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Corona-Pandemie

Keine „Abkehr von Inzidenz“: Bundesregierung nennt Details zu neuen Lockerungsfaktoren

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Das Robert Koch-Institut plant offenbar eine Änderung in der deutschen Corona-Strategie. Zusätzlich zur Inzidenz soll künftig ein weiterer Wert als Leitindikator für Maßnahmen dienen.

Update vom Montag, 12.07.2021, 13.30 Uhr: Die Bundesregierung hat bekräftigt, dass sie bei der Beurteilung der Corona-Lage weiterhin die Sieben-Tage-Inzidenz im Blick behalten wird. Die Bild-Zeitung hatte zuvor von internen Dokumenten des Robert-Koch-Instituts berichtet, denen zufolge nun auch die Hospitalisierung als Leitindikator dienen soll. Im Bericht hieß es, der Inzidenzwert würde aufgrund der steigenden Impfquote in Deutschland zunehmend an Bedeutung verlieren. Sie würde jedoch nicht vollständig aus der Entscheidungsfindung gestrichen, erklärte das Bundesgesundheitsministerium als Reaktion auf zahlreiche Medienberichte.

Es sei wichtig, weitere Parameter wie die Krankenhauseinweisungen wegen Covid-19 hinzuzuziehen, um die Lage einschätzen zu können. „Aber das ist nicht als eine Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz zu verstehen“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin. Es sei auch keine Änderung der politischen Strategie damit verbunden, unterstrich der Sprecher. Die Inzidenz sei nach wie vor ein wichtiger Parameter, weil sie unter anderem Trends erkennen lasse.

Das RKI plant einem Medienbericht zufolge, Krankenhausaufenthalte infolge eine Corona-Erkrankung als zusätzlichen Indikator für künftige Maßnahmen einzuführen.

Inzidenz zeigt Trends: Corona-Lockerungen noch keine „Situation der Normalität“

Regierungssprecher Steffen Seibert fügte hinzu, man sei unter anderem dank der Impfungen in einer recht guten Lage. Die Wirtschaft und der Handel könnten arbeiten, das Kulturleben kehre zurück. „Das heißt aber alles nicht, dass wir schon in einer Situation der Normalität wären, wenn man mit ‚normal‘ vor der Pandemie meint.“

Ein Blick in Nachbarländer mache klar, dass niedrige Fallzahlen schnell wieder explodieren könnten. Damit gingen Risiken einher. Es könnten wieder mehr Menschen krank werden. Das Impfen habe die Gesamtrechnung verändert. „Aber wir sind noch nicht ausreichend gewappnet für den Fall dass die Zahlen wieder wirklich stark ansteigen“, sagte Seibert.

Erstmeldung vom Montag, 12.07.2021, 10.00 Uhr: Berlin – Bisher diente die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz als entscheidender Indikator für die Entscheidung über Maßnahmen und Beschränkungen im Kampf gegen die Corona*-Pandemie. Ein Lockdown, Ausgangssperren oder Kontaktbeschränkungen wurden demnach anhand der Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche beschlossen - ungeachtet der Schwere der Erkrankungen und der Auslastung des Gesundheitssystems in der jeweiligen Region. Das soll sich nun offenbar ändern.

Das Robert Koch-Institut will einem Medienbericht zufolge nun auch die Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator zur Einordnung der Entwicklung der Pandemie in Deutschland einführen. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf eine interne Präsentation des RKI. Eine solche Praxis würde eine Abkehr vom Inzidenzwert als wichtigste Kennzahl der Corona-Politik bedeuten.

RKI will Hospitalisierung als Leitindikator: Corona-Inzidenz verliert an Aussagekraft

Dem Bericht zufolge rechnet das RKI mit einer „Abnahme des Anteils schwerer Fälle“ und fordert daher einen „stärkeren Fokus auf die Folgen der Infektion“, darunter schwere Erkrankungen mit Hospitalisierung, Todesfälle und langfristige Folgen. Es seien „weiterhin mehrere Indikatoren zur Bewertung notwendig, aber die Gewichtung der Indikatoren untereinander ändert sich“, hieß es demnach im RKI-Papier. Das Institut begründet die Hinzunahme der Hospitalisierung demnach mit den „Konsequenzen zunehmender Grundimmunität“. Die Sieben-Tage-Inzidenz verliere also nach Einschätzung des RKI durch das Fortschreiten der Impfkampagne* immer mehr an Aussagekraft.

Die Aufforderung, sich nicht mehr ausschließlich auf die „nackten Infektionszahlen“ zu konzentrieren, kommt schon seit mehreren Monaten aus Politik und Medizin. Der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der Bild-Zeitung: „Wenn es in einer vierten Corona-Welle viele positive Befunde, aber keine Kranken mehr hat, kann man die Lage sehr gelassen sehen“. Allgemeine Lockdowns soll es demnach nur noch geben, wenn eine Überlastung des Gesundheitssystems droht. Etwas anderes, sei insbesondere gegenüber geimpften Bürgern kaum mehr zu begründen, heißt es weiter.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt unterdessen wieder leicht an und liegt am Montag (12.07.2021) bundesweit bei 6,4.* Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut innerhalb von 24 Stunden insgesamt 324 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche lag die Zahl der Infektionen bei 212.

Auch wenn die Corona-Fallzahlen derzeit niedrig sind, gibt die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante Anlass zur Sorge. Zuletzt hatte das RKI mitgeteilt, dass die zuerst in Indien festgestellte Variante nun für mehr als 50 Prozent aller Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland verantwortlich ist. (iwe/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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