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Corona-Proteste in Brüssel: Polizei fängt Hunderte Demonstrierende ab

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Von: Nail Akkoyun

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Nach kanadischem Vorbild will auch in Brüssel ein sogenannter Freiheitskonvoi gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren. Die Polizei ist allerdings vorbereitet.

Brüssel – Die sogenannten Freiheitskonvois, die von Gegner:innen der Corona-Maßnahmen in Nordamerika gestartet wurden, finden inzwischen auch in Europa statt. Dimensionen wie etwa in Kanada, wo aufgrund der Demonstrationen der Notstand in der Hauptstadt Ottawa ausgerufen wurde, wurden in Belgien am Montag (14.02.2022) allerdings nicht erreicht. Bürgermeister Philippe Close hatte die Polizei zuvor zu einer strikten Vorgehensweise aufgefordert und erklärte, dass die Protestierenden die Hauptstadt nicht „als Geisel nehmen“ dürften.

Schon am Freitag (11.02.2022) hatten Behörden den Protestkonvoi in Absprache mit dem belgischen Innenministerium verboten. Die Ausschreitungen bei Demonstrationen am Wochenende in Paris dürften für zusätzliche Bestätigung beigetragen haben. Da viele Demonstrant:innen das Verbot jedoch ignorierten, und dies vorher in sozialen Medien ankündigten, bestand der Plan der Polizei darin, den Konvoi gar nicht erst in die Stadt kommen zu lassen.

Corona-Proteste in Brüssel: Demonstrierende größtenteils aus Frankreich und den Niederlanden

Auf den Hauptverkehrsstraßen Brüssels leitete die Polizei die Demonstrant:innen, die in Autos, Campern und Bussen ankamen, auf einen abgesperrten Parkplatz weiter, der gerade noch innerhalb des Brüsseler Stadtgebiets liegt. Wie politico.eu berichtet, verteilten sich einige Demonstrant:innen zudem auf verschiedene Standorte in Belgiens Hauptstadt – wenn auch unbeabsichtigt. Widersprüchliche Aufrufe in den sozialen Medien hätten zur Verunsicherung bei den Teilnehmenden geführt. Insgesamt erschienen aber „mehrere Hundert Demonstrant:innen“, so die Polizei.

Gegner:innen der Corona-Maßnahmen protestieren am Montag (14.02.2022) in Brüssel.
Gegner:innen der Corona-Maßnahmen protestieren am Montag (14.02.2022) in Brüssel. © Hatim Kaghat/Imago

Auch wenn die Corona-Demonstrationen in Belgien im Vergleich zu jenen in Ottawa friedlich verliefen, kam es zwischendurch zu mehreren Vorfällen. So setzte die Polizei Tränengas ein, nachdem Gegendemonstrant:innen den Protestierenden den Weg blockierten. Zudem wurden nach Angaben der Polizei etwa 30 Personen verhaftet, unter anderem wegen unerlaubtem Waffenbesitzes. In die Nähe des Europaviertels, wo die Europäische Union (EU) ihren Sitz hat, kamen die jedoch Demonstrant:innen nicht.

Der Konvoi, der zuvor in Paris Halt machte, sollte zunächst die Stadt Brüssel als Symbol der Europäischen Union (EU) ansteuern. Die Organisator:innen scheinen sich allerdings auch an dieser Stelle uneins gewesen zu sein. Bereits am Mittag habe sich der Konvoi stückweise aufgelöst, heißt es in dem Bericht von Politico. Wie die belgische Polizei erklärte, kamen in Brüssel schlussendlich 130 Fahrzeuge an, „hauptsächlich Wohnmobile, Vans und Autos aus Frankreich und den Niederlanden.“

Corona-Demonstrationen in Brüssel richten sich gegen Impfpass und Impfpflicht

Die Proteste richteten sich unter anderem gegen den in Frankreich geltenden Covid-19-Impfpass für Menschen ab 16 Jahren. Nach einer 2G-Regelung ist der Zutritt in Restaurants, Bars und überregionalen öffentlichen Verkehrsmitteln nur geimpften und genesenen Personen gestattet. In Frankreich befürwortete sowohl die rechtspopulistische Partei Rassemblement National als auch die Linkspartei La France Insoumise die Proteste der Bewegung.

Viele Corona-Protestierende wurden im Vorfeld auf einen abgelegenen Parkplatz in Brüssel umgeleitet.
Viele Corona-Protestierende wurden im Vorfeld auf einen abgelegenen Parkplatz in Brüssel umgeleitet. © Olivier Matthys/dpa/AP

„Ich bin gegen den Impfpass hergekommen, gegen die Impfpflicht und alles, was damit zu tun hat“, sagte eine Demonstrantin. „Auch wegen der Kaufkraft, weil alles steigt. Das haben sie genutzt, um die Preise in die Höhe zu treiben. Und für unsere Freiheit, damit alle gleich sind und vereint“, so die französische Baskin, die namentlich nicht genannt werden wollte.

Einige Fahrzeuge in Brüssel waren mit Warnwesten dekoriert, dem Symbol der französischen Gelbwestenbewegung. „Luttez pour vos libertés“ schmückte die Heckscheibe eines Fahrzeugs – „Kämpfe für deine Freiheiten.“ Wie auch bei sonstigen Corona-Demonstrationen folgten Personen aus diversen Kreisen dem Protestaufruf, darunter Rechtsextreme, Impfgegner:innen und Menschen, die sich während der Pandemie auf etliche Art und Weise radikalisierten. (nak)

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