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Schutzmasken sind auch bei den Einwohnern der pakistanischen Stadt Lahore begehrt.

Deutsches Rückholprogramm

In Pakistan gestrandet: Viele Deutsche kommen noch immer nicht nach Hause

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Mindestens 100 Deutsche sitzen wegen der Corona-Pandemie in Pakistan fest. Die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes berücksichtigt noch längst nicht alle Staaten.

  • Knapp 100 Menschen wollen aus verschiedenen Gegenden Pakistans nach Deutschland zurückkehren 
  • Die Rückholaktion des Auswärtigen Amts für im Ausland gestrandete Deutsche berücksichtigt Pakistan bisher nicht 
  • Diplomat verweist auf individuelle Lösungen

Eigentlich wollte Bahar Sheikh in Pakistan nur ein bisschen Urlaub machen. „Ich hatte vor, fünf Wochen meine Familie zu besuchen“, sagt die 28-jährige Journalistin, die Anfang März mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in das südasiatische Land geflogen ist. „Das war der Plan.“

Doch die Corona-Pandemie, die auch in Pakistan das Leben lahmlegt, hat Sheikh einen Strich durch die Rechnung gemacht: Seit Anfang der Woche sitzt sie im Haus einer Cousine in der Millionenmetropole Lahore fest. Fast alle Flughäfen in Pakistan sind wegen des Coronavirus geschlossen, internationale Flüge bis Anfang April gestrichen. Es ist völlig unklar, wann Sheikh, die in Frankfurt aufgewachsen ist und in Berlin lebt, nach Hause zurückkehren kann. 

Corona in Pakistan: Deutsche Botschaft kaum zu erreichen

Die Lage sei sehr belastend, sagt Sheikh. Aktuell gälten in Lahore Ausgangsbeschränkungen, teils sei Militär auf den Straßen. Supermärkte und Apotheken hätten aber weiterhin geöffnet. „Real ist es schon so, dass man vor die Haustür kann“, sagt Sheikh. Viel schwerwiegender sei die Ungewissheit, „weil ich halt nicht weiß, wann ich zurückkomme“. Es gebe ständig wechselnde Informationen von den Reisebüros, ihr Rückflug, den sie gegen Aufpreis vorverlegt habe, sei abgesagt worden. Die deutsche Botschaft in Islamabad sei kaum zu erreichen. Und die große Rückholaktion des Auswärtigen Amts für im Ausland gestrandete Deutsche berücksichtige Pakistan bislang gar nicht. 

Geschichten wie die von Bahar Sheikh hört Ayesha Khan derzeit permanent. Die 35-Jährige, die als freie Autorin in Frankfurt lebt, kümmert sich schon seit Tagen intensiv um die Situation von Deutschen, die in Pakistan festsitzen. Ihr Onkel und zwei ihrer Tanten befänden sich in der Provinz Punjab und kämen ebenfalls nicht zurück, sagt Khan. Sie mache sich große Sorgen um ihre Verwandten. Sie fühle sich, als befinde sie sich im freiem Fall. „Man weiß einfach nicht, was Sache ist.“ 

Corona in Pakistan: Ein Großteil der Gestrandeten kommt aus Hessen

Über Chatgruppen haben Khan und ihre Verwandten sich inzwischen mit weiteren Betroffenen vernetzt. Khan kennt die Namen von mehr als 110 Menschen, die aus verschiedenen Gegenden Pakistans nach Deutschland zurückkehren wollen. Fast alle seien Deutsche, der Rest habe unbefristete Aufenthaltstitel, sagt Khan. Ein Großteil der Gestrandeten komme aus Hessen, andere aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Sie alle litten darunter, dass sie von den pakistanischen, aber auch von den deutschen Behörden widersprüchliche Informationen bekämen. 

Dass Pakistan noch nicht unter den 35 Staaten ist, in denen das deutsche Rückholprogramm läuft, kann Khan nicht verstehen. Und es macht sie wütend, dass auf der Homepage der deutschen Botschaft in Islamabad darauf verwiesen wird, dass Qatar Airways noch einmal täglich nach Europa fliege. Diese Flüge seien ständig überbucht und die Tickets für die Betroffenen viel zu teuer, sagt Khan. Auf der Online-Plattform „change.org“ hat sie daher eine Petition an das Außenministerium gestartet, damit die Betroffenen schnell zurückgeholt werden.

Corona in Pakistan: Diplomat verweist auf individuelle Lösungen

Im Auswärtigen Amt heißt es derweil, die Rückholaktion konzentriere sich momentan auf Staaten, in denen besonders viele Deutsche festsäßen. Es kämen aber ständig neue Länder hinzu. Bernhard Schlagheck, der deutsche Botschafter in Pakistan, twitterte am Freitag, sein Team tue bereits alles, um gestrandeten Deutschen zu helfen. 

Aber auch der Diplomat verweist auf individuelle Lösungen: Qatar Airways biete Flüge von Pakistan nach Europa an, twitterte Bernhard Schlagheck noch am Donnerstag. „Bitte wenden Sie sich bei Interesse direkt an die Airline.“

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