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SPD Gesundheitsexperte

Corona: Karl Lauterbach warnt vor „quälender Erschöpfung“ bei Long-Covid

  • VonJan Lucas Frenger
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Karl Lauterbach (SPD) spricht über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung und wie sich diese auf die Arbeitswelt in Deutschland auswirken.

Berlin – Eine Corona-Erkrankung setzt dem Körper ordentlich zu – viele Menschen haben auch noch Monate nach einer Infektion, mit den Nachwirkungen (Long Covid) zu kämpfen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich jetzt in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zu den Langzeitfolgen der Erkrankung.

Laut ihm gebe es in Deutschland derzeit noch keine Langzeitstudien, die sich mit den langfristigen Auswirkungen einer Corona-Erkrankung auf den Körper beschäftigen. Ein Umstand, den Lauterbach als „schweres Versäumnis“ ansieht. „Wir brauchen eine Langzeitbeobachtung und gute Versorgungskonzepte für diese Patienten und Prognosen für die Volkswirtschaft“, erklärt der Gesundheitsexperte im Interview mit dem RND. Aufgrund der mangelnden Daten müsse man sich daher aktuell auf Studien aus den USA und Großbritannien stützen. Die Arbeitswelt in Deutschland jedenfalls, werde die Auswirkungen ebenfalls zu spüren bekommen: „Die Betroffenen werden womöglich lange nicht so leistungsfähig wie früher sein, sie werden mehrfach im Jahr ausfallen. Manche werden ganz ausscheiden.“

Chronische Erschöpfung: Karl Lauterbach (SPD) über Langzeitfolgen von Corona

Doch wie genau äußern sich die Langzeitfolgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus? Im Interview mit RND spricht Karl Lauterbach von einer Vielzahl an Symptomen. Luftnot, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufprobleme beim Aufstehen oder rheumatische Beschwerden in den Gelenken gehören laut dem Experten unter anderem dazu. Besonders schwerwiegend sei dabei allerdings das Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS), eine Art schwerste chronische Erschöpfung mit Schmerzen, Schwäche, extremer Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Betroffene können dadurch nur wenige Stunden am Tag funktionieren und leiden durchgehend an teils „quälender“ Erschöpfung.

In einem Interview äußert sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu möglichen Komplikationen nach einer Corona-Erkrankung. (Archivbild)

Mit einer „Schlacht im Kopf“ vergleicht SPD-Politiker Karl Lauterbach gegenüber dem RND dabei den Ablauf im Körper: „Bei einem chronischen Erschöpfungssyndrom gibt es eine Art Entzündungsreaktion im Kopf. Es kommen entzündliche Botenstoffe ins Gehirn und das Gehirn bekämpft mit seinen eigenen Abwehrzellen das Virus. Wenn die Erkrankung überstanden ist, begreift das Gehirn das aber nicht und fängt möglicherweise an, das eigene Gewebe zu bekämpfen.“ Dabei handele es sich Lauterbach zufolge allerdings nur um eine vorläufige Hypothese.

Langzeitwirkung Coronavirus: Noch keine richtige Therapie

Eine richtige Therapie für die Langzeitauswirkungen einer Corona-Erkrankung gebe es laut dem SPD-Gesundheitsexperten noch nicht. Wichtig sei, dass die Patient:innen lernen, mit der Krankheit umzugehen und zu leben. Lauterbach prognostiziert gegenüber dem RND, dass Betroffene eventuell noch zehn bis 15 Jahre mit den Auswirkungen zu kämpfen haben könnten – an einer Behandlungsmethode werde derzeit aber gearbeitet.

Angesprochen auf die Anzahl der von CFS betroffenen Menschen in Deutschland zeichnet Karl Lauterbach eine düstere Prognose. Lag die Zahl der CFS-Kranken vor der Corona-Pandemie in Deutschland bei knapp 250.000 – könnte sich diese Zahl laut Lauterbach nun verdoppelt haben. Bisher sei allerdings nicht klar, wie viele Patienten wirklich Symptome von Long Covid entwickeln – Schätzungen erster Studien reichen von zwei bis 15 Prozent der Corona-Erkrankten. „Ganz wichtig ist, dass Ärzte die richtige Diagnose stellen und unterscheiden, ob jemand depressiv ist, vor dem Burn-out steht, altersmüde und von der Arbeit erschöpft ist – oder eben CFS hat. Spezialisten müssen hier individuelle Konzepte erarbeiten und ohne die richtige Diagnose kann es keine Heilung geben. Im Gegenteil, das Scheitern würde beschleunigt“, warnt der SPD-Politiker im Interview mit dem RND.

Hoffnung mache dagegen eine Behandlung der Erkrankten mit den Corona-Impfstoffen, da diese zu einer veränderten Immunantwort im Körper führe – aber auch das wisse man laut Karl Lauterbach noch nicht sicher. (Jan Lucas Frenger)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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