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Impfkampagne in Rio de Janeiro

Corona in Brasilien: Start der Impfkampagne aufwendig inszeniert unter Christus-Statue

  • vonJoel Schmidt
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Die Impfkampagne in Brasilien wird mit aufwendig inszenierten Bildern begleitet. Der Impfstoff wird per Hubschrauber zur berühmten Christusstatue in Rio de Janeiro geflogen.

  • Nach der Notfallzulassung von zwei Impfstoffen beginnt in Brasilien die Impfkampagne gegen das Coronavirus
  • Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro verharmlost immer wieder die Gefährlichkeit des Virus.
  • Unter der Christusstatue in Rio de Janeiro findet die erste Impfung im Rahmen der Kampagne statt.

Update vom Dienstag, 19.01.2021, 9.00 Uhr: Nachdem im bevölkerungsreichsten Bundesstaat São Paulo bereits am Sonntag (17.01.2021) die ersten Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht wurden, hat nun auch die brasilianische Zentralregierung mit ihrer Impfkampagne begonnen – und läutete den Start direkt mit einer aufwendigen Inszenierung ein. Denn die erste Impfung der 80-jährigen Terezinha da Conceição fand an keinem geringerem Ort als am Fuße der berühmten Christusstatue in der Küstenmetropole Rio de Janeiro statt.

Um die eindrucksvollen Bilder der ersten Impfung unter den ausgebreiteten Armen der Christusstatue produzieren zu können hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur KNA zuvor ein Lokalpolitiker einen Privatjet bereitgestellt, um die benötigten Dosen des Corona-Impfstoffs nach Rio de Janeiro zu befördern. Vom Flughafen aus seien diese dann per Hubschrauber auf den 710 Meter hohen Corcovado-Berg gebracht wurden, auf dem die Christusstatue steht.

Ein perfekt inszeniertes Bild der ersten Corona-Impfung in Rio de Janeiro. Nicht zu sehen sind die unzähligen Politiker:innen und Journalist:innen, die sich ebenfalls auf der Plattform befanden.

Corona in Brasilien: Kritik an Inszenierung des Impfstarts in Rio de Janeiro

Doch da sich auf der engen Plattform am Fuße der Christusstatue auch zahlreiche Politiker:innen und Medienvertreter:innen versammelt hatten, ließ die Kritik an dem bildstarkem Event nicht lange auf sich warten. Da der Bundesstaat Rio de Janeiro zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Regionen Brasiliens gehört, gelten dort eigentlich strenge Regeln zur Vermeidung von größeren Menschenansammlungen.

Corona in Brasilien: Chaos bei Verteilung des Impfstoffs - Bolsonaro will Militär entsenden

Erstmeldung vom Montag, 18.01.2021: São Paulo – Nachdem die Corona-Pandemie in Brasilien bereits zu einer extrem hohen Zahl an Todesfällen geführt hat, ist die Impfkampagne in dem größten Land Südamerikas am Sonntag (17.01.2021) früher gestartet als ursprünglich geplant. Doch die kurzfristige Notfallzulassung zweier Corona-Impfstoffe sorgt für Unmut. Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro nimmt den Gouverneur des Bundesstaates São Paulo ins Visier und wirft diesem einen „Marketing-Putsch“ vor, mithilfe des Militärs will der Gesundheitsminister die Herausgabe von Impfstoffdosen erwirken. Währenddessen spielen sich an den Stränden von Rio de Janeiro surreale Szenen ab.

Die Krankenschwester Monica Calazans erhält als erste Person in Brasilien eine Corona-Schutzimpfung.

Corona in Brasilien: Impfstoffzulassung fügt Jair Bolsonaro empfindliche Niederlage zu

Eigentlich sollte die Notfallzulassung von gleich zwei Impfstoffen eine gute Nachricht für ein Land sein, in dem sich seit Beginn der Pandemie bereits über acht Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben und mehr als 200.000 Menschen an den Folgen einer Infektion verstorben sind. Für Präsident Jair Bolsonaro jedoch, der selbst eine Corona-Infektion überstanden hatte und die Gefahr des Virus beständig herunterspielt, stellt sowohl der frühere Beginn der Impfkampagne als auch die Zulassung des Impfstoffs Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovacvon eine empfindliche politische Niederlage dar.

Schließlich hatte die brasilianische Zentralregierung ihre Hoffnungen zunächst auf den Impfstoff von Astrazneca und der Universität Oxford gesetzt. Diesem wurde zwar am Sonntag (17.01.2021) mit der Freigabe durch die nationale Arzneimittelagentur Anvisa ebenfalls grünes Licht gegeben. Doch fühlt sich Ex-Militär Bolsonaro durch den vorgezogenen Start der Impfkampagne düpiert, hatte er doch in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass bei den Corona-Impfungen keine große Eile bestünde und mit seinen Warnungen vor unbekannten Nebenwirkungen zunehmend Ängste in der Bevölkerung geschürt.

Name: Jair Messias BolsonaroGeboren: 21. März 1955 (65 Jahre)
Ehepartnerin: Michelle Bolsonaro (seit 2007)Amt: Präsident der Föderativen Republik Brasilien
Kinder: Eduardo Bolsonaro, Flávio Bolsonaro, Carlos Bolsonaro, Renan Bolsonaro, Laura BolsonaroIm Amt seit: 1. Januar 2019

Start der Impfkampagne in Brasilien: Präsident Jair Bolsonaro verharmlost Corona

Hinzu kommt, dass am vergangenen Freitag (15.01.2021) ein Versuch der brasilianischen Zentralregierung scheiterte, zwei Millionen Dosen des Astrazneca-Impfstoffs aus Indien zu importieren, woraufhin eine Zeremonie mit Präsident Jair Bolsonaro abgesagt werden musste. Der von Bolsonaros Erzfeind Joao Doria regierte Bundesstaat São Paulo hatte bereits im Vorfeld ein Abkommen mit dem chinesischen Unternehmen über die Herstellung des Impfstoffs Coronavac verabschiedet, weswegen die Impfungen im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Brasiliens direkt im Anschluss an die Notfallzulassung am Sonntag (17.01.2021) starten konnten.

Die Zentralregierung Brasiliens verlangt nun die Herausgabe der knapp sechs Millionen Impfdosen, die im Bundesstaat São Paulo lagern. Der amtierende Gesundheitsminister Eduardo Pazuello sagte, dass jede einzelne Dose des Corona-Impfstoffs „exklusiv“ dem staatlichen Impfsystem zustehe. Um dies zu Gewährleisten ließ der von Bolsonaro eingesetzte Armeegeneral verlauten, das Militär werde am Montag (18.01.2021) die Impfdosen in São Paulo abholen, um sie fortan landesweit verteilen zu lassen.

Bolsonaros Erzfeind Joao Doria kündigte indessen an, ein Fünftel der Impfdosen in São Paulo zu behalten und sie sofort an die Krankenhäuser verteilen zu lassen. Das entspricht dem Bevölkerungsanteil des Bundesstaates an Brasiliens Gesamtbevölkerung.

Nach Notfallzulassung von Corona-Impfstoff in Brasilien: Volle Strände in Rio de Janeiro

Während der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro und sein Gesundheitsminister Pazuello bereits am Freitag (15.01.2021) Berichte über einen Kollaps der Gesundheitsversorgung in der Amazonas-Metropole Manaus im Nordwesten Brasiliens bestätigten, lassen sich in der Küstenmetropole Rio de Janeiro surreale Szenen beobachten. Fehlt es in den überfüllten Krankenhäusern im Amazonas seit Tagen an dringend benötigtem Sauerstoff für Corona-Patient:innen, drängen sich die Besucher:innen an den weltberühmten Stränden der Stadtteile Copcabana und Ipanema dicht an dicht – und das, obwohl Rio de Janeiro zu einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Bundeststaaten des Landes gehört.

Das Militär im Einsatz gegen die Corona-Pandemie am Internationalen Flughafen in São Paulo (Archivbild).

Die Menschen hätten die Corona-Pandemie inzwischen „völlig banalisiert“, zitierte das Nachrichtenportal „G1“ die Wissenschaftlerin Chrystina Barros von der Bundesuniversität Rio de Janeiro angesichts der Bilder. „Es ist Sommer, also sind sie (der Einschränkungen) müde und die Anziehungskraft der Strände ist sehr groß. Leider geht’s nicht mehr. Wir sehen keine Möglichkeit zu glauben, dass wir das Gewissen der Menschen gewinnen können.“ (Joel Schmidt mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Ellan Lustosa/ imago

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