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Die Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie unter der Leitung des Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn bestärkten jene, die eine schnelle Rücknahme der Beschränkungen fordern.

Corona-Studie aus Heinsberg

Heinsberg-Studie zu Corona: Streeck weist Kritik von Drosten zurück

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Der Virologe Christian Drosten kritisiert das Vorgehen des Leiters der Heinsberg-Studie Hendrik Streeck zur Corona-Krise – und zweifelt deren Aussagekraft an.

  • Die Heinsbergstudie gab Anlass zu Optimismus in Corona-Krise.
  • Virologen Hendrik Streeck - Auflagen könnten gelockerrt werden. 
  • Virologe Christian Dorsten übt Kritik. 

Update vom 12.04.2020, 15:30 Uhr:Der Virologe Hendrik Streeck hat Kritik an der Veröffentlichung eines Zwischenergebnisses zu einer Studie in der vom Coronavirus besonders betroffenen Gemeinde Gangelt in Nordrhein-Westfalen zurückgewiesen. Dem „Tagesspiegel“ sagte der Wissenschaftler, dass die Feldstudie alle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO einhalte. „Wir übererfüllen sogar diese Empfehlungen“, sagte Streeck zu der Studie, die 1000 Menschen aus 400 Haushalten untersucht.

Auch wies Streeck Kritik zurück, das Zwischenergebnis sei zu früh veröffentlicht worden. „Die Veröffentlichung ist keinesfalls leichtfertig erfolgt. Wir haben bis in die Nacht auf Donnerstag darüber diskutiert, ob wir jetzt erste Daten präsentieren sollen. Wir entschieden uns dazu aus ethischen Gründen, und weil wir uns verpflichtet fühlten, einen nach wissenschaftlichen Kriterien erhobenen validen Zwischenstand vor Publikation mitzuteilen.“

Erstmeldung

Die Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie schienen Anlass für Optimismus zu geben und jene zu bestärken, die eine schnelle Rücknahme der Beschränkungen fordern. In dem Kreis in Nordrhein-Westfalen, der das erste deutsche Epizentrum der Pandemie war, läuft unter der Leitung des Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn eine Studie. Das Ziel ist unter anderem festzustellen, wie viele Menschen sich angesteckt haben, um daraus Rückschlüsse auf die bundesweite Dunkelziffer zu ziehen. Keine zwei Wochen nach dem Start stellte Streeck am Donnerstag erste Zwischenergebnisse vor.

Virologe Christian Drosten moniert Fehlen eines Manuskripts

Die Kernaussage: Antikörpertests zeigten, dass 14 Prozent der Bevölkerung bereits eine Infektion mit Sars-CoV-2 hinter sich hätten, wodurch sie immun wären. Auf dieser Basis, so Streeck, könnten die Auflagen allmählich gelockert werden, sofern Hygiene- und andere Verhaltensregeln weiter befolgt würden.

Virologe Christian Drosten zweifelt Aussagekraft der Studie an

In einer Pressekonferenz des Science Media Centers zu Teststrategien kritisierten der Virologe Christian Drosten von der Charité und der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung das wissenschaftliche und öffentliche Vorgehen ihres Kollegen. Sie zweifelten die Aussagekraft der Studie an. „Man kann wirklich aus dieser Pressekonferenz gar nichts ableiten“, sagte Drosten und monierte das Fehlen eines wissenschaftlichen Manuskripts, das vorliegen sollte, bevor Daten der Öffentlichkeit und Politik präsentiert würden. Laut Drosten könnten die Tests auch auf Antikörper reagiert haben, die gebildet werden, wenn jemand nur eine Infektion mit einem der vier harmlosen Coronaviren durchlaufen hat. Dann wären weniger Menschen als die genannten 14 Prozent immun.

Krause kritisierte, dass vermutlich alle Mitglieder aus einem Haushalt getestet worden seien und man das dann in Prozent umgerechnet habe. Das dürfe man „keineswegs“ machen.

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Am kommenden Mittwoch will die Politik entscheiden, wie es mit den Corona-Beschränkungen weitergeht. Es gibt erste Hinweise.

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