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Zweite Welle

Corona in Russland: Zweite Welle trifft Moskau

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
    schließen

In Russland pflegt man nach wie vor einen lockeren Umgang mit der Corona-Krise. Die Regierung um Wladimir Putin scheint das Virus noch immer nicht ernst zu nehmen.

  • Auch vor Russland macht die zweite Corona-Welle nicht halt.
  • Die Behörden reagieren auf die Pandemie eher lässig.
  • Die Bevölkerung reagiert auf die Verlautbarungen der Regierung mit Skepsis.

Moskau - Der Kraftprotz am Eingang trägt Schwarz und ärgert sich offenbar, dass er keine Gesichtskontrolle durchführen kann. „Bei uns herrscht Maskenpflicht“, murrt er und fixiert das blaue Textil vor meinem Gesicht, als trüge ich dort eine Clownsnase.

Die paar Pärchen, die sich im Saal des Art-Cafés „Rukaw“ an der Taganka verlieren, haben ihre Masken längst abgelegt. Für sie ist der Mund-Nase-Schutz Formsache wie für die meisten Moskauerinnen und Moskauer. Obwohl das Coronavirus jetzt viel heftiger zuschlägt als im Frühjahr.

Passanten in Moskau: Die Maske schützt das Kinn.

Corona-Neuinfektionen in Russland: Täglich sterben etwa 400 Menschen

Die Zahl der Neuinfektionen in Russland lag am Montag bei über 25 000, täglich sterben etwa 400 Menschen – nach amtlichen Angaben. Moskauer Bekannte, Publizist:innen, Politologinnen und Politologen und eine Sprachwissenschaftlerin sind mit entzündeten Lungen im Krankenhaus gelandet, eine infizierte Rentnerin erzählte mir schon vor Wochen, die Intensivstation sei überfüllt. Im Netz kursieren Videos von sibirischen Klinikkellern, wo sich in Plastiksäcke verpackte Leichen stapeln sollen. Trotzdem glaubt Moskau Covid-19 nicht recht. Die Behörden reagieren auf die zweite Welle eher lässig, haben Schülerinnen und Schüler ab der sechsten Klasse in den Fernunterricht geschickt, den Unternehmen Heimarbeit empfohlen und QR-Codes für Nachtclubgäste eingeführt. Kneipen, Kaufhäuser und Friseursalons aber sind weiter voller Menschen.

Corona in Moskau: Demonstrationen? Fehlanzeige

Ohne Quarantäne erscheint auch das Coronavirus unwirklich. Niemand in Moskau demonstriert. Wogegen auch? Nur im 4500 Kilometer entfernten Burjatien, wo die Behörden den bisher einzigen regionalen Lockdown ausgerufen haben, sind Kleinunternehmer:innen auf die Straße gegangen. Aber sie beschweren sich vor allem darüber, dass in den Einkaufszentren ihre Läden dichtgemacht wurden, die Geschäfte der großen russischen Ketten aber nicht.

Im „Rukaw“ trinke ich Bier mit meiner Freundin Lena, einer Ärztin. Sie redet über die neuen vaterländischen und westlichen Impfstoffe; noch sei unklar, was sie wirklich taugten. Schon seit Monaten kündigen Russlands Offizielle den baldigen Beginn der Massenimpfungen an, preisen das noch nicht zu Ende getestete Vakzin „Sputnik V“ als hocheffektiv und preiswert. Lena aber kritisiert, dass wissenschaftliche Detailinformationen bisher fehlen.

Pandemie in Russland: Denen da oben glaubt man nicht

Für die Durchschnittsmoskauer:innen ist der Impfstoff kein Thema; sie sind es längst gewohnt, dass Russlands IT-Innovationen, Hyperschallraketen oder Sinfonieorchester die besten der Welt sind – laut der Obrigkeit. Und der Obrigkeit glaubt man nicht; nach einer Umfrage des Lewada-Zentrums sind nur 36 Prozent der Russinnen und Russen bereit, sich „Sputnik V“ injizieren zu lassen. Die Menschen in Moskau trauen dem Impfstoff nicht, aber auch nicht dem Virus.

In der Metro sitzen die meisten von ihnen jetzt mit Masken, aber sehr viele haben sie nur übers Kinn gestülpt. Stiller Protest? „Typisch Russland“, sagt Lena, die Ärztin. „Die Leute zeigen: Wir befolgen die Anweisungen, halten sie aber eigentlich für sinnlos.“ (Von Stefan Scholl)

Rubriklistenbild: © Evgeny Sinitsyn/dpa

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