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Eine erschwindelte Impfung hat in Kanada für einen Aufschrei gesorgt.
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Eine erschwindelte Impfung hat in Kanada für einen Aufschrei gesorgt.

Kanada

Egoismus bei Corona-Impfung: Millionär drängelt sich vor

  • Jörg Michel
    vonJörg Michel
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In Kanada erschwindelt sich ein Casino-Chef in einer von Indigenen bewohnten Siedlung die Impfung. Sein Egoismus hat Folgen.

  • Ein Millionär in Kanada drängelt sich bei der Corona-Impfung vor.
  • Seine Frau und er reisen Tausende Kilometer und geben sich als Beschäftigte eines Motels aus.
  • Das Vordrängeln bei der Corona-Impfung sorgt für Empörung, weil der Millionär Indigene gefährdet.

Beaver Creek - In Kanada hat ein Multimillionär für Empörung gesorgt, weil er sich unter Vortäuschung eines falschen Jobs und Wohnortes eine Corona-Impfung auf Kosten der Indigenen organisiert haben soll. Der 55-jährige Manager hatte sich dazu mit einem Privatjet in eine entlegene Siedlung fliegen lassen, die überwiegend von Indigenen bewohnt wird, welche in Kanada prioritär geimpft werden.

Millionär erschleicht sich Corona-Impfung: 5000 Kilometer weite Reise für den Infektionsschutz

„Ich glaube nicht, dass ich jemals von einem so verabscheuungswürdigen, ekelhaften Anspruchsdenken gehört habe, das jeglichen moralischen Kompass vermissen lässt“, sagte der Generalstaatsanwalt der kanadischen Provinz British Columbia, Mike Farnworth, der Zeitung „Vancouver Sun“. Vertreter:innen der kanadischen Indigenen sprachen von einem Skandal und forderten harsche Strafen.

Rod Baker, der bisherige Vorstandschef der Casino-Firma „Great Canadian Gaming Co.“, war laut Behörden vergangene Woche mit seiner Frau Ekatarina 5000 Kilometer von seinem Wohnort Vancouver nach Beaver Creek in den Norden Kanadas gejettet, um sich dort bei einer mobilen Impfstation den Moderna-Impfstoff spritzen zu lassen, der für die rund einhundert meist indigenen Bewohner:innen des Ortes vorgesehen war.

Corona-Impfung: Millionär gibt sich als Beschäftigter eines Motels in indigenem Ort aus

Dabei hatten sich die schwerreichen Eheleute kurzerhand als neue Beschäftigte eines lokalen Motels ausgegeben, um den Impftermin zu erschwindeln und nicht als Fremde aufzufallen. Das war ihnen zunächst auch gelungen, weil in vielen Orten im Norden Kanada Saisonkräfte aus dem Süden zum Alltag gehören und viele dieser Menschen oftmals keine lokalen Ausweisdokumente besitzen.

Baker und seine 32-jährige Frau, eine russisch-kanadische Schauspielerin, hatten sich dabei nicht nur unzulässig vorgedrängelt und die Impfrichtlinien in Kanada ausgehebelt. Bei der Anreise hatten sie zudem gegen Quarantäneauflagen verstoßen. In Kanada müssen alle Reisenden, die in die entlegene Region rund um Beaver Creek kommen, sich zunächst für zwei Wochen isolieren.

Millionär gefährdete beim Impf-Betrug die indigene Bevölkerung

Die beiden hatten ihr Hotelzimmer jedoch schon zwei Tage nach Ankunft verlassen. „Damit haben sie die Gesundheit unseres Volkes und unserer Stammesältesten aus purem Eigennutz und Egoismus gefährdet und potenziell tödliche Folgen für uns in Kauf genommen“, erklärte Stammeshäuptling Angela Demit von der Gruppe der „White River First Nation“ in Beaver Creek.

In Kanada gelten die Indigenen in der Corona-Krise als besonders verwundbar. Viele ihrer Dörfer liegen weit von den großen Zentren des Landes entfernt und es gibt vor Ort kaum Ärzt:innen oder Krankenhäuser. Dazu kommen die oftmals beengten Wohnverhältnisse. In vielen indigenen Familien leben mehrere Generationen unter einem Dach, was zu einer höheren Ansteckungsgefahr führt.

Millionär drängelt sich beim Impfen vor: Erinnerungen an Eroberung Kanadas werden wach

Belastend wirkt auch die verhängnisvolle Geschichte der Eroberung und Besiedlung Kanadas, die bei vielen Indigenen bis heute Ängste auslöst. Im 19. Jahrhundert hatten weiße Siedler in vielen Regionen Kanadas unbekannte Krankheiten eingeschleppt und so ganze Familien ausgerottet. Auch während der Spanischen Grippe im Jahre 1918 waren indigene Dörfer besonders schwer betroffen.

Nicht zuletzt deswegen sind die Corona-Auflagen in den nordischen und arktischen Regionen Kanadas heute besonders strikt. Viele Dörfer werden weitgehend abgeschottet und durch Reisebeschränkungen geschützt. Bei der Zuteilung der Corona-Impfstoffe werden die Indigenen Kanadas neben Menschen in Pflegeheimen und Gesundheitsberufen prioritär behandelt.

Konsequenzen des Betrugs bei Corona-Impfungen: Haftstrafe ist möglich

Casino-Manager Baker und seine Frau flogen am Ende auf, weil sie gleich nach ihrer Impfung zurück zum Flughafen wollten und nicht zu dem Motel, in dem sie vorgaben zu arbeiten. Wegen des öffentlichen Aufschreis in Kanada ist Baker inzwischen als Unternehmenschef zurückgetreten. Außerdem droht dem Paar eine Geldstrafe von mehreren hundert Dollar sowie bis zu einem halben Jahr Haft.

Bakers Ex-Arbeitgeber betonte, der Manager habe mit seiner Spritztour in die Wildnis den Werten des Unternehmens zuwidergehandelt. Great Canadian betreibt in Kanada rund 20 Casinos sowie Hotels, Restaurants und Pferderennbahnen und war kürzlich von einer US-Private Equity-Gesellschaft für etwa 2,5 Milliarden Dollar gekauft worden. Von der Transaktion dürfte auch Baker erheblich profitiert haben.

Vordrängeln bei der zweiten Dosis des Corona-Impfstoffs nicht mehr möglich

Auf die zweite Dosis des Impfstoffs wird der Millionär nun allerdings warten müssen. Laut dem Gesundheitsministerium der Provinz British Columbia muss sich Baker anstellen, wie alle anderen auch. Gemäß offiziellem Impfplan ist die Altersgruppe der Eheleute erst zwischen Juli und September dran – viele Monate nach dem vom Hersteller empfohlenen Zeitpunkt für die zweite Spritze.

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