschland

Erstmeldung von Dienstag, 04.08.2020, 11.48 Uhr: Washington - US-Präsident Donald Trump hat sich wieder einmal mit einem Reporter von CNN angelegt. In einer Pressekonferenz lobte Trump zunächst seine Regierung und bescheinigte ihr, dass sie einen „guten Job“ im Zusammenhang mit dem Coronavirus getan hätte. Als CNN-Reporter Jim Acosta den Präsidenten auf die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus hinweisen will, fällt Trump ihm mit den Worten „Halt, CNN-Fake-News, halt“ ins Wort.

Corona in den USA: Donald Trump legt sich mit Reporter an

„Länder auf der ganzen Welt explodieren derzeit. Leute, über die Sie sagten, sie täten einen so wundervollen Job. Wenn man sich das jetzt anschaut: Italien ist wieder da, Spanien, Frankreich und Deutschland ebenfalls“ sagt Donald Trump. Er wolle die Länder damit nicht heruntermachen, das Virus sei extrem heikel und ansteckend. „China hat das Virus entfesselt, das hätte niemals passieren dürfen“, doch vor all diesen Hintergründen könne er sagen, dass die United States einen tollen Job getan hätten. „Das kann man auch daran sehen, dass wir Impfstoffe und Therapien haben, die schon bald kommen werden", bilanziert Trump.

In den USA ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus den zweiten Tag in Folge zurückgegangen – auch wenn die Neuinfektionen weiterhin auf einem hohen Level bleiben. Innerhalb von 24 Stunden seien 46.321 neue Ansteckungen registriert worden, teilte am Montagabend (03.08.2020) die Johns-Hopkins-Universität mit. Zugleich habe es 532 weitere Todesfälle gegeben.

In der vergangenen Woche waren an fünf Tagen hintereinander mehr als 60.000 neue Fälle registriert worden. Am Sonntag (02.08.2020) sank die Zahl dann auf 47.508. Nun ging sie nochmals leicht zurück. Insgesamt wurden in den USA mehr als 4,7 Millionen Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, mehr als 155.000 Menschen starben. Dies sind weltweit mit Abstand die meisten Opfer.

Alles zur Entwicklung der Corona-Pandemie in den USA in den vergangenen Tagen können Sie in unserem News-Ticker nachlesen.

Rubriklistenbild: © AFP

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