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Pharmaindustrie

Sputnik V: Corona-Impfstoff aus Russland könnte einen entscheidenden Vorteil haben

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die EU zieht eine Zulassung des Sputnik V-Impfstoffs in Erwägung. Währenddessen wird in Russland bereits das zweite Vakzin „EpiVacCorona“ produziert.

  • Die EU denkt darüber nach, in der Corona-Krise den Impfstoff Sputnik V aus Russland zuzulassen.
  • Über den Impfstoff ist wenig bekannt: Er könnte Vorteile und Nachteile mit sich bringen.
  • Auch zu Impfstoffen aus China fehlen öffentliche Daten.

Moskau - Als Wladimir Putin im August 2020 verkündete, dass Russland den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen habe, waren die internationale Kritik und das Misstrauen groß. Konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des staatlichen Gamaleya-Instituts in einem solchen Rekordtempo tatsächlich einen wirksamen und – vor allem – sicheren Impfstoff entwickelt haben? Publizierte Daten zu dem Vakzin mit dem Namen Sputnik V sind spärlich.

Inzwischen sollen in Russland mehr als 1,5 Millionen Menschen den Impfstoff bekommen haben, auch in anderen Ländern wie Argentinien oder Serbien wird er verabreicht. Berichte über schwere Nebenwirkungen sind seither zumindest nicht bekannt geworden.

Europäische Union ist wegen geringer Menge an Vakzine verzweifelt

In der Europäischen Union ist die Verzweiflung ob der geringen Menge verfügbarer Vakzine und des vielerorts schleppend angelaufenen Impfstarts so groß, dass die Skepsis offenbar Aufgeschlossenheit gewichen ist und darüber nachgedacht wird, auf Sputnik V und auch chinesische Impfstoffe zurückzugreifen. Russland seinerseits hat vor zwei Wochen für Sputnik V in der EU die Zulassung beantragt und angeboten, im zweiten Quartal 100 Millionen Dosen zu liefern. Ungarn war bereits vor Wochen aus der EU-Strategie ausgeschert und hatte eigenständig das russische Vakzin sowie das chinesische des Staatskonzerns Sinopharm zugelassen.

Der Sputnik-V-Impfstoff ist bereits in Russland, Argentinien und Serbien im Einsatz.

Der Impfstoff Sputnik V aus Russland könnte einen entscheidenden Vorteil haben

Welche Art von Impfstoffen würde sich die EU mit einer Bestellung bei Russland und China einhandeln? Sputnik V ist ein Vektorimpfstoff und basiert damit auf der gleichen Technologie wie das Vakzin AZD1222 von Astrazeneca. Nach eigenen Angaben liegt die Wirksamkeit des Vakzins mit 90 Prozent deutlich höher. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie in der britischen Fachzeitschrift „Lancet“ bescheinigt Sputnik V sogar eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent.

Das scheint nicht unplausibel: Denn während Astrazeneca bei beiden Impfungen den gleichen Vektor – ein harmloses Erkältungsvirus von Schimpansen – nutzt, arbeitet Sputnik V mit zwei verschiedenen Transporterviren. Das könnte den Vorteil haben, dass die Immunantwort nach der zweiten Impfung nicht durch bei der ersten Impfung gebildete Antikörper gegen das Adenovirus beeinträchtigt wird.

Denn auch wenn der Vektor nur die Funktion einer Fähre hat, so reagiert das Immunsystem doch auch auf dieses Virus und nicht nur auf das enthaltene eigentliche Antigen. Das könnte dazu führen, dass das Immunsystem nach der zweiten Impfung die Vektorviren eliminiert, bevor sie ihre Fracht in die menschlichen Zellen entladen können.

Sputnik V aus Russland: Verstärkt der Impfstoff die Tumorbildung?

Diese besteht sowohl beim Corona-Impfstoff von Astrazeneca als auch bei Sputnik V aus der genetischen Information für das Spike-Protein, die der Körper als Anleitung nutzen soll, um das Vireneiweiß selbst herzustellen (und zu bekämpfen). Allerdings besteht die genetische Information sowohl beim Vakzin von Astrazeneca als auch bei Sputnik V nicht aus einzelsträngiger RNA, sondern aus DNA.

In der „Pharmazeutischen Zeitung“ und im Medikamentenverzeichnis Gelbe Liste wird deshalb auf die theoretische Möglichkeit hingewiesen, dass die DNA aus dem Vektorimpfstoff ins menschliche Genom integriert wird. Ein Risiko, das bei den mRNA-Impfstoffen nach heutigem Kenntnisstand als so gut wie ausgeschlossen gilt. „Als denkbarer Nachteil gilt auch eine zufällige Integration der Vektor-DNA in das Genom des Wirts“, heißt es in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“: „Dies könnte eine verstärkte Tumorbildung infolge einer Aktivierung von Onkogenen oder Deaktivierung von Tumorsuppressor-Genen induzieren oder es könnten Autoimmunkrankheiten entstehen.“

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, der ebenfalls in dem Bericht zitiert wird, spricht indes von einem theoretischen Risiko, das sich „am Tier und in klinischen Prüfungen eigentlich nie bewahrheitet hat“.

Russland entwickelt neben Sputnik V einen weiteren Impfstoff

In der Praxis gibt es bislang nur wenig Erfahrung mit Vektorimpfstoffen, eingesetzt werden sie seit wenigen Jahren als Schutz vor Ebola und Dengue. Ein Vorteil der Vektorimpfstoffe ist, dass sie nicht wie die mRNA-Impfstoffe extreme Kälte benötigen, sondern in einem normalen Kühlschrank gelagert werden können. Somit sind sie für die Handhabung in Hausarztpraxen geeignet.

Auch der von der EU georderte, aber noch nicht zugelassene Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson beziehungsweise seiner Pharmasparte Janssen ist ein Vektorvakzin, soll aber mit nur einer Dosis auskommen. Zudem soll das russische Gamaleya-Institut an einer „Light-Version“ seines Sputnik V arbeiten, die nur einmal gespritzt werden muss.

Russland hat zudem einen weiteren Impfstoff am Start: „EpiVacCorona“, einen Totimpfstoff auf Basis eines synthetischen Spike-Proteins. Entwickelt wurde er am staatlichen Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie in Nowosibirsk. Die Massenproduktion soll jetzt beginnen und „EpiVacCorona“ ab März eingesetzt werden. Nach Angaben aus Russland soll der Impfstoff in Studien eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt haben, dabei sei er, laut der für Gesundheitsfragen zuständigen Vizeministerpräsidentin Tatjana Golikowa charakterisiert durch die „Abwesenheit von Reaktogenität und ein ausreichend hohes Level an Sicherheit“.

Impfstoff aus China: Öffentliche Daten fehlen

Impfstoffe auf Basis synthetischer Proteine schützen unter anderem vor Hepatitis B und Gebärmutterhalskrebs. An Proteinimpfstoffen gegen Covid-19 arbeiten auch die US-Pharmafirma Novovax und der französische Konzern Sanofi. Proteinimpfstoffe gelten als gut verträglich, ihr Nachteil besteht aber darin, dass sie meist Wirkverstärker benötigen. EpivacCorona enthält Aluminiumhydroxid als Adjuvans.

Über die chinesischen Impfstoffe von Sinovac und Sinopharm ist der Öffentlichkeit in Europa nicht viel bekannt. Nach Berichten in Fachzeitschriften soll es sich um klassische Totimpfstoffe auf Basis von inaktivierten Viren handeln, wie sie etwa gegen Tetanus, Diphtherie, Polio oder Keuchhusten angewendet werden. Auch zu den chinesischen Covid-Impfstoffen fehlen öffentliche Daten. Gleichwohl werden sie breit auch außerhalb Chinas eingesetzt, etwa in Brasilien, Chile, Indonesien und der Türkei. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © OLIVER BUNIC/AFP

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