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Wird unsere Schule schon bald wieder geschlossen? Das fragen sich derzeit viele Kinder.
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Wird unsere Schule schon bald wieder geschlossen? Das fragen sich derzeit viele Kinder.

Interview

„Tests müssen verbindlich sein“ - Lehrerverband bemängelt Kapazitäten im Kampf gegen Corona

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, über eine Corona-Strategie für Schulen, Impfungen für Lehrkräfte und den Nachholbedarf bei Schüler:innen.

Herr Meidinger, die Politik dringt nach Möglichkeit auf Präsenzunterricht. Allerdings rollt die dritte Infektionswelle heran. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist bundesweit auf mehr als 100 gestiegen. Was tun?

Auch die Lehrkräfte wollen zurück zum Präsenzunterricht. Es stimmt nicht, dass sie nur an ihre eigene Gesundheit denken. In der Hälfte der deutschen Landkreise müsste allerdings aktuell ab der Inzidenz von 100 zum Distanzunterricht gewechselt werden. Nur wenn vor Ort die Lehrkräfte weitgehend geimpft sind und es für Kinder und Jugendliche eine funktionierende und umfassende, verpflichtende Teststrategie gibt, kann man es aus unserer Sicht riskieren, Schulen länger offen zu lassen – soweit Schulträger und Gesundheitsämter vor Ort das für verantwortbar halten. Allerdings sind mir in Deutschland bisher kaum Schulen bekannt, an denen die Impf- und Testquote dies zulassen würde.

Wie viele Lehrkräfte sind geimpft?

Von den mehr als 800 000 Lehrkräften ist noch nicht einmal jeder Zehnte geimpft. Während des Astrazeneca-Impfstopps sind massenweise Termine für Lehrkräfte geplatzt. Dass Lehrkräfte von weiterführenden Schulen geimpft werden, ist gegenwärtig nach wie vor die absolute Ausnahme. Der Lehrerverband fordert dagegen, alle Lehrkräfte zu impfen, die in Präsenz unterrichten. Dazu zählen auch alle, die Abschlussklassen unterrichten.

Corona und Schule: Distanzunterricht, Impfungen und die Frage der Testkapazitäten

Wie kann die Teststrategie an den Schulen verbessert werden?

Zunächst haben wir immer noch viel zu wenig Testkapazitäten. Bei freiwilligen Tests zu Hause fehlt außerdem die Kontrolle, ob sie tatsächlich gemacht werden. Daher müssen die Tests verbindlich sein und von geschultem Personal mindestens zweimal in der Woche oder am besten täglich durchgeführt werden. Gurgeltests könnten auch Lehrkräfte beaufsichtigen.

Heinz-Peter Meidinger.

Zur Person

Heinz-Peter Meidinger, 1954 geboren, ist seit knapp vier Jahren Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Im Januar ist von ihm „Die 10 Todsünden der Schulpolitik: Eine Streitschrift“ erschienen. Zudem war Meidinger mehrere Jahre Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Er unterrichtete an verschiedenen Gymnasien, war Seminarleiter in der Lehrkräfteausbildung und eine Zeit lang Schulleiter im niederbayerischen Deggendorf. Er studierte Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Philosophie in Regensburg. Meidinger ist verheiratet und hat eine Tochter. isk

Schule und Corona: Lerndefizite, Distanzunterricht und Förderbedarf

Welche Folgen hat es für Schülerinnen und Schüler, wenn erneut flächendeckend Homeschooling angeordnet wird?

Das Schuljahr lief bis Dezember weitgehend im Präsenzbetrieb. Seit Januar war wieder Distanzunterricht angesagt. Rechnet man den ersten und zweiten Lockdown zusammen, sind etwa 500 bis 600 Unterrichtsstunden nicht in Präsenz gehalten worden; umgerechnet entspricht das einem halben Schuljahr. Doch selbst Kinder, die im Distanzunterricht gut mitkommen, haben Lerndefizite. Und es gibt aber eine Gruppe, die wir im Distanzunterricht gar nicht erreichen. Nach Schätzungen des Lehrerverbands muss bei etwa jedem Fünften der Distanzunterricht als weitgehender Ausfall bewertet werden. Es liegt an Sprachproblemen, zusätzlichem Förderbedarf, Inklusions- und Migrationsgeschichte oder Schwierigkeiten in der Pubertät, warum diese Gruppe nicht am Distanzunterricht teilnimmt. Für Lehrkräfte ist es während der Pandemie sehr schwierig, mit den Betroffenen und ihren Eltern in Kontakt zu kommen, insbesondere an Brennpunktschulen.

Es besteht also ein immenser Nachholbedarf, um die Lücken beim Lernstoff zu schließen?

Auch abhängig davon, ob wir den Wettlauf zwischen Impfungen und den Neuinfektionen gewinnen, wird uns das danach erforderliche Lernförderprogramm und die damit verbundene Aufholjagd sicherlich noch die nächsten zwei Schuljahre begleiten. Unser Verbandskonzept unterscheidet zwischen der Gruppe mit nicht so großen Lücken und der Gruppe, die am besten ein Zusatzjahr bräuchte, um überhaupt wieder Anschluss zu finden.

Sind nun mehr Lehrkräfte nötig?

Kurzfristig entsteht durch Klassenwiederholungen nur ein begrenzter Mehrbedarf, der sich zudem auf die nächsten zehn Jahre verteilt. Sofort mehr Personalressourcen brauchen wir für die begleitende Förderung – etwa durch mehr Nachmittagsunterricht – aller anderen Schülerinnen und Schüler. Da ist zu prüfen, in welchem Umfang Lehramtsstudierende und pensionierte Lehrkräfte dafür gewonnen werden könnten. (Franziska Schubert)

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