Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach Aussagen von Kretschmer

Kein Osterurlaub wegen Corona? Hotels und Gaststätten entsetzt: „Erneuter Schlag ins Gesicht“

  • Sandra Böhm
    vonSandra Böhm
    schließen

Michael Kretschmer erteilt dem Osterurlaub wegen der Corona-Pandemie eine Absage. Kritik hagelt es von einigen Politikern und aus der Hotel-Branche.

  • Der Corona-Lockdown wurde gerade erst bis zum 7. März 2021 verlängert.
  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach stellen Urlaub zu Ostern infrage.
  • Nun hagelt es überparteiliche Kritik. Auch Dehoga meldet sich zu Wort.

Update vom Montag, 15.02.2021, 14.55 Uhr: Die Diskussion um Urlaubsreisen an Ostern in Deutschland verärgert Hoteliers und Gastronomen. „Die pauschale Absage des Osterurlaubs ist völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche“, kritisierte Guido Zöllick, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) am Montag. Vorstöße wie die des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer sorgten für massive Empörung.

Der Hotel- und Gaststättenverband forderte konkrete Öffnungsperspektiven für die Branche. Spätestens bei der nächsten Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen in der Pandemie am 3. März 2021 müsse es einen Fahrplan geben, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen, die Betriebe wieder Gäste empfangen dürften. Einer aktuellen Dehoga-Umfrage zufolge fordern 83,6 Prozent der Betriebe eine Öffnung vor Ostern.

Urlaub an der Ostsee: Für viele ein Traum in der Corona-Pandemie. Ob an Ostern wieder Reisen möglich sind, ist allerdings fraglich.

Urlaub an Ostern? Hotels und Gaststätten wegen Corona-Lockdown seit vier Monaten geschlossen

Die Branche sei Ende Februar schon wieder vier Monate im Lockdown, sagte Zöllick. Die Verzweiflung und die existenziellen Sorgen „sind immens groß“. Der Umfrage zufolge brach der Umsatz im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 78 Prozent ein. Bislang haben demnach 63,5 Prozent der Betriebe die kompletten Novemberhilfen erhalten. Bei den Dezemberhilfen seien es nur 23,3 Prozent. „Die Antragstellung und die schnelle Auszahlung der noch ausstehenden versprochenen Wirtschaftshilfen müssen jetzt absolute Priorität haben“, forderte Zöllick.

Macht Corona dem Oster-Urlaub auch dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung?

Erstmeldung vom Montag, 15.02.2021, 13.07 Uhr: Frankfurt ‒ Erst vergangene Woche hatten die Landeschef:innen und Angela Merkel den Lockdown wegen der Corona-Pandemie bis zum 7. März 2021 verlängert. Inzwischen sinken die Inzidenz-Werte in Deutschland. Dennoch erteilten nun sowohl Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach den Deutschen einen Dämpfer: Der Urlaub zu Ostern wird nach Aussagen der beiden Politiker wohl ausfallen.

Zu große Mobilität etwa durch Reiseverkehr und Tourismus bereits im April sei Gift, sagte Kretschmer der „Bild am Sonntag“: „Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben.“ Eine Rückkehr zur Normalität wie im Herbst würde dann auch zu einer Explosion der Infektionszahlen wie im November und Dezember führen. „Die Folge wäre ein harter Lockdown im Frühjahr“, erklärte er. „Das müssen wir unbedingt vermeiden.“

Ob Urlaub am Meer an Ostern wieder möglich sein wird, ist offen.

Corona: Kretschmar und Lauterbach glauben nicht an Urlaub zu Ostern

Kretschmer kündigte des Weiteren an, dass die Gaststätten und Hotels auch über Ostern geschlossen bleiben würden. Auch der Spielbetrieb in Opernhäusern und Theater könne frühestens nach den Feiertagen wieder aufgenommen werden. Die Erfahrung der vergangenen Monate zeige, dass kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, sofort zu höheren Infektionszahlen führten, sagte Kretschmer.

Unterstützung erhält der CDU-Politiker von dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Der sagte am Sonntag (14.02.2021) der „Welt“: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können.“ Die Osterwochen müssten genutzt werden, mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle in der Corona-Pandemie mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden. „Ich wäre schon froh, wenn wir es ohne dritte Welle bis Ostern überhaupt schaffen“, betonte Lauterbach. Er fügte an: „Sollte dies gelingen, darf der Erfolg nicht im Urlaub zerstört werden.“

Urlaubsabsage für Ostern: Zustimmung und scharfe Kritik von verschiedenen Seiten

Ähnlich wie Kretschmer und Lauterbach sieht es Brandenburgs Ministerpräsident, Dietmar Woidke (SPD). „Auf touristische Reisen, auf Tagesausflüge, auf jegliche nicht notwendige Fahrt sollte jetzt dringend verzichtet werden“, sagte der SPD-Politiker der „Welt“. Es sei jetzt nicht die Zeit für Reisen.

Michael Kretschmer sieht für einen Osterurlaub dieses Jahr keine Chance. Einige Politiker sehen das anders.

Doch vonseiten anderer Politiker kamen kritische Worte und parteiübergreifender Widerstand. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther sieht den Osterurlaub bislang nicht in Gefahr: „Wir haben in der letzten Ministerpräsidentenkonferenz  (MPK) einen klaren Fahrplan verabredet, eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später infrage zu stellen“, sagte der CDU-Politiker ebenfalls der „Welt“. „Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.“

Ostern in der Corona-Pandemie: Berlins Regierender Bürgermeister legt sich nicht fest

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hält stattdessen an einem Stufenplan für Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie fest. Er hat eine Vorlage dafür bis zur nächsten Ministerpräsident:innenkonferenz Anfang März versprochen. „Es muss ausgehend von dem, was wir jetzt als Basis haben, auch von den Erfolgen, die wir in den letzten sieben Wochen erreicht haben, ein weiteres stufenweises Vorgehen geben, an dem man sich auch langfristig orientieren kann“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

Bezüglich des Osterurlaubs legte sich Müller noch nicht fest. Eine pauschale Absage erteile er jedoch nicht. Er glaube, es sei noch verfrüht sich darauf festzulegen. Man habe es in den letzten sechs, sieben Wochen geschafft, doch um 100 Punkte herunterzukommen. „Warum soll es uns nicht jetzt gelingen, in den nächsten sechs, sieben Wochen bis Ostern noch einmal 30 Punkte runterzukommen? Und damit ja doch viel mehr Freiheit und Normalität zurückzugewinnen.“

Urlaub-Absage zu Ostern: Linke und FDP kritisieren Vorstoß von Kretschmer

Jan Korte, parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Fraktion, kritisierte Kretschmer in der „Welt“ scharf: „Wenig im Griff, aber Hauptsache eine Meldung. Das ist die Linie von Ministerpräsident Kretschmer.“ Anstatt einen nachvollziehbaren, sicheren und logischen Plan zu entwickeln, werde wahllos irgendeine Maßnahme rausgehauen. „So verspielt man Vertrauen.“ Auch von der FDP kam Kritik. „Bei Herrn Kretschmer setzt sich Merkels Kurs der Perspektivlosigkeit fort“, sagt Vizefraktionschef Michael Theurer der Zeitung. „So zermürbt man die Menschen. Sie brauchen aber eine Perspektive.“

Auf Twitter schrieb der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst: „Hier irrt Michael Kretschmer gewaltig.“ Außerdem erklärte er, dass Einschränkungen der Bewegungsfreiheit nur rechtlich zulässig seien, wenn sie bei der Pandemiebekämpfung wirksam und verhältnismäßig seien. Wenn die Zahlen weiter zurückgingen, „kann niemand am Urlaub gehindert werden“, so Herbst auf Twitter.

Dehoga und Eigentümer:innen von Ferienwohnung gegen pauschales Reiseverbot zu Ostern

Vor verfrühten Entscheidungen warnte am Sonntag auch der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Sollte die Inzidenzwert auf einen Wert von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen in den vergangenen sieben Tagen zurückgedrängt werden, „dann muss zu Ostern das Reisen innerhalb Deutschlands unter gewissen Voraussetzungen erlaubt werden“, erklärte Verbandspräsident Daniel Rousta.

Kritik an den Aussagen von Kretschmer und Lauterbach übte auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Nordrhein-Westfalen. „Das Philosophieren über ausfallende Osterferien oder erst im Sommer geöffnete Biergärten ist das Gegenteil von einem Gesamtplan. Viele in der Branche empfinden das als schallende Ohrfeige“, sagte ein Dehoga-Sprecher der „WAZ“ am Montag. (sab mit dpa)

Rubriklistenbild: © Norbert Fellechner via www.imago

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare