Superkräfte zur Pandemiebekämpfung wünscht sich derzeit wohl die ganze Welt.
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Superkräfte zur Pandemiebekämpfung wünscht sich derzeit wohl die ganze Welt.

Corona-Pandemie

Einer von zehn Menschen könnte sich angesteckt haben

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die WHO rechnet die Ergebnisse weltweiter Antikörper-Studien hoch und kommt zu dem Ergebnis, dass sich zehn Prozent der Weltbevölkerung bereits mit Corona infiziert haben könnte.

Zehn Prozent der Weltbevölkerung könnten sich nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben. Diese Zahl nannte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Einer von zehn – das entspricht etwa 760 Millionen Menschen, die seit dem ersten Auftreten des Erregers im vergangenen Winter eine Infektion durchgemacht hätten. Es wäre mehr als das 20-Fache der nach den Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bisher genannten Zahl von 35,4 Millionen weltweit.

Mehr als eine Million Menschen an Coronavirus gestorben

Seit Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan die ersten Fälle gemeldet wurden, hat sich die Pandemie in fast 190 Ländern ausgebreitet, gestorben an Covid-19 sind mehr als eine Million Menschen. Weltweit gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Infizierten hoch ist, denn vor allem junge Menschen haben oft keine starken Beschwerden und bleiben damit „unter dem Radar“. Und in armen Ländern mit mangelnder Gesundheitsversorgung tauchen selbst schwer Erkrankte oft nicht in der Statistik auf, weil die Menschen sich keinen Arztbesuch leisten können.

760 Millionen Menschen, die infiziert sind oder es waren – das klingt gewaltig. Dennoch würde auch diese Zahl nach wie vor bedeuten, dass die „übergroße Mehrheit der Weltbevölkerung“ noch nicht mit dem Coronavirus infiziert war und gefährdet sei, sich anzustecken, wie WHO-Sprecher Michael Ryan sagt. Die Pandemie gehe weiter, aber es gebe Werkzeuge, die Übertragung einzudämmen und Leben zu retten.

Corona-Pandemie: Positive Signale aus Afrika

Ryan wies darauf hin, dass die Pandemie gerade wieder Fahrt aufnehme. „Wir befinden uns auf dem Weg in eine schwierige Periode“, warnte er. Südostasien verzeichne derzeit einen Anstieg, ebenso Europa und der östliche Mittelmeerraum.

Als „positiver“ bewertete der WHO-Sprecher die Situation in Afrika und im Westpazifik. In Australien etwa sind oder waren nach offiziellen Angaben rund 27 000 von insgesamt 25 Millionen Einwohnern mit dem Coronavirus infiziert. In Afrika mit seinen knapp 1,3 Milliarden Einwohnern wurden bisher rund 1,48 Millionen Corona-Infektionen gemeldet, wobei die Dunkelziffer allerdings hoch sein dürfte. Auffällig ist in Afrika allerdings die vergleichsweise niedrige Sterberate: Trotz der schlechten Gesundheitssysteme sind „nur“ rund 36 000 Menschen an und mit Covid-19 gestorben. Die Gründe dafür werden unter anderem im jungen Durchschnittsalter der Bevölkerung, den Genen und den häufigeren Aufenthalten im Freien gesehen.

Coronavirus: Offizielle Zahlen deutlich unter den tatsächlichen?

Die Schätzungen der WHO zur Zahl der Infizierten basieren auf weltweiten Antikörper-Studien. Mit entsprechenden Tests lassen sich durchgemachte Infektionen im Blut nachweisen. Wer Antikörper gebildet hat, war mit ziemlicher Sicherheit mit dem Coronavirus infiziert. Allerdings bedeutet ein negativer Antikörper-Test nicht zwangsläufig, dass jemand nicht doch irgendwann eine Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht hat. Denn nach heutigem Wissensstand verschwinden die Antikörper nach einigen Monaten im Blut.

Seit den ersten Monaten der Pandemie gehen die Schätzungen darüber, wie viele Menschen sich bereits mit dem Virus angesteckt haben, weit auseinander. Die offiziell gemeldeten Prozentzahlen aus den verschiedenen Ländern liegen oft unter einem Prozent. Bereits Anfang April hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Imperial College London errechnet, dass zehn Prozent der Italiener infiziert sein oder gewesen sein könnten. Antikörper-Studien in Italien kamen aber selbst für die am heftigsten betroffene Region Lombardei, in der mehr als die Hälfte der italienischen Infizierten leben, nur auf 7,5 Prozent. In Deutschland gab es Stand gestern rund 304.000 Infizierte. Würde die Zahl die tatsächliche Lage wiedergeben, hätten nicht einmal 0,4 Prozent der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht. Doch Experten gehen davon aus, dass die offiziellen Zahlen deutlich unter den tatsächlichen liegen.

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