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Schule geschlossen: Im Landkreis Dorchester County bleiben die Schulhöfe ab dem Labour Day für eine Woche leer. (Symbolbild)
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Schule geschlossen: Im Landkreis Dorchester County bleiben die Schulhöfe ab dem Labour Day für eine Woche leer. (Symbolbild)

USA

Corona: Schulrätin will „Gott entscheiden lassen“, ob Schulkinder sterben

  • VonMirko Schmid
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In South Carolina kam es während einer Sitzung eines örtlichen Schulausschusses zum Eklat. Eine Rätin verließ das Treffen unter Protest und überraschte mit einer besonderen Erklärung.

Summerville, South Carolina – Das Dorchester County in South Carolina ist kein Ort, der es häufig in die bundesweiten Nachrichten der USA schafft. Rund eine Autostunde entfernt von Folly Beach an der Ostküste, geht es hier eher betulich zu. Auf der Website eines örtlichen Immobilienunternehmens wird der Landkreis mit einem hohen Lebensstandard, schönen Landschaften, bezahlbarem Wohnraum und einem „ruhigen Leben“ beworben.

Außerdem, so heißt es dort weiter, würde jeder, der in der schönen Stadt Summerville gelebt habe, sagen, dass die Menschen dort den wahren Charme der Stadt ausmachten. Freundlich und einladend seien die Einheimischen dieses „Ortes zum Verlieben“. Die Schlagzeilen, die der Landkreis aktuell macht, klingen dagegen ein wenig anders. Das liegt vor allem an Barbara Crosby.

Crosby galt bisher nicht unbedingt als Rebellin. Zwar machte sie aus ihrer Begeisterung für den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nie einen Hehl, fiel aber weiter nicht großartig durch Eskapaden auf. Im Gegenteil: Seit inzwischen neun Jahren ist sie Mitglied des Schulausschusses des zweiten Dorchester School Districts, wurde 2016 mit rund 24 Prozent in ihrem Amt bestätigt. 22.760 Menschen sprachen ihr mit ihrer Stimme das Vertrauen für eine weitere Amtszeit aus, weswegen sie auch aktuell den Schulalltag der Kinder und Jugendlichen vor Ort mitbestimmt.

Barbara Crosby ist ein Fan von Donald Trump und eine Gegnerin von Corona-Maßnahmen

Doch seit einiger Zeit ist Barbara Crosby unzufrieden mit der Schulpolitik ihres Landkreises. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite veröffentlichte sie schon im September 2020 einen Beitrag. Erfreut nahm sie darin zur Kenntnis, dass „742 Eltern“ eine Petition unterschrieben hatten, mit der sie die Rückkehr zum Präsenzunterricht forderten. Der Höhepunkt von Neuinfektionen mit dem Coronavirus war in diesen Tagen überwunden. Während noch alleine am 19. Juli 2020 151 neue Fälle gemeldet wurden, sank die Zahl von Neuansteckungen zum 25. September 2020, dem Tag ihres Facebook-Posts, auf nur noch 23 Fälle.

Und tatsächlich kehrte der Landkreis Dorchester County zum Präsenzunterricht zurück, für den sich im Schulausschuss einzusetzen Crosby versprochen hatte. Ihr Hashtag: „#childrenfirst“. Doch anschließend stiegen die Zahlen wieder. Im Januar erreichten die Neuinfektionen an vielen Tagen ein dreistelliges Niveau, bevor verschiedene Maßnahmen dazu beitrugen, sie zum Juni 2021 wieder auf ein einstelliges Niveau zu drücken. Unter diesen Maßnahmen war auch der Heimunterricht, in den die Kinder und Jugendlichen geschickt wurden.

LandkreisDorchester County
KreisstadtSt. George
BundesstaatSouth Carolina
Bevölkerung162.809 (Stand 2019)
Fläche1.492 km²

Wenn es nach Barbara Crosby geht, soll damit nun endgültig Schluss ein. Lernende gehören nun einmal in die Schule, so ihr Credo. Alles andere mache Kinder „krank“. Obwohl die Inzidenzen seit Juli rasant anstiegen und im August an manchen Tagen mehr als 500 Menschen im Landkreis an Corona erkrankten, sieht Crosby keinen Grund, die Schulen nicht wieder zu öffnen. Also machte sie sich auf den Weg in die Sitzung des Schulausschusses, wo sie ihre Meinung kund tun wollte.

Schulausschuss nimmt Abstimmung über Präsenzunterricht nicht auf die Tagesordnung

Doch an diesem ersten Tag im September, so sah es das Protokoll vor, war gar keine Aussprache vorgesehen. Das Gremium hatte sich darauf verständigt, die Tagesordnung schnell hinter sich zu bringen und es bei einer einfachen Abstimmung zu belassen. Damit setzten sich die Mitglieder über die Kritik einiger Eltern hinweg. Rund ein Dutzend Unzufriedener strömte in die Versammlung des Gremiums, um ihrem Ärger Luft zu machen. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings bereits 20 Prozent der Schülerschaft als entweder selbst mit Corona infiziert oder zumindest in engem Kontakt zu Infizierten stehend gemeldet worden.

Also beschloss der Ausschuss, darüber abzustimmen, die Schulen im Landkreis im Anschluss an den Labour Day, der in den USA am 6. September gefeiert wird, für sieben Tage zu schließen, um die Inzidenz zu drücken. Eine Aussprache war, ganz zum Unmut der anwesenden Eltern, die ein öffentliches Statement einforderten, nicht vorgesehen. Dieser Umstand rief Barbara Crosby, selbst Vorstandsmitglied des Ausschusses, auf den Plan. Wütend verließ sie die Sitzung und wandte sich anschließend an die Presse. Das Gremium hätte sich dafür entscheiden sollen, die Schulen geöffnet zu lassen. Doch, so Crosby, das sei „denen egal“ gewesen. Sie haben „einfach nicht zuhören“ wollen.

Anders als die Fans von Donald Trump, zu denen sie am 2. November 2020, nur einen Tag vor der Präsidentschaftswahl, sprechen durfte und unter frenetischem Applaus forderte, dass es mit Beschränkungen im Klassenzimmer ein Ende haben müsse. Und nun wollten die übrigen Mitglieder nicht einmal auf ihren Antrag hin einen Tagesordnungspunkt aufnehmen, über den Präsenzunterricht abzustimmen.

Trump-Fan Crosby: „Gott entscheidet, ob Kinder sterben oder nicht“

Zuhören wollte ihr dafür der örtliche Fernsehsender WCSC-TV. Im Programm des Moderators Rahael James durfte Crosby ihren Standpunkt erläutern und bekräftigte ihre Sorge, wonach sie befürchte, dass durch die siebentägige Schulschließung nun Kinder und Jugendliche „todkrank“ werden könnten. „Ich hoffe, dass wir niemanden von ihnen verlieren“, sagte sie noch. Doch dann schien sie es sich noch einmal anders überlegt zu haben und ergänzte: „Aber wissen Sie was? Das ist nicht meine Sache. Darüber entscheidet Gott.“

James, offensichtlich überrascht über den Nachsatz, bat Crosby, das noch einmal genauer zu erklären. Nein, antwortete Crosby, sie habe gar keine Sorge äußern wollen. Sie habe nur sagen wollen, dass es nicht ihre Entscheidung sei, ob Kinder nun überlebten oder stürben. Denn: „Ich meine, am Ende ist es Gottes Entscheidung, wer überlebt und wer nicht. Oder?“ (Mirko Schmid)

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