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Die Corona-Lage in Hessen ist angespannt. Ein möglicher Weg aus der vierten Welle sind laut Experten schnelle Boosterimpfungen.
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Eine Umfrage zur Corona-Politik zeichnet das Bild einer gespaltenen Gesellschaft.

Pandemie

Corona-Regeln: Mehrheit der Geimpften für Impfpflicht – Vernichtende Werte für Ampel

  • VonMirko Schmid
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Schuld sind die anderen: Eine Umfrage zur Corona-Politik zeichnet das Bild einer gespaltenen Gesellschaft. Auf Besserungen durch die Ampel-Koalition hofft kaum jemand.

Augsburg/Frankfurt – Die einst von Bundeskanzlerin Angela Merkel angemahnte Corona-Disziplin schwindet. In einer breit angelegten und der Frankfurter Rundschau exklusiv vorliegenden Umfrage des Augsburger Instituts für Generationenforschung zeigt sich in Zahlen, was längst vermutet worden war: Die aktuelle Situation wird vor allem von Jüngeren als belastend wahrgenommen, Geimpfte und Ungeimpfte stehen sich skeptisch gegenüber. Erstaunlich einig sind sich alle vor allem darin, dass sie wenig Hoffnung in eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP setzen.

1.620 repräsentativ ausgewählte Menschen verschiedener Altersgruppen nahmen an der Umfrage des Instituts für Generationenforschung teil. Ihre Antworten sprechen für eine große Pandemie-Müdigkeit. 88 Prozent nehmen die aktuelle Corona-Situation als „belastend“ wahr, 69 Prozent als „ermüdend“, 48 Prozent als „nervig“. Während sich 33 Prozent inzwischen an das Auf und Ab der Fallzahlen und die immer wieder neu verhandelten Maßnahmen gewöhnt haben und die Situation als „normal“ beschreiben, geben 30 Prozent an, die Situation als „resignierend“ zu empfinden.

Interessant ist dabei der Altersunterschied. Die Corona-Müdigkeit ist nämlich offensichtlich eine Frage des Alters. Denn während 75 Prozent der sogenannten Generation Z, 68 Prozent der Generation Y und immer noch 56 Prozent der Generation X die aktuelle Situation als „ermüdend“ empfinden, gaben dasselbe lediglich 19 Prozent der Babyboomer-Generation an.

Corona: Geimpfte mehrheitlich für Impfpflicht, rund 80 Prozent sehen Schuld bei Ungeimpften

Gravierende Unterschiede tun sich zwischen jenen auf, die sich haben gegen Corona impfen lassen und denen, die noch immer nicht geimpft sind. Während sich inzwischen die Mehrheit der Geimpften (56 Prozent) für eine allgemeine Impfpflicht aussprechen, lehnen eine solche 99 Prozent der Ungeimpften ab. Und während die Geimpften die Schuld an den wieder stark steigenden Fallzahlen zu knapp 80 Prozent bei den Ungeimpften sehen, sind sich diese zu rund 60 Prozent keinerlei Schuld bewusst. Allerdings räumen rund 27 Prozent der Ungeimpften eine eigene Teilschuld ein, 13,5 Prozent geben sogar eine eigene Schuld zu.

Derweil verfestigen sich Ressentiments. Zwar gab nur ein Prozent der Ungeimpften an, nicht an Corona zu glauben und die Pandemie für eine Erfindung zu halten. Trotzdem gingen 45 Prozent der Geimpften davon aus, dass sich Menschen nicht impfen lassen, weil sie nicht an Corona glauben. Umgekehrt haben sich bereits 27 Prozent derjenigen impfen lassen, die an einen versteckten Plan hinter der Corona-Pandemie glauben.

Diplom-Psychologe Rüdiger Maas, Leiter des Instituts für Generationenforschung, schließt daraus: „Die Menschen spüren in der Corona-Pandemie zunehmend Ermüdungserscheinungen. Ermüdung könnte ein Grund dafür sein, dass sich auch diejenigen Menschen impfen lassen, die an Corona-Verschwörungsmythen glauben.“

66 Prozent der Geimpften für Verschärfung der Corona-Maßnahmen

Einen deutlichen Unterschied zwischen gegen Corona Geimpften und Ungeimpften gibt es auch in der Wahrnehmung von notwendiger Zurückhaltung. Rund 66 Prozent der Geimpften wünschen sich weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen, gerade einmal rund elf Prozent befürworten zu diesem Zeitpunkt Lockerungen. Ganz anders die Ungeimpften: Hier wünschen sich rund 50 Prozent Lockerungen, für Verschärfungen der Maßnahmen sprachen sich gerade einmal knapp sieben Prozent aus. Und während nur rund 13 Prozent der Geimpften die aktuellen Regelungen als „falsch“ bewerten, kreuzten diese Option mehr als 41 Prozent der Ungeimpften an.

Vor diesem Hintergrund wenig überraschend wünschen sich mehr als 55 Prozent der Ungeimpften Weihnachtsmärkte ohne jegliche Einschränkungen, knapp 33 Prozent befürworten Hygienekonzepte, etwas mehr als elf Prozent sind für eine komplette Absage. Geimpfte hingegen sprechen sich zur großen Mehrheit (mehr als 62 Prozent) für Weihnachtsmärkte mit Hygienekonzepten aus, mehr als ein Viertel (gut 26 Prozent) befürworten eine Absage. Weihnachtsmärkte ohne Einschränkungen befürworten – trotz ihres eigenen Schutzes – nur knapp zwölf Prozent der Geimpften.

Institutsleiter Maas sieht darin ein Muster: Die Bereitschaft, sich persönlich einzuschränken, um ein Ende der Pandemie zu erreichen, ist bei den geimpften Personen deutlich größer als bei den ungeimpften Personen.“ Der Diplom-Psychologe vermutet: „Dass viele Ungeimpfte nicht dazu bereit sind, sich einzuschränken, lässt vermuten, dass diese Personen die aktuelle Corona-Situation weniger ernst nehmen und den Verschwörungsmythen stärker zugewandt sind.“

Dipl.-Psych. Rüdiger Maas, M.Sc., Leiter des Instituts für Generationenforschung.

Große Skepsis an Corona-Politik der künftigen Ampel-Koalition

Eine große Einigkeit zwischen Geimpften und Ungeimpften besteht in ihrer Skepsis gegenüber der Corona-Politik einer künftigen Ampel-Regierung. Gerade einmal sieben Prozent aller Befragten nämlich vertrauen auf die neue Regierung, die Corona-Situation besser als die aktuelle Regierung zu regeln.

Dementsprechend sieht Maas die Ampel-Parteien jetzt in der Verantwortung: „Die Corona-Krise wird nicht gelöst, wenn sich geimpfte und ungeimpfte Personen gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben. Ungeimpfte Personen geben nämlich als Grund für ihre Impfablehnung an, dass sie sich nichts vorschreiben lassen möchten oder dass sie Angst vor Impffolgeschäden haben. Auf die neue Regierung kommt eine große Aufgabe zu: Ängste durch eine bessere Aufklärung über Impfungen abbauen!“ (Mirko Schmid)

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