Streit in der Corona-Taskforce der USA

Corona in den USA: Disney kündigt rund 28.000 Mitarbeitern

  • vonSebastian Richter
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Die Corona-Pandemie trifft den US-Unterhaltungsriesen Disney mit voller Wucht. Nun kommt es zum Job-Kahlschlag beim Micky-Maus-Konzern.

Update vom Mittwoch, 30.09.2020, 06.15 Uhr: Die Corona-Krise legt das Entertainment-Imperium Walt Disney lahm - nun kommt es zu Entlassungen im großen Stil. Weil das Geschäft mit Vergnügungsparks, Ferienresorts, Fanartikeln und Kreuzfahrten noch immer stark unter der Pandemie leide, müsse der Konzern rund 28.000 US-Mitarbeiter entlassen, teilte Disney nach US-Börsenschluss im kalifornischen Burbank mit. In einem Memo an die Belegschaft bezeichnete Spartenchef Josh D‘Amaro die Entscheidung als „herzzerreißend“, sie sei aber angesichts der schwierigen Umstände aufgrund der Covid-Krise ohne Alternative.

Der Schritt sei notwendig, unter anderem weil Corona-Auflagen in Kalifornien eine Wiedereröffnung des dortigen Disneylands weiterhin nicht zuließen, so D‘Amaro. Bereits seit April seien viele Angestellte beurlaubt, die weiter Beiträge zur Krankenversicherung erhielten. Angesichts der ungewissen Geschäftsaussichten müsse die Mitarbeiterzahl jetzt dauerhaft gesenkt werden. Bei etwa 67 Prozent der Betroffenen handele es sich aber um Teilzeitkräfte. Disney kläre derzeit die Konditionen mit Beschäftigten und Gewerkschaften.

Der Job-Kahlschlag trifft den Geschäftsbereich, der von den Folgen der Pandemie am stärksten getroffen wurde und dem Konzern bereits hohe Verluste einbrockte. Insgesamt hatte Disney hier vor der Krise noch mehr als 100.000 Beschäftigte.

Die Freizeitparks der Walt Disney World in den USA sind wegen der Corona-Krise schlecht besucht.

Corona in den USA: Anhtony Fauci legt sich mit Scott Atlas an

Update vom Dienstag, 29.09., 09:20 Uhr: Vor kurzem holte US-Präsident Donald Trump Dr. Scott Atlas als seinen neuen Berater in der Corona-Pandemie ins Weiße Haus. Seitdem sieht sich Atlas mit scharfer Kritik konfrontiert.

Zuletzt äußerte sich Dr. Anthony Fauci. Der hochgeschätzte und renommierte Virologe sprach in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN über die Arbeit in der Corona-Taskforce. „Die meisten dort arbeiten sehr gut zusammen“, sagte Fauci und ergänzte: „Ich denke Sie wissen, wer der Ausreißer ist.“ Als sei das noch nicht explizit genug, sagte Fauci in Richtung des Beraters von Donald Trump: „Sie kennen meine Meinungsverschiedenheiten mit Dr. Atlas.“ Fauci sagte über sich, er sei aber immer bereit, über derartige Meinungsverschiedenheiten zu sprechen.

Dr. Anthony Fauci kritisiert Donald Trumps neuen Berater, Dr. Scott Atlas.

Nicht nur Atlas erhielt also eine Breitseite von Amerikas beliebtestem Virologen. Auch Donald Trumps Lieblingssender Fox News musste sich von Fauci einiges anhören. „Manche Medien, mit denen ich mich beschäftigen muss, scheinen gegensätzliche Perspektiven auf offensichtliche Fakten zu verbreiten“, sagte Fauci und wurde auch hier konkreter: „Wenn sie Fox News zuhören, bei allem Respekt, denn sie haben sicherlich ein paar sehr gute Reporter, aber manche Dinge, die dort berichtet werden, sind einfach nur haarsträubend.“

Anthony Fauci gilt seit langem als streitbares Mitglied der Corona-Taskforce unter Vizepräsident Mike Pence. Vor kurzem hatte sich der Virologe mit dem republikanischen Senator Rand Paul einen rhetorischen Schlagabtausch geliefert.

Corona in den USA: Corona-Taskforce muss gegen Donald Trump arbeiten

Erstmeldung vom 28.09.2020
Washington – Die Gesamtzahl der Corona-Infizierten in den Vereinigten Staaten hat inzwischen die Sieben-Millionen-Marke überschritten. Mehr als 200.000 Menschen starben am Coronavirus in den USA – das sind ein Fünftel aller Fälle weltweit. Um der Lage Herr zu werden, setzte das Weiße Haus eine Corona-Taskforce ein.

Dr. Scott Atlas ist der neueste Teil der Corona-Taskforce. Bei Donald Trump kommt er gut an.

Ein Team aus Ärzten und Wissenschaftlern sollte die Maßnahmen der Regierung überwachen und koordinieren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die prominentesten Mitglieder der Gruppe sind Dr. Anthony Fauci, Dr. Robert Redfield und Dr. Deborah Birx, die seit Monaten dafür kämpfen, die Neuinfektionen zu verringern. Immer wieder mussten sie auch lapidare Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump korrigieren.

Corona in den USA: Versorgt Scott Atlas Donald Trump mit falschen Informationen?

Ein neues Mitglied bringt Unruhe in die Corona-Taskforce: Mediziner Dr. Scott Atlas, ehemaliger Chef der Neuroradiologie der Stanford University. Er war schon vorher häufiger Gast bei „Fox News“ und forderte die Öffnung des Landes. Solche Forderungen rückten ihn in die Nähe Trumps. Atlas wurde Trumps engster Vertrauter. Er soll der medizinische Experte sein, der am meisten Zeit mit dem Präsidenten verbringt. Bei Pressekonferenzen aus dem Weißen Haus ist er meist an Donald Trumps Seite zu sehen und spricht oft selbst zu den Journalisten.

Birx, Fauci und Redfield widersprechen dem Neuzugang immer wieder in verschiedenen Belangen. Vor allem Redfield, Leiter des „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC), schießt gegen Atlas. Laut einem Bericht von NBC-News unterstellt Redfield Atlas, den Präsidenten mit falschen Daten zur Corona-Pandemie zu versorgen. Unter anderem über die Wirksamkeit von Masken, die Anfälligkeit junger Leute gegen das Virus und die möglichen Vorteile von Herden-Immunität soll er ihm falsche Informationen geben.

„Alles, was er sagt, ist falsch“, soll Redfield bei einem Telefongespräch gesagt haben, das „NBC News“ zufällig während eines Fluges von Atlanta nach Washington mitgehört hat. Nach dem Flug soll Redfield bestätigt haben, dass er über Dr. Scott Atlas gesprochen hatte. Redfield sagte vor dem Amerikanischen Kongress, dass er glaube, dass Maskentragen gegen das Corona-Virus besser schützen könnte als ein Impfstoff. Die Pandemie könnte innerhalb von acht bis zwölf Wochen vorbei sein, wenn jeder eine Maske tragen würde, sagte er.

Corona in den USA: Trump befeuert Streit in der Corona-Taskforce

Dr. Scott Atlas wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Alles, was ich sagte, stammt direkt aus den Daten und der Wissenschaft“, soll er in einem Statement geäußert haben. Seine Aussagen sollen von verschiedenen medizinischen Wissenschaftlern auf der ganzen Welt geteilt werden, auch an den Universitäten Stanford, Harvard und Oxford.

Das Weiße Haus teilte in einer offiziellen Antwort mit, Präsident Trump „berät sich mit vielen Experten innerhalb und außerhalb der Regierung, die sich manchmal nicht einig sind“. Seine Entscheidungen basieren auf den gesamten Informationen, um Leben zu retten und das Land wieder öffnen zu können, heißt es weiter. „Jeder, auch der Präsident, empfiehlt, eine Maske zu tragen, wenn social distancing nicht möglich ist.“ Wie der Präsident es tatsächlich mit der Maskenpflicht und anderen Hygienebestimmungen hält, kann man zum Beispiel regelmäßig bei seinen Wahlkampfveranstaltungen sehen.

Auch in der Frage, wann es zu breiten Impfungen in der Bevölkerung kommen kann, ist man sich uneinig. Als Redfield den Zeitraum in das dritte und vierte Quartal legte, bezeichnete Trump seinen eigenen Experten zuerst einmal als „verwirrt“. Redfield blieb bei seiner Aussage.

Corona in den USA: Trump und Atlas mit kruden Aussagen zum Coronavirus

Erst jüngst soll Trump zudem gesagt haben, dass das Virus „praktisch niemanden“ im jungen Alter betreffe. Mitglieder der Corona-Taskforce widersprachen dem und sagten, das Statement sei falsch. Redfield betonte in einem Interview, die Gruppe mit dem höchsten Risiko seien gerade Menschen zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Es stimme zwar, dass die Todesraten in dieser Altersgruppe besonders gering seien, aber etwa ein Viertel der Infektionen in den USA bei Menschen in diesem Alter passierten. Es sei unwahrscheinlich, dass Jugendliche am Coronavirus sterben, sie können aber trotzdem besonders gefährdete Gruppen infizieren.

Die Frage, welche Bevölkerungsgruppe das höchste Risiko trage, ist häufig Thema innerhalb der Taskforce. Redfield sagte kürzlich, 90 Prozent der Amerikaner bleiben anfällig für das Coronavirus, Atlas widersprach. Redfield soll alte Daten für diese Informationen zurate gezogen haben, obwohl Redfield und das CDC sich auf Daten aus Juli und August bezogen.

Atlas besteht weiter auf die Öffnung der Schulen. „Die Daten sind da, und wir alle müssen nicht vor Angst erstarren“, sagte er „Fox News“. Es sollen ganz besonders die geschützt werden, die durch das Coronavirus auch besonders gefährdet seien. Das betreffe schließlich hauptsächlich ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Trump unterstützt diese Meinung, die anderen Mitglieder der Taskforce präferieren eine andere Strategie. Auf die Frage, warum die Amerikaner auf ihn und nicht auf die Gesundheitsexperten hören sollten, sagte Atlas der „NBC“: „Ihr sollt der Wissenschaft glauben, und ich sage euch, was die Wissenschaft ist.“ (Von Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © dpa/John Raoux

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