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Lockdown-Verlängerung

Öffnung von Schulen: Experten warnen ‒ „Nur zu öffnen, führt uns in den neuen Lockdown“

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Statt die Schulen wieder schnell ganz zu öffnen, schlagen Experten andere Strategien vor: Klassen halbieren, Pool-Tests durchführen und Quarantäne bei Corona-Fällen.

  • Es wird auf die baldige Öffnung von Schulen und Kitas gedrängt, doch Experten halten das für unklug.
  • Laut Virologe Christian Drosten* vermitteln Schulen Infektionsgeschehen.
  • Ein anderer Forscher schlägt Pool-Testungen als Strategie vor, weil sie schneller Ergebnisse liefern.

Berlin/Düsseldorf – Die Zeichen in Deutschland stehen auf Lockdown-Verlängerung. Da die derzeitigen Corona*-Maßnahmen am 14.02.2021 auslaufen, beraten ab Mittwochmittag Bund und Länder, über das weitere Vorgehen. Und nach derzeitigem Stand – die Beschlussvorlage lag mehreren Medien schon vor dem Start des Corona-Gipfels um 14.00 Uhr vor – soll der harte Lockdown bis zum 14.03.2021 verlängert werden.

Oberste Priorität haben für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Öffnungen die Schulen und Kitas, wie sie mehrfach verdeutlichte. Dennoch sieht die Beschlussvorlage für den Corona-Gipfel keine bundesweit einheitliche Regelung für deren Öffnung vor: Die Länder sollen selbst entscheiden, wann Schulen und Kitas unter welchen Auflagen öffnen dürfen. „Die Länder entscheiden im Rahmen ihrer Kultushoheit über die schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht und die Ausweitung des Angebots der Kindertagesbetreuung“, heißt es im Papier.

Corona-Gipfel: Schulen und Kitas im Fokus – Baldige Öffnung und Schnelltests gefordert

Kommunen fordern eine baldige Öffnung von Kitas und Schulen. „Die Nerven der Eltern liegen blank. Da muss etwas geschehen“, mahnte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, im „SWR“. „Wir brauchen einen konkreten Plan, was wann wie gelockert wird, und das möglichst bundeseinheitlich.“ Dabei müssten Kitas und Schulen „ganz vorne“ stehen, insbesondere die Grundschulen. Dies bedeute allerdings nicht, dass alle direkt wieder normal zur Schule gehen sollten. „Man kann das ja geschickt machen. Man kann die Klassen kleiner machen. Man kann das aufteilen zwischen Präsenz- und Online-Unterricht“, sagte der Verbandsvertreter.

Der Lockdown in Deutschland wird wahrscheinlich verlängert. Doch wie geht es an Schulen weiter? (Symbolfoto)

Zudem müsse es viel mehr Schnelltests geben, nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte, forderte Landsberg weiter. Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey forderte Vorbereitungen für einen massiven Einsatz dieser Schnelltests in Schulen. Sie sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass diese schon seit dem 02.02.2021 zur Anwendung auch durch nicht medizinisches Personal mit Schulungsvideo zugelassen seien. „Mein Appell an die Länder ist: Der breite Einsatz dieser Schnelltests muss jetzt vorbereitet werden, damit sie sofort genutzt werden können, wenn sie zugelassen und verfügbar sind.“

Corona-Pool-Tests an Schulen könnten Infektionen schneller sichtbar machen

Ein anderes Vorgehen als mit Schnelltests schlägt der Regensburger Universitätsprofessor und Kindermediziner Michael Kabesch vor. Er hat im Herbst eine Studie mit sogenannten Corona-Pool-Tests durchgeführt. Dafür gurgeln Kinder mit einer Flüssigkeit, statt einen Abstrich zu machen und es werden bis zu 30 Proben gleichzeitig getestet. Das spart Zeit. Ein schnelles Tempo bei solchen Testungen sei entscheidend, da man die asymptomatischen Schüler finden wolle, die Infektionen in die Schulen tragen, weil sie ja schon ansteckend seien. „Mit unserem Modell wollen wir den Infizierten früh genug erkennen, bevor er weitere Schüler ansteckt, es also zur Kettenreaktion kommt. Dafür braucht es rasche Ergebnisse. Es nützt nichts, wenn man drei, vier Tage später weiß, dass ein Infizierter schon so lange in der Schule ist“, sagte Kabesch der „Katholischen Nachrichten-Agentur“.

Kabesch plädiert zwar für die Öffnung von Schulen – „Kinder brauchen wieder den Präsenzunterricht“ – aber das sei nur möglich, wenn Schulen eine sichere Umgebung sind. „Da reichen Hygienemaßnahmen angesichts der Mutanten nicht aus. Es braucht engmaschige Testungen. Sonst geraten wir in den nächsten Lockdown.“ Ein Monitoring wie in seinem Pool-Projekt sei möglich, wenn der politische Wille da sei. Laut Kabesch hätten engmaschige Testungen einen starken, schnellen Effekt: „Wenn etwa die Hälfte der Menschen zwei Mal in der Woche getestet wird und man so rechtzeitig Infizierte erkennt, wird es innerhalb von vier bis fünf Wochen dazu kommen, dass hohe Inzidenzen merklich sinken oder niedrige auch niedrig bleiben. Das hätte also Potenzial. Nur zu öffnen, führt uns in den neuen Lockdown.“

Covid-19: Virologe Drosten warnt vor zu schneller Öffnung von Schulen

Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ vor einer frühzeitigen Öffnung der Schulen: Schulen vermittelten Infektionsgeschehen, das könne man in den Zahlen um den Jahreswechsel herum klar sehen. Er sehe allerdings eine Möglichkeit darin, bei der Infektion eines Kindes jeweils die ganze Klasse für fünf Tage in Quarantäne zu schicken und diese dann freizutesten. Wer Corona-positiv sei, müsse weiter zu Hause bleiben. Die anderen Kinder könnten aber zurück in die Schule. Dieses Vorgehen nennt sich in der Virologie Quellcluster ermitteln: Die Quellen der Infektionen finden und dort die weitere Ausbreitung stoppen. (ial/dpa/AFP/KNA) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Georgios Kefalas/dpa

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