Corona-Tests

Neue Corona-Tests: Der Atem soll schnell Gewissheit bringen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forschungsteams aus Dortmund und Edinburgh arbeiten an neuem Testverfahren.

  • Bei den bisherigen Tests zum Nachweis einer Corona-Infektion wurden Abstriche aus Rachen- und Nasenbereich genommen.
  • Ein neues Testverfahren soll das Prozedere vereinfachen.
  • In Zukunft könnten Ergebnisse einfacher und schneller vorliegen.

Die Bilder sind mittlerweile Alltag geworden: Menschen, die ihren Kopf nach hinten geneigt und den Mund weit aufgerissen haben, bekommen mit einem Stäbchen tief aus dem Rachen einen Abstrich genommen. Bislang ist es für den Nachweis einer Corona-Infektion sowohl beim PCR-Test als auch bei den Antigenschnelltests nötig, eine Probe aus dem Rachen- und Nasenbereich zu nehmen. In Zukunft könnte es noch einfacher gehen: Forschungsteams des Klinikums Dortmund und der Universität Edinburgh arbeiten derzeit an Atemtests auf Covid-19 und haben das Verfahren bereits an Patientinnen und Patienten erprobt.

Neuer Corona-Test: Methode muss noch verfeinert werden

Die Treffsicherheit lag bei etwas mehr als 80 Prozent – was für den Anfang ein guter Wert ist, aber bedeutet, dass die Methode für den breiten klinischen Einsatz verfeinert werden muss.

Zum Abstrich mit Teststäbchen in Mund, Nase oder Rachen könnte es bald Alternativen geben.

Worauf basieren die Tests? Bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 bilden sich in den Atemwegen bestimmte flüchtige organische Verbindungen, die sich auch in der ausgeatmeten Luft finden. Die beiden Teams haben für ihre Analyse das gleiche Messinstrument genutzt, um diese Verbindungen aufzuspüren. Es kombiniert einen Gaschromatografen mit einer Ionen-Mobilitäts-Spektrometrie. Ein Gaschromatograf kann die in der Luft enthaltenen Verbindungen anhand der Zeit unterscheiden, mit der sie eine Trennsäule passieren. Ein Ionen-Mobilitäts-Spektrometer ist ein Gerät zur chemischen Analyse.

Neuer Corona-Test: Aerosole werden nicht freigesetzt

Der Test verläuft denkbar einfach: Der Patient bläst in ein Plastikröhrchen, aus dem dann mit einer Spritze die Luft gezogen und in das Messinstrument gebracht wird. Aerosole werden dabei nicht freigesetzt. Die Ergebnisse liegen nach kurzer Zeit vor und müssen nicht erst in einem Labor ermittelt werden. Wie die Studien ergaben, unterscheidet sich die Atemluft von Corona-Infizierten und Nichtinfizierten unter anderem in der Konzentration von Ethanol, Aceton, Methanol und bestimmten Aldehyden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass die Freisetzung von Aceton damit zu tun hat, dass das Virus die Bauchspeicheldrüse befällt. Die Aldehyde könnten durch Entzündungen entstehen, die geringere Konzentration von Methanol mit der Darmflora zu tun haben, denn das Virus gelangt auch in den Verdauungstrakt. Die Methode soll jetzt weiter untersucht und dabei auch ausgeschlossen werden, dass andere Faktoren wie Ernährung die Ergebnisse verfälschen.

Corona-Test der Universität Philadelphia: Kein Nach-, sondern Hinweis auf Infektion

Einen Test ganz anderer Art hat ein Team des „Monell Chemical Senses Center“ der Universität Philadelphia (USA) entwickelt. Er eignet sich nicht als Nachweis, sondern eher als Hinweis auf eine Infektion mit Sars-CoV-2. Bei dem Verfahren namens „Scentinel“ handelt es sich um einen Riechtest. Er gründet sich auf der Beobachtung, dass laut einer aktuellen Analyse angeblich 77 Prozent der Infizierten einen kompletten oder teilweisen Geschmacks- und Geruchsverlust erleben – und das schon sehr früh, vor allen anderen Symptomen.

Der Test enthält mehrere Streifen, die man abziehen kann, Zwei riechen nach nichts, andere nach Kaffee, Schokolade oder Popcorn. Das Forschungsteam stellt sich vor, dass der Test anderen Verfahren vorgeschaltet werden könnte. Wer nichts oder nicht mehr gut riecht, könne sich dann einem Corona-Test unterziehen.

Rubriklistenbild: © David W. Cerny / rtr

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