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Corona-Pandemie

Corona: USA sichern sich weitere 100 Millionen Dosen von Biontech-Impfstoff

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  • Tim Vincent Dicke
    Tim Vincent Dicke
  • Daniel Dillmann
    Daniel Dillmann
  • Matthis Pechtold
    Matthis Pechtold

Die USA sind das am härtesten von der Corona-Pandemie getroffene Land. Es bekommt jetzt hunderte Millionen zusätzliche Impfdosen - unter anderem von Biontech.

  • Die USA sind von der Corona-Krise hart getroffen. Mehr als 18 Millionen Menschen haben sich dort bisher infiziert.
  • Die Regierung von Donald Trump sichert sich 100 Millionen zusätzliche Impfdosen von Biontech.
  • Joe Biden und Jill Biden werden öffentlichkeitswirksam gegen Corona geimpft.

+++ 20.42 Uhr: Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer liefern zusätzliche 100 Millionen Dosen ihres Corona-Impfstoffes an die USA. Die Präparate werden in Anlagen in den USA produziert, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Damit erhöhe sich die Gesamtzahl der Impfdosen für die USA auf 200 Millionen.

Die USA haben sich 100 Millionen zusätzliche Impfdosen von Biontech gesichert.

Mindestens 70 Millionen der zusätzlichen Impfstoffdosen sollen den Angaben zufolge bis zum 30. Juni 2021 geliefert werden. Die verbleibenden 30 Millionen Dosen sollen bis spätestens 31. Juli folgen. Die US-Regierung werde 1,95 Milliarden Dollar für die zusätzliche Menge bezahlen und habe außerdem die Option, bis zu 400 Millionen zusätzliche Dosen des Präparats von Biontech und Pfizer zu erwerben, hieß es.

„Dieser neue Regierungsauftrag kann Amerikanern noch mehr Sicherheit geben, dass wir genug Impfstoff haben werden, um bis Juni 2021 jeden Amerikaner zu impfen, der das möchte“, erklärte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Mittwoch. Pfizer-Chef Albert Bourla erklärte: „Mit diesen 100 Millionen zusätzlichen Dosen werden die Vereinigten Staaten in der Lage sein, mehr Menschen zu schützen und hoffentlich diese verheerende Pandemie schneller zu beenden.“ Auch mit Moderna gebe es einen Vertrag über 100 Millionen zusätzliche Impfdosen für die USA, schrieb Gesundheitsminister Azar auf Twitter.

Joe Biden zu Corona: „Die dunkelsten Tage liegen noch vor uns“ ‒ Zweithöchste Zahl an Todesfällen

Update vom Mittwoch, 23.12.2020, 17.03 Uhr: Der künftige US-Präsident Joe Biden macht Amerika keine Hoffnung auf eine rasche Besserung der Corona-Lage - im Gegenteil. „Hier ist die einfache Wahrheit: Die dunkelsten Tage im Kampf gegen Covid liegen noch vor uns, nicht hinter uns“, sagte der Demokrat am Dienstag (22.12.2020) in Wilmington in seinem Heimat-Bundesstaat Delaware in einer Ansprache. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, unser Rückgrat zu stärken. So frustrierend das ist, wir werden Geduld brauchen, Durchhaltevermögen und Entschlossenheit, um das Virus zu besiegen“, sagte Biden.

Es werde noch viele Monate dauern, bis die rund 330 Millionen Menschen in den USA gegen das Coronavirus geimpft werden könnten. Daher sei es wichtig, über die Feiertage und darüber hinaus weiter die bekannten Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um weitere Infektionen zu vermeiden. Dazu gehöre auch, Weihnachten in diesem Jahr nicht wie üblich mit vielen Familienmitgliedern zu feiern, mahnte Biden.

Unterdessen wurde in den USA auch die zweithöchste Zahl an Corona-Todesfällen an einem Tag registriert: Am Mittwoch (23.12.2020) meldete die Johns-Hopkins-Universität (JHU) 3401 Tote infolge einer Coronavirus-Infektion binnen eines Tages. Der bisherige Höchstwert war am vergangenen Mittwoch mit 3682 Corona-Toten verzeichnet worden. Die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden lag am Dienstag (22.12.2020) bei 195.033. Der bisher höchste Wert wurde mit 249.709 am 18. Dezember registriert.

Corona in den USA: „Ich bin bereit“, sagt Joe Biden und bekommt die Impfspritze

+++ 22.33 Uhr: Joe Biden hat sich vor laufenden Kameras gegen das Coronavirus impfen lassen. Biden rollte seinen linken Ärmel hoch und sagte der Krankenschwester, die die Spritze hielt: „Ich bin bereit“. Biden appellierte danach an alle Amerikaner, sich ebenfalls impfen zu lassen, sobald ein Impfstoff für sie verfügbar sei. Auch die künftige First Lady, Jill Biden, wurde demnach am Montag im Ort Newark im Bundesstaat Delaware geimpft.

Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Pandemie eingedämmt werden könne, sagte Biden. Bis dahin sollten die Menschen weiter auf den Rat der Experten hören und Masken tragen, den nötigen Sicherheitsabstand einhalten und auch trotz der Feiertage keine unnötigen Reisen unternehmen, mahnte der 78-Jährige.

„Wenn Sie nicht reisen müssen, reisen Sie nicht“, forderte er. Die Bidens bekamen die erste von zwei Spritzen mit dem Impfstoff der Unternehmen Pfizer und Biontech.

Corona in den USA: Joe und Jill Biden bekommen Biontech-Impfstoff – Vorgang live im Fernsehen

+++ 20.44 Uhr: Der designierte US-Präsident Joe Biden will sich öffentlich gegen das Coronavirus impfen lassen. Gemeinsam mit seiner Frau Jill soll er ein Präparat der Hersteller Biontech und Pfizer erhalten. Der Vorgang in Delaware wird am Montag (21.12.2020, Ortszeit) live im Fernsehen ausgestrahlt. Damit solle „die klare Botschaft an die Öffentlichkeit gesandt werden, dass es (die Impfung) sicher ist“, sagte Bidens Sprecherin Jen Psaki am Freitag.

Zuvor sagte der renommierte US-Immunologe und Corona-Experte Anthony Fauci, Joe Biden und seine Vize Kamala Harris sollten sich schnellstmöglich gegen das Coronavirus impfen lassen. Mit Blick auf Biden sagte Fauci dem US-Sender ABC News: „Sie wollen, dass er vollständig geschützt ist, wenn er im Januar die Präsidentschaft antritt. Das wäre also meine starke Empfehlung.“

Experten befürchten, dass viele Menschen sich aus Skepsis über die in Rekordzeit entwickelten Impfstoffe nicht impfen lassen wollen. Fauci betonte am Freitag, die schnelle Entwicklung sei nicht auf Kosten der Sicherheit gegangen. Es seien alle wissenschaftlichen Standards eingehalten worden.

Corona in den USA: Kongress einigt sich auf historisches Hilfspaket

Update vom Montag, 21.12.2020, 09.55 Uhr: Demokraten und Republikaner im US-Kongress haben sich nach monatelangem Streit auf ein weiteres gewaltiges Konjunkturpaket in der Corona-Krise verständigt. Geplant sind Hilfen im Umfang von fast 900 Milliarden Dollar (rund 737 Milliarden Euro). Vorgesehen sind weitere Finanzhilfen für kleine Betriebe und eine zeitlich begrenzte Aufstockung von Arbeitslosenhilfen um 300 Dollar wöchentlich. Auch Geld für Schulen, Kinderbetreuung und für die Verteilung der Impfstoffe im Land ist eingeplant.

Der US-Kongress hatte seit März mit der Unterstützung beider Parteien bereits Konjunkturpakete von rund 2,7 Billionen Dollar auf den Weg gebracht. Mit dem neuen Paket werden es nun deutlich mehr als drei Billionen Dollar sein - innerhalb eines Jahres. Dies seien historische Zahlen in einer historischen Krise, sagte Chuck Schumer, der Chef der demokratischen Partei im US-Senat. „Die Einigung, die wir erzielt haben, ist alles andere als perfekt“, schränkte er aber ein. Viele Demokraten hätten sich noch mehr erhofft. Dieses Paket bringe nun Notfallhilfe. „Aber es muss noch viel mehr getan werden.“ Viele Menschen in den USA hätten in der Pandemie nicht nur Angehörige verloren, sondern auch ihre Jobs oder ihr Zuhause. Ihr Leiden sei groß. „Hilfe ist auf dem Weg.“

Demokraten und Republikaner hatten seit dem Frühling um ein weiteres Hilfspaket gerungen, waren sich jedoch über Monate nicht einig geworden. Beide Seiten warfen sich am Sonntagabend gegenseitig vor, die Verhandlungen blockiert und verschleppt zu haben. In den vergangenen Tagen hatten die Gespräche an Fahrt aufgenommen, um noch vor Jahresende und vor der Weihnachtspause des Parlaments Hilfen auf den Weg zu bringen.

Die Pandemie hat die USA in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt. Angesichts der Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Schließung vieler Betriebe verschlechterte sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt drastisch. Insgesamt bezogen zuletzt etwa 20,6 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosenhilfe. Vor einem Jahr waren es lediglich 1,8 Millionen gewesen. Laut einer Studie von zwei US-Universitäten aus Chicago und Notre Dame, die Mitte Dezember veröffentlicht wurde, rutschten zwischen Juni und November fast acht Millionen Amerikaner:innen unter die Armutsgrenze. Als Grund dafür nannten die Studienautoren unter anderem das Auslaufen bestimmter staatlicher Hilfen.

Chuck Schumer und Nancy Pelosi.

Corona in den USA: „Leider wird es schlimmer werden“, so Taskforce-Chef

Update vom Sonntag, 20.12.2020, 16.49 Uhr: Mit mehr als 315.000 Corona-Todesfällen sind die USA weiterhin das am härtesten von der Virus-Pandemie getroffene Land. Derzeit kommen täglich mindestens 2000 neue Sterbefälle hinzu – wenn nicht sogar 3000. Trotz Impf-Hoffnungsschimmer könnte sich die Lage weiter verschlimmern.

In einem Interview mit dem Nachrichtensender „CNN“ sagte Dr. Moncef Slaoui, Koordinator der Operation Warp Speed des Weißen Hauses: „Leider wird es schlimmer werden, da wir momentan immer noch das Ergebnis der Thanksgiving-Feiertage und der Festlichkeiten erleben.“

Slaoui vermutet, dass es über Weihnachten zu einer weiteren Verschärfung der Corona-Lage komme. „Es wird es einen anhaltenden Anstieg geben“, so der wissenschaftliche Berater. Er könne keine exakten Fallzahlen voraussagen, aber „sie werden höchstwahrscheinlich höher als heute sein“. Die kommenden Impfstoffe seien jedoch ein Licht am Ende des Tunnels. „Hoffentlich wird es besser, nachdem es schlimmer geworden ist.“

Corona in den USA: Tucker Carlson nennt Impfplan „rassistisch gegenüber Weißen“

Update vom Sonntag, 20.12.2020, 13.35 Uhr: Während die Corona-Krise in den USA weiter grassiert, liegen die Hoffnungen der Expert:innen wie Dr. Anthony Fauci und Deborah Birx auf der schnellen Auslieferung der verschiedenen Impfstoffe. Doch wer zu welchem Zeitpunkt die Impfung erhalten soll, darüber wird in den Staaten heftig gestritten.

In diesen Streit mischt sich nun auch Tucker Carlson ein. Der Moderator und Fan von Donald Trump hat in seiner Show „Tucker Carlson Tonight“ auf Fox News den Impfplan der US-Gesundheitsbehörde (CDC) scharf kritisiert. Was die CDC plane, sei nicht weniger als „Eugenik an Weißen“. Die geplante Verteilung wäre „rassistisch motiviert“ und würde mit voller Absicht Weiße schlechter behandeln als Schwarze.

Corona in den USA: Impfplan des CDC sorgt für Kritik

Dabei handelt es sich nach Meinung der meisten Fachleute um eine eindeutige Missinterpretation des Impfplans. In diesem wird explizit eine Vorgehensweise nach folgendem Muster vorgeschlagen:

  • Zuerst sollen Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, eine Corona-Impfung erhalten.
  • Im Anschluss sollen Menschen über 65 Jahre, die zusätzlich einer Risikogruppe für Covid-19 angehören, geimpft werden.
  • Danach sollen Beschäftigte in systemrelevanten Berufen behandelt werden.

Am letzten Punkt störte sich Tucker Carlson. Wie das CDC ausführte, sollten Beschäftigte in systemrelevanten Berufen unter anderem deshalb den Impfstoff vor anderen Personen erhalten, weil es sich bei dieser Bevölkerungsgruppe in der Regel um Geringverdiende handele und überproportional um „People of Color“, also Nicht-Weiße. Weil genau diese Bevölkerungsgruppe unter den Menschen, die älter als 65 Jahre sind, unterrepräsentiert sind (weil sie nicht so lange leben), könnte so einer Benachteiligung im Gesundheitssystem entgegengewirkt werden und die Corona-Pandemie erfolgreicher bekämpft werden.

Während manche die verdrehte Logik Tucker Carlsons kritisieren und den Fox News-Moderator darauf hinweisen, dass vor allem Schwarze in den USA an den Folgen von Covid-19 leiden, machen andere auf ein pikantes Detail aufmerksam. Während Carlson nämlich davon sprach, dass Weiße systematisch benachteiligt werden würden, ließ sich sein Chef, Fox-Besitzer Rupert Murdoch, in Großbritannien bereits impfen. Er gehört damit einer priviligierten Gruppe an, die den Impfstoff vor den meisten anderen erhalten haben. In dieser Gruppe befinden sich neben Murdoch auch Vizepräsident Mike Pence und Nancy Pelosi, die Mehrheitsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus. Alle drei sind weiß.

Tucker Carlson von Fox News verbreitet Angst vor dem Corona-Impfstoff und übt Kritik am Impfplan der US-Gesundheitsbehörde.

Corona in den USA: Mike Pence lobt Verteilung des Impfstoffs

Update vom Samstag, 19.12.2020, 19:02 Uhr: Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer wird in den USA offenbar nicht so verteilt wie es geplant und den einzelnen Staaten versichert worden war. Einige Staaten, darunter etwa Georgia, Michigan und Washington sind dem Portal „The Daily Beast“ zufolge darüber benachrichtigt worden, dass sie Tausende Impfdosen weniger erhalten werden als angekündigt. Beamte zweier Staaten sollen gegenüber dem Portal gesagt haben, ihre Staaten bekämen 30 Prozent weniger Impfdosen als geplant. Dabei hatte Vizepräsident Mike Pence dem Portal zufolge kürzlich erst die Verteilung des Impfstoffs gelobt: „Wie der Präsident oft sagt, so weit, so gut. Von Anfang an stark.“

Nachfragen bei der Regierung, weshalb weniger Impfdosen als erwartet kämen, hätten zu noch mehr Verwirrung geführt. In Donald Trumps Corona-Taskforce sei man sich unsicher, woher die Diskrepanz zwischen der angekündigten und der gelieferten Zahl der Impfdosen komme.

US-Bundesstaten beschweren sich über logistische Probleme bei der Auslieferung des Corona-Impfstoffs.

Bereits in einer Konferenz mit den Gouverneur:innen der US-Bundesstaaten vor wenigen Tagen ließ logistische Probleme in der Verteilung des Corona-Impfstoffs vermuten. Gesundheitsminister Alex Azar merkte an, es sei wichtig, dass bei der Lieferung der Zeitplan präzise eingehalten werde, denn es braucht zwei Impfdosen, um eine Immunisierung zu erreichen. Die zweite Dosis muss innerhalb von 21 Tagen nach der ersten erfolgen. Lieferverzug könne Immunisierungspläne zunichte machen. Der Gouverneur von North Carolina klagte außerdem darüber, dass sein Staat keine Bestätigung habe, wie viele Impfdosen in der zweiten Woche der Verteilung geliefert würden.

Pfizer sagte „The Daily Beast“ zufolge hingegen am Donnerstag (17.12.2020), alle initialen 2,9 Millionen Impfdosen seien bereits verschickt und in Lagerhäusern warteten mehrere Millionen weitere Dosen darauf, verschickt zu werden.

Schwere Vorwürfe gegen Donald Trump: Behinderte die US-Regierung Corona-Maßnahmen?

Erstmeldung vom Donnerstag, 17.12.2020, 13.07 Uhr: Am 16. August 2020 war für Kyle McGowan und Amanda Campbell das Maß voll. Seit dem Frühjahr hatten beide in führenden Positionen der sogenannten Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention, kurz CDC, gegen die Corona-Pandemie gekämpft. Vertrauen vonseiten der US-Regierung unter Donald Trump ist ihnen dabei offenbar nur selten zuteil geworden.

Ex-Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde CDC erheben schwere Vorwürfe gegen Donald Trump. (Archivfoto)

Im Gegenteil, oft sei ihre Präventionsarbeit sogar aktiv von Regierungsmitgliedern behindert worden. MCGowan und Campbell kündigten – und klagen jetzt den Machtverlust der wissenschaftlichen Autorität des CDC an. Das Verhalten von Donald Trump habe der CDC schwer zugesetzt. Das hat die „New York Times“ mit Berichten von McGowan, einst Stabsschef im Büro des Direktors, und seiner Stellvertreterin, Amanda Campbell, aufgearbeitet.

Corona-Politik von Donald Trump: Andere Prioritäten als Gesundheitsbehörde CDC

Eine der Hauptaufgaben der CDC ist es, gesundheitliche Krisen vorzubeugen und zu bekämpfen, sollte es zu einer kommen. Das umfasst alles von der Dokumentation gesundheitsrelevanter Daten wie beispielsweise Luftverschmutzungswerte bis hin zur Erstellung von Richtlinien für öffentliche Einrichtungen und den öffentlichen Raum. Im Falle eines hochansteckenden Virus wie SARS-CoV-2 müssten die CDC eigentlich zur Höchstform auflaufen. Dass aus wissenschaftlichen Empfehlungen aber rechtliche Verordnungen werden sollen, setzt in Demokratien grundsätzlich voraus, dass ein politischer Prozess zwischengeschaltet ist.

Und der hat in der Corona-Pandemie zum Teil ganz andere Prioritäten, wie aus den Berichten der ehemaligen Offiziellen der CDC hervorgeht. So habe deren von Donald Trump ernannter Direktor Robert Redfield versucht, in die Veröffentlichung des für die US-Medizin wichtigen wöchentlichen Morbiditäts- und Mortalitätsreports einzugreifen. Noch dazu sollten E-Mails, die das belegen, offenbar gelöscht werden. Generell hätten Regierungsmitarbeitende im Weißen Haus oder im Gesundheitsministerium häufig versucht, in die Inhalte des Berichts einzugreifen.

Corona in den USA: Wissenschaft spielt in der Regierung von Donald Trump untergeordnete Rolle

Auch andere Dokumente mit Empfehlungen und Ratschlägen zum Umgang mit dem Coronavirus seien erst mal durch „endlose Reihen“ politischen Personals gewandert, um letztendlich verwässert und verharmlost zu werden, beklagen McGowan und Campbell. 

Und das mit Folgen: Campbell erzählt in der „New York Times“ von einem Treffen, bei dem der Leiter der Haushaltsbehörde, der Republikaner Russel T. Vought, McGowan und Direktor Redfield eine Lockerung der Richtlinien für Restaurants abgerungen habe – mit wirtschaftlichen Argumenten. Für Fragen der wirtschaftlichen Vereinbarkeit sei das CDC aber nie zuständig gewesen, betont McGowan.

Donald Trump entwickelte lieber eine App mit Apple, anstatt die CDC zu untersützen

Jedes Mal, wenn die Wissenschaft auf die Exekutive stieß, gewann letztere, so McGowan sinngemäß. Unter den Einflussnehmenden: Kellyanne Conway, ehemalige Wahlkampfstrategin im Weißen Haus und Ivanka Trump, Tochter des scheidenden Präsidenten.

Auch hat die CDC eine App veröffentlicht, mit der sich Menschen selbst auf Corona-Symptome testen lassen können. Donald Trump und seine Regierung wollten davon offenbar nichts wissen und kooperierten stattdessen mit Apple. Nicht mal auf ihrer eigenen Website durfte die CDC danach noch die selbst veröffentlichte App bewerben.

USA: CDC mit unkonventionellen Methoden gegen Trump und Corona

Irgendwann habe man im CDC dann Wege gesucht, um die Einflussnahme der US-Regierung unter Donald Trump geschickt zu umgehen. So sei man dazu übergegangen, nicht mehr neue Richtlinien zu veröffentlichen, sondern die bestehenden zu aktualisieren. Es dauerte jedoch nicht lange, bis Regierungsmitarbeiter darauf bestanden, dass auch Updates vor Veröffentlichung über ihren Schreibtisch wandern müssen. 

„Es ist demoralisierend, wenn man seine gesamte Karriere damit verbringt, sich auf diesen Moment vorzubereiten, sich auf eine Pandemie wie diese vorzubereiten. Und dann nicht in der Lage zu sein, seine Arbeit vollständig zu erledigen,“ so McGowan. „Man muss in der Lage sein, zu führen.“ Seit Herbst tritt das CDC jetzt selbstbewusster auf: Einige Richtlinien seien bereits ohne die Zustimmung des Weißen Hauses verabschiedet worden, berichtet die „New York Times“.

Donald Trumps Umgang mit der Corona-Krise: Kein Geld für fachliche Expertise

Nicht nur das, auch Mittel seien dem CDC mit seinen rund 11.000 Mitarbeitenden gestrichen worden. Direktor Redfield habe berichtet, dass dieses Jahr 300 Millionen US-Dollar in eine Impf-Kampagne investiert worden seien, die eigentlich der Behörde zugestanden hätten. Die Kampagne wurde nie realisiert, nachdem sie Ende September in sich zusammengefallen war.

Es werde Jahre dauern, bis der Reputationsschaden der Behörde wiedergutgemacht worden sei, befürchtet McGowan. Seine ehemalige Stellvertreterin und er haben nach ihrem Ausscheiden aus der CDC eine Beratungsagentur für Gesundheitspolitik gegründet. (Matthis Pechtold)

Rubriklistenbild: © Martha Asencio Rhine/dpa

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