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Die „Querdenker“ verabreden sich zur spontanen Großdemonstration in Schwerin. (Archivbild)

Demonstrationen gegen Corona

Corona: „Wanderzirkus von Querdenken“ stößt selbst bei Attila Hildmann auf Kritik

  • vonMirko Schmid
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Die geplante Großdemonstration der selbsternannten „Querdenker“ in Schwerin wurde verboten. Die Stadt untersagt den Aufmarsch der Verschwörungsgläubigen aus formalen Gründen.

  • In Leipzig war es am letzten Samstag zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen, als sich Leugner:innen der Coronapandemie versammelten.
  • Jetzt wollen sich die Verschwörungsgläubigen wieder versammeln - unangemeldet und spontan.
  • Die Gegner der Maskenpflicht wollen sich in Schwerin, der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, treffen.

Update von Dienstag, 10.11.2020: Die geplante Demonstration der Coronaleugner:innen in Schwerin wurde aus formalen Gründen untersagt. Die Anmelder der Demonstration kommen nicht aus Mecklenburg-Vorpommern und waren nach den geltenden Corona-Bestimmungen illegal nach Schwerin gereist. Sie wurden umgehend aufgefordert, das Bundesland zu verlassen. Ohne die Anmelder aber sei ein ordnungsgemäßer Ablauf der Demonstration nicht zu gewährleisten.

Einer der Anführer:innen der „Querdenker“, der Arzt Bodo Schiffmann, spricht davon, dass „wir offiziell nicht mehr in einem Rechtsstaat“ leben würden, sie hätten einen Anwalt dabei. Es sei Zeit, dass „ihr alle auf die Straße geht, zeigt, wer der Souverän ist und uns unser Land zurückholen“. Andere „Querdenker“ rufen dazu auf, trotzdem nach Schwerin zu fahren.

Schiffmann und vier weitere Personen waren zwischenzeitlich in Neustrelitz in Polizeigewahrsam, weil sie gegen die Auflage des Landes Mecklenburg-Vorpommern verstoßen hatten, wonach Tagestouristen während dieser Phase der Corona-Pandemie nicht in das Bundesland einreisen dürfen. Das Verwaltungsgericht Greifswald hat entschieden, dass die Ausweisung der Anmelder Schiffmann und Ralf Ludwig rechtens war, weswegen die Polizei beide Männer und ihre drei Begleiter:innen bis zur Landesgrenze fuhr. Dies sei ruhig verlaufen, heißt es Kreisen der Polizei. Da in den Telegram-Gruppen verschiedener Verschwörungsgläubigen weiterhin dazu aufgerufen wird, nach Schwerin zu fahren, könnte es im Verlaufe des Abends zu unschönen Szenen kommen.

Erstmeldung von Dienstag, 10.11.2020: Frankfurt - In mehreren Telegram-Gruppen zum teils rechtsextremistischer Leugner:innen der Coronapandemie wird dazu aufgerufen, am Dienstagabend (10.11.2020) zu einer spontanen „Großdemonstration“ zu kommen. Zuvor soll es eine sogenannte Sternfahrt geben, zu der sich die Kritiker der Hygienemaßnahmen und Maskenpflicht verabreden.

Xavier Naidoo teilt den Aufruf zur spontanen „Großdemonstration“.

Der Aufruf zur Demonstration wird in vielen der größten Telegram-Gruppen geteilt, in denen sich Verschwörungsgläubige, Maskengegner:innen, Kritiker:innen von Kanzlerin Angela Merkel und den Corona-Regelungen versammeln. Verschiedene führende Aktivist:innen teilen den Aufruf zur Sternfahrt und anschließender Demonstration, darunter Xavier Naidoo und der rechtsextreme Videoblogger Heiko Schrang. Die Veranstaltung trägt den in diesem Zusammenhang zynischen Namen „Antifaschistische Sternfahrt“. Grund dafür ist der völlig erfundene und immer wieder hervorgebrachte Vorwurf der Verschwörungsgläubigen, in Deutschland herrschte Kanzlerin Angela Merkel in einem „faschistischen System.“

Eine Reaktion der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern ist bisher nicht bekannt. Die Stadt Schwerin erwägt, ein Verbot der Versammlung zu verfügen. Es kann jedoch nach den gewalttätigen Ausschreitungen am Rande der letzten Großdemonstration der Verschwörungsgläubigen gegen den Umgang der Regierungen mit Corona in Leipzig am vergangenen Samstag (7.11.2020) vermutet werden, dass es erneut zu Ausschreitungen kommt. In Sachsen hatte die Polizei kapituliert und die rechtsextremen Randalierer:innen am Abend nahezu narrenfrei durch Leipzig ziehen lassen.

In der Telegram-Gruppe vom Attila Hildmann werden die „Querdenker“ als zu brav verspottet

In der Telegram-Gruppe von Attila Hildmann hingegen gibt es Kritik an den „Querdenkern“. Den Anfang macht eine Sprachnachricht einer nicht namentlich genannten Frau, die sich über die „Querdenker“ lustig macht, weil im Rahmen derer Demonstrationen seitens der Veranstalter daran erinnert wird, das während der Coronapandemie die Maskenpflicht und Abstandsregeln verpflichtend seien. „Es ist so beschämend“, beklagt sie sich und fordert „Attila“, weil dieser „wahrscheinlich“ der Einzige sei, „der mal die Fresse aufmacht“.

Hildmann nimmt ihre Vorlage auf und zieht über den „Wanderzirkus von Querdenken“ her, er könne ihn nicht mehr unterstützen. Das gilt demnach wohl auch für die Demonstration von „Querdenken 69“, die für Samstag in Frankfurt am Main angemeldet ist. „Man hat das deutsche Volk genug gedemütigt nach 1945“ schreibt Attila Hildmann.

Attila Hildmann feiert Gewalt von Rechtsextremen und Neonazis gegenüber der Polizei

„Statt da Gruppenmeditation zu machen und das Volk zum ‚Helikopter‘ und Sklavenwindel zu ermahnen“ fordert Attila Hildmann, „den echten Feind“ zu benennen, benennt diesen ominösen Feind selbst jedoch nicht. Hildmann lässt sich nicht davon abbringen, die Maske weiter zu verteufeln, obwohl er sie selbst inzwischen ab und an trägt. Neben Videos von gewalttätigen Ausschreitungen der letzten Großdemo der Coronaleugner:innen in Leipzig, wo Rechtsextremisten und Neonazis auf die Polizei losgegangen waren, schreibt der Kochbuchautor: „DANKE LEIPZIG! Bester Widerstand bisher“. Den Aufruf zur Großdemonstration in Schwerin teilte er bisher nicht. (Mirko Schmid)

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