Corona-Auflagen

Nach „Querdenker“-Demo in Stuttgart: Söder warnt vor Auftritten à la Berthold

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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In einigen Städten versammeln sich Menschen, um gegen Corona-Auflagen zu demonstrieren. Ein ehemaliger Fußballprofi wird für seine Rede gefeiert. Jetzt warnt Markus Söder mögliche Nachahmer.

  • Nach Berlin gehen auch in Stuttgart Menschen auf die Straße, um gegen Corona-Beschränkungen zu protestieren.
  • Auch der frühere SGE-Profi Thomas Berthold hält eine Rede auf der Corona-Demo.
  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezieht Stellung und warnt von Berthold-Nachahmern.

Update vom Montag, 10.08.2020, 15.09 Uhr: Nach den Protesten gegen die fortlaufenden Corona-Beschränkungen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in einer Pressekonferenz am Montag (10.08.2020) deutlich vor Leichtsinn und nachlassender Vorsicht im Umgang mit der Situation um das Coronavirus gewarnt. Dabei nahm er auch Bezug auf den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Thomas Berthold, der am vergangenen Wochenende mit seiner Rede auf der Corona-Demo der Initiative „Querdenker 711“ für Aufsehen sorgte.

Jetzt warnt Söder vor ähnlichen Auftritten: Wenn sogar ehemalige Nationalspieler vom Masken-Tragen und Abstandhalten abraten, könne das verheerende Wirkungen auf Fußball-Fans haben. Der Aussage Söders war die Frage eines Journalisten vorausgegangen, ob sich Söder einen Bundesligastart mit Zuschauer in den Stadien vorstellen könne. Söder verneinte dies deutlich.

Nach Corona-Demo in Stuttgart: 1500 Menschen versammeln sich in Dortmund

Update vom Sonntag, 09.08.2020, 15.49 Uhr: Nachdem sich bereits in Berlin und Stuttgart mehrere Menschen versammelten, um gegen die Corona-Beschränkungen zu protestieren, kündigten auch Coronaschutz-Gegner in Dortmund eine Demonstration an. Diese findet am Sonntagnachmittag (09.08.2020) auf dem Hansaplatz in der Innenstadt mit etwa 1500 Teilnehmenden statt. Auf Twitter meldete die Polizei, dass der Beginn verschoben werden musste, da sich einige nicht in die Abstandsregelungen halten. Die Demonstration soll erst beginnen, wenn die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Die Polizei in Dortmund appellierte bereits im Voraus an die Teilnehmenden des „Festivals für Frieden und Freiheit – Wahrung unserer Grundrechte“, sich an die vorgeschriebenen Regeln zu halten. Gegen gesundheitsgefährdende Verstößen würde konsequent vorgegangen werden, betonte der entsprechende Einsatzleiter der Polizei. Organisiert wird die Corona-Demo von der Initiative „Querdenken 321“, die sich für eine Abschaffung der derzeit geltenden Corona-Maßnahmen, wie Maskenpflicht und Abstandsregelungen, einsetzen.

Auch der frühere SGE-Profi Thomas Berthold nimmt an Corona-Demo in Stuttgart teil

Erstmeldung vom Sonntag, 09.08.2020, 12.24 Uhr: Obwohl Experten und Studien bereits mehrfach belegen konnten, dass die Schutzmaßnahmen beträchtliche Auswirkungen auf die Ausbreitung des Coronavirus haben, scheinen einige Menschen noch immer vom Gegenteil überzeugt zu sein und sehen sich durch die Auflagen – wie Abstandsregelungen oder das verpflichtende Tagen einer Maske – in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt. So auch Demonstrierende in Stuttgart: Bei der von der Initiative „Querdenken 711“ organisierten Corona-Demo protestierten sie am Samstag (08.08.2020) für ein Ende der Corona-Beschränkungen und erhielten dabei Unterstützung bekannter Persönlichkeiten.

Bereits in Berlin versammelten sich am 01.08.2020 zahlreiche Coronaschutz-Gegner und begingen dabei mehrfach Verstöße gegen die Hygienemaßnahmen. In Stuttgart dagegen sollen sich die Protestierenden, die sich auf dem Marienplatz trafen und dann weiter in Richtung Innenstadt zogen, weitestgehend an die Regeln gehalten haben. Die Schilder der Teilnehmenden zeigten Aufschriften wie „Mit Maske – ohne Mich“ oder „Wir haben Euch durchschaut“. Unter den Protestierenden der Corona-Demo befand sich auch der ehemalige Fußballnationalspieler Thomas Berthold, der seine Karriere bei Eintracht Frankfurt begann.

In seiner Rede betonte der frühere SGE-Profi, wie wichtig es sei, angstfrei zu leben. Nur so könne die Corona-Pandemie überwunden werden. Die coronabedingten Auflagen sollten seiner Meinung nach keine allgemeingültige Verpflichtung sein – jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob er eine Maske tragen wolle oder nicht. Vertrauen in die politische Führung habe er derzeit überhaupt nicht. Er sehe „überhaupt niemanden, den wir wählen können“. Für diese Worte erhielt Berthold, der 1990 mit der deutschen Fußballnationalmannschaft in Italien Weltmeister wurde, Jubelschreie und Applaus. Weniger positive Resonanz erntete dagegen Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder, der ebenfalls an dem sogenannten Fest der Freiheit teilnahm.

Thomas Berthold spricht auf der Demo in Stuttgart.

Corona-Demo in Stuttgart: Florian Schroeder will Meinungsfreiheit testen

Anders als Berthold hatte der 40-jährige Schroeder nicht das Ziel, die Demonstrierenden in Stuttgart in ihren Forderungen zu unterstützen, sondern wollte eigenen Angaben zufolge deren Meinungsfreiheit testen. Auf seine Frage, ob wir in einer Corona-Diktatur leben, machte sich unter den Protestierenden der Corona-Demo zunächst zustimmender Jubel breit. Als der Kabarettist dann jedoch entgegnete, dass, wenn wir tatsächlich in einer Form von Diktatur leben würden, eine solche Demonstration überhaupt nicht möglich wäre, kippte die Stimmung schlagartig.

Schroeder betonte zudem, dass das Coronavirus seiner Meinung nach eine gefährliche, ansteckende Krankheit sei und nur bekämpft werden kann, indem sich alle Menschen an die Abstandsregeln und Maskenpflicht halten. Dafür bestraften ihn die Coronaschutz-Gegner in Stuttgart mit Pfiffen und Buhrufen. Daraufhin entgegnet Schroeder: „Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, dann müsst Ihr meine Meinung aushalten.“

An der Corona-Demo sollen laut Angaben der Polizei mehrere Hundert Menschen teilgenommen haben. Die Veranstalter selbst nannten eine Zahl von 5.000 Personen – und gaben demnach vermutlich beabsichtigt eine höhere Teilnehmendenzahl an, um die Demonstration aufzubauschen. Laut einer Befragung des Forsa Instituts sollen 91 Prozent der befragten Personen keinerlei Verständnis für die Proteste zu haben. Lediglich neun Prozent äußerten sich zustimmend.

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Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt

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