Spanische Reisegebiete

Corona in Spanien: Mallorca sicherer als Deutschland? Kritik an Reisewarnung auch in Deutschland

  • Delia Friess
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Das Auswärtige Amt erklärt in der Corona-Krise ganz Spanien zum Risikogebiet. Auch für Mallorca gilt die Reisewarnung. Dort fürchtet man jetzt den wirtschaftlichen Ruin. Aber auch deutsche Unternehmen leiden.

  • Coronavirus: Spaniens Tourismusbranche gerät weiter unter Druck.
  • Reisewarnung: Ganz Spanien außer Kanaren sind zum Risikogebiet erklärt worden - auch Mallorca betroffen.
  • Urlaub 2020: Auch deutsche Unternehmen rechnen mit wirtschaftlichen Folgen.

Update vom Montag, 17.08.2020, 16:41 Uhr: Das deutsche Tourismusunternehmen TUI hat die am Freitag (14.08.2020) Reisewarnung für die spanische Insel Mallorca kritisiert. „Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat“, sagte Marek Andryszak von der Geschäftsführung des TUI-Konzerns der „Bild am Sonntag“. . „Viele Gäste sagen uns, die fühlen sich auf Mallorca sicherer als zu Hause, aber wir haben jetzt zunächst einmal diese neue Einstufung.“, so Andryszak weiter. Eine regionale Reisewarnung, etwa für die Orte Palma oder Magaluf, wo erhöhte Fallzahlen festgestellt worden seien, wäre besser gewesen, sagte auch TUI-Manager Thomas Ellerbeck der Rheinischen Post am Montag (17.08.2020).

Urlaub 2020: Urlauber seien bisher verantwortungsvoll

Die meisten Urlauber seien sehr verantwortungsvoll und hielten sich an die Regeln, so Ellerbeck weiter. Die pauschale Warnung sei auch deshalb fragwürdig, weil große Teile der Insel von der Pandemie nur minimal betroffen seien. Es habe in keinem Hotel der TUI in Mallorca einen Vorfall gegeben, betonte der TUI-Manager. Der Konzern und auch der Deutsche Reiseverband (DRV) erklärten, sie hofften auf ein baldiges Ende der Reisewarnung.

Für Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten ist ein Corona-Test verpflichtend. Ein negatives Testergebnis führt in den meisten Bundesländern dazu, dass keine häusliche Quarantäne mehr erforderlich ist. In bestimmten Ländern ist dafür jedoch eine Wiederholungstestung nach einigen Tagen notwendig. CDU-Politiker Norbert Röttgen fordert unterdessen eine präventive Quarantäne für alle Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten.

Deutsche Reisewarnung für Spanien: TUI sagt Pauschalreisen ab

Auf die deutsche Reisewarnung für fast ganz Spanien hat auch die Börse reagiert, insbesondere sind die Aktien der Reise- und Tourismusanbieter betroffen. Am deutschen Markt traf es die Papiere der Lufthansa, die im Dax um 1,7 Prozent nachgaben. Nach der erneuten Reisewarnung am Freitag (14.08.2020), sagte der Reisekonzern TUI alle Pauschalreisen dorthin ab. Den Kund*innen werden Umbuchungen angeboten.

Auch deutsche Unternehmen leiden unter der Reisewarnung.

Corona in Spanien: So schwer trifft es TUI

Bei TUI seien die vergangenen Wochen enttäuschend verlaufen, so die Analysten. Dank der staatlichen Unterstützungen für das Unternehmen werde es TUI aber wohl über den Winter schaffen.
Die Lufthansa hingegen will trotz der Reisewarnung an ihren Planungen für das Land festhalten. „Lufthansa und Eurowings fliegen auch weiterhin nach Spanien - inklusive Mallorca. Pro Woche sind es allein 180 Flüge aus Deutschland nach Palma“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Erste Mallorca-Heimkehrer am Frankfurter Flughafen eingetroffen - jetzt wartet die Quarantäne

Update vom Sonntag, 16.08.2020, 12.35 Uhr: Am Samstag sind viele Mallorca-Urlauber auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. Seit der Reisewarnung von Freitag ist für alle Heimkehrer von der Balearen-Insel der Corona-Test Pflicht.

Im Testzentrum am Flughafen stehen hunderte Passagiere aus Risikogebieten für den kostenlosen Pflichttest an. Die Warteschlange zieht sich um die Ecke. Die Menschen stehen dicht an dicht. Den vorgegebenen Mindestabstand hält unter den Augen von Flughafenmitarbeitern, Polizei und Bundeswehr kaum jemand ein. Auf der gegenüberliegenden Seite können Reisende sich auf eigenen Kosten testen lassen. Kaum jemand wartet dort. Auf alle Heimkehrer wartet jedoch die bevorstehende Quarantäne von 14 Tagen. Auf der Website des Bundesgesundheitsministerium heißt es dazu: „Ein negatives Testergebnis führt in den meisten Ländern dazu, dass keine häusliche Quarantäne mehr erforderlich ist. In bestimmten Ländern ist dafür jedoch eine Wiederholungstestung nach einigen Tagen notwendig.“ In Hessen ist laut dem hessischen Ministerium für Soziales und Integration ein negativer PCR-Test als ärztliches Zeugnis ausreichend. Einreisende sind dann von den Quarantänebestimmungen befreit.

Lange Schlange am Frankfurter Flughafen für den kostenlosen Corona-Test.

Reisewarnung für Mallorca: Entscheidung ist „Todesstoß für den Tourismus“

Update vom Samstag, 15. August, 16:54 Uhr: Nachdem Deutschland wegen steigender Corona-Zahlen eine Reisewarnung für Spanien samt Mallorca verhängt hat, geht auf der Insel die Angst um. Denn besonders auf den Balearen ist die Wirtschaft vom Tourismus abhängig. Laut „Handelsblatt“ sorgt der Wirtschaftszweig für rund 35 Prozent der gesamten Einnahmen auf Mallorca. Man fürchtet deshalb bereits einen wirtschaftlichen Abstieg. Die Zeitung „Diario de Mallorca“ bezeichnete die Entscheidung als „Todesstoß für den Tourismus“.

Aktuell verbringen rund etwa 30.000 deutsche Touristen ihren Urlaub nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) auf den Balearen. DRV-Sprecher Torsten Schäfer schätzt, dass mehr als 90 Prozent von ihnen auf Mallorca weilen. Jeder Urlauber, der nach Deutschland zurückkehrt, muss sich auf Corona testen lassen oder ein negatives Testergebnis vorzeigen.

Jens Spahn (CDU) verteidigte die Reisewarnung der Bundesregierung.

Reisewarnung für Mallorca: Jens Spahn verteidigt Entscheidung

+++ 12.00 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte die Reisewarnung der Bundesregierung. „Das ist kein Reiseverbot, aber die klare Ansage: Wer aus dem Spanienurlaub kommt, muss in Quarantäne, solange er kein negatives Testergebnis hat“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. „Und wer trotz der Warnung nach Spanien fährt, sollte sich und andere auch im Urlaub schützen. Partyurlaub ist in dieser Pandemie unverantwortlich.“

Er wisse, was diese Entscheidung der Regierung für viele Urlauber, für Reisebüros oder auch für Spanien bedeutet, sagte Spahn weiter. „Aber leider steigen die Infektionszahlen dort stark, zu stark.“  

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Entscheidung des Auswärtigen Amts, für fast ganz Spanien eine Reisewarnung auszusprechen. „Mallorca ist inzwischen klar ein Risikogebiet“, sagte der Bundestagsabgeordnete der „Rheinischen Post“ (Samstag) und warnte: „Wir müssen leider mit vielen infizierten Rückkehrern rechnen.“ Tests nach der Rückkehr seien daher „unbedingt notwendig.

Reisewarnung für Mallorca: Rückkehrer müssen in Quarantäne

Update vom Samstag, 15.08.2020, 06.30 Uhr: Nach der Einstufung fast ganz Spaniens einschließlich Mallorcas als Risikogebiet wegen hoher Corona-Zahlen hat der Reisekonzern Tui ab Samstag alle Pauschalreisen dorthin abgesagt. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher am Freitagabend der dpa sagte. Die Inselgruppe weit draußen im Atlantik vor der Westküste Afrikas ist die einzige spanische Region, die nicht zum Risikogebiet erklärt wurde. Reisende, die bereits in den betroffenen Feriengebieten seien, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

Für Spanien und vor allem für Mallorca ist das ein weiterer schwerer Schlag. Allerdings war die Saison auch bisher schon katastrophal für die Tourismusbranche, die in normalen Zeiten mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und etwa 2,5 Millionen Menschen Arbeit bietet.

Reiseveranstalter TUI sagt alle Pauschalreisen nach Mallorca ab.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Eine Reisewarnung geht weiter. Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Spanien zum Risikogebiet erklärt

+++ 17.00 Uhr: Das Urlaubsland Spanien wird - mit Ausnahme der Kanarischen Inseln - wegen dem starken Anstieg der Infektionszahlen wohl von deutschen Behörden zum Risikogebiet erklärt werden. Das berichteten übereinstimmend die Nachrichtenagentur "Reuters" und die „Bild“-Zeitung. Die Entscheidung hätten die beteiligten Bundesministerien getroffen, wird mit Bezug auf Regierungskreise vermeldet.

Update vom Freitag, 14.08.2020, 14.45 Uhr: Das Auswärtige Amt prüft wegen des Anstiegs der Corona-Neuinfektionen auch eine Reisewarnung für die Balearen mit der größten Insel Mallorca. Darüber gebe es derzeit regierungsinterne Beratungen, hieß es am Freitag (14.08.2020) in Berlin. Eine Reisewarnung wurde bereits für mehrere spanische Regionen ausgesprochen, darunter auch Katalonien. Mallorca und die benachbarten Balearischen Inseln sind bislang jedoch nicht von einer Reisewarnung betroffen.

Corona in Spanien: Neuinfektionen steigen an - Kommt die Reisewarnung für Mallorca und Balearen?

„Wir beobachten die gestiegenen Fallzahlen in Spanien sehr genau“, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amts Maria Adebahr. Dies gelte auch für die Balearen, wo es ebenfalls einen Anstieg der Infektionszahlen gebe. „Daher kann es sein, dass die Bundesregierung eine Reisewarnung ausspricht, sagte die Sprecherin weiter. Bislang gebe es dazu aber noch keine Entscheidung.

Corona in Spanien: Ein Feldlazarett steht auf dem Parkplatz eines Krankenhauses in Saragossa.

Corona in Spanien: Wird Mallorca zum Risikogebiet erklärt?

Die Entscheidung über Reisewarnungen erfolge anhand verschiedener Kriterien, so das Auswärtige Amt. Dazu gehöre insbesondere die Einstufung als Risikogebiet durch das RKI. Bisher stufte das RKI in Spanien Katalonien, Aragón, das Baskenland, Navarra und die Hauptstadt Madrid als Risikogebiet ein. Für diese Regionen besteht auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.

Corona in Spanien: Auf Mallorca geht die Angst um

Erstmeldung vom Mittwoch, 12.08.2020: Madrid - Das Auswärtige Amt warnt wegen der Corona-Pandemie nun auch vor Reisen in Spaniens Hauptstadt Madrid und ins spanische Baskenland. Begründet wurde die Entscheidung am Dienstagabend (11.08.2020) in Berlin mit „erneut hohen Infektionszahlen“. Bereits seit Ende Juli gilt eine Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava.

Angesichts steigender Corona-Zahlen geht auch auf Mallorca und den anderen Balearischen Inseln die Angst um, zu einem Corona-Risikogebiet erklärt zu werden. Wenn die Infektionszahlen auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Inselgruppe weiter so steigen wie bisher, könne dies bald der Fall sein, schrieb die deutschsprachige „Mallorca Zeitung“ am Mittwoch (12.08.2020). Reisende aus Risikogebieten müssen sich bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Corona-Virus testen lassen.

Auf Mallorca geht die Angst um, zum Risikogebiet erklärt zu werden.

Corona auf Mallorca - Schwerer Schlag für Tourismusbranche

Für die Inseln, auf denen viele Menschen vom Tourismus leben, wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Ende Juli hatte schon die Quarantänepflicht in Großbritannien für Rückkehrer*innen aus Spanien zu einem Einbruch bei den Buchungen geführt.
Die deutsche Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen gilt seit Ende Juli. Eine Reisewarnung wird in der Regel ausgesprochen, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt.

Corona in Spanien: Mallorca ist kein Risikogebiet

Diesem Wert nähern sich die Balearen jedoch langsam an. Zu einem Risikogebiet sind die Inseln und die Kanaren sowie der Süden Spaniens aber bisher nicht durch das Auswärtige Amt erklärt worden. Nach offiziellen Angaben sind auf den Balearen mehr als 1000 aktive Corona-Fälle registriert. Binnen 24 Stunden seien am Dienstag (11.08.2020) 228 Neuinfektionen festgestellt worden. Erstmals kletterte der Wert am Dienstag auf leicht über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner.
Die Regionalregierung betont, dass weit mehr als früher getestet werde. Außerdem seien die meisten Fälle asymptomatisch, wie auch die „Mallorca Zeitung“ schrieb. Zudem würden Infektionsketten schnell unterbrochen. (Von Delia Friess mit Material von Agenturen) Sommerurlaub und Corona: Frankreich droht zweite Welle - Behörden widersprechen

In vielen Ländern, darunter Spanien, steigt nach umfänglichen Lockerungen die Zahl der Corona-Infektionen wieder sprunghaft an. Woran liegt das und wie besorgniserregend ist die Situation? Die Lage in Europa im Corona-Ticker.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst / dpa

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