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Corona-Pandemie: Strenge Kontrollen und Konformität - was die Länder in Asien besser machen als Deutschland

  • vonFelix Lill
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Kontrollen, Kontaktverfolgung, Masken. Viele asiatische Staaten sind bei der Eindämmung der Corona-Pandemie erfolgreicher als Deutschland. Wie bewältigt man das Virus in Fernost?

  • Viele Länder in Asien bekommen die Corona-Pandemie besser unter Kontrolle als Europa.
  • Länder wie Südkorea, Taiwan oder Japan verzeichnen deutlich weniger Infektionen und Todesfälle.
  • Zu Regelverstößen kommt es während der Pandemie in Teilen von Asien selten.

Während in Deutschland und anderswo in Europa die Infektionszahlen wieder stark ansteigen, stehen viele asiatische Länder wesentlich besser da. Fast die Hälfte der weltweiten Neuinfektionen inmitten der Pandemie sind zuletzt in den Ländern Europas registriert worden.

Anders sieht die Situation in vielen Ländern Asiens aus. Auf dem bevölkerungsstärksten Kontinent der Welt schwappt die zweite Welle nicht annähernd so hoch, in Südostasien fielen über die vergangenen Tage sogar die Infektions- und Todeszahlen.

In Japan halten sich die meisten Menschen sehr vorbildlich an die Auflagen des Staates.

Coronavirus: Viele Staaten in Asien meistern die Pandemie besser als Europa

Als absolutes Vorbild kann Taiwan gelten. Der demokratisch regierte Staat südlich des chinesischen Festlandes registriert seit längerem Neuinfektion in bloß zweistelliger Höhe, was nur teilweise an dessen Insellage liegt, die eine Schließung der Grenzen weniger problematisch macht. Es liegt auch an strengen Quarantäneregeln, die rigoros überprüft werden. Wie im ähnlich erfolgreichen Südkorea greift die Regierung Handydaten ab, um von infizierten Personen Bewegungsprofile zu erstellen. So lässt sich verfolgen, wer sich wann wo an welchem Ort aufgehalten hat, wodurch sich Infektionswege effizienter nachvollziehen lassen.

Dass Taiwan das Virus weitgehend im Griff hat, drückt sich auch ökonomisch aus. Laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds wird Taiwan in diesem Jahr als einzige entwickelte Volkswirtschaft neben China ein insgesamt positives Wirtschaftswachstum erreichen.

In Südkorea, wo man zur Kontaktnachverfolgung sogar auf Kreditkartenbewegungen und Chatverläufe zurückgreift, wird das Wachstum im Vergleich mit anderen Ländern nur leicht schrumpfen. Was datenrechtlich problematisch ist, wirkt im Kampf gegen die Pandemie und die dadurch ansonsten erzwungene Rezession.

Coronavirus in Asien: Deutlich weniger Infektionen in Japan

Japan zählt mit 130.000 Infektionsfällen auf 126 Millionen Menschen deutlich weniger Infektionen pro Kopf als die Länder Europas. Das scheint einerseits daran zu liegen, dass man dort von Anfang an die Clusterinfektionsstrategie verfolgte. Dieser Ansatz verzichtet beim Feststellen der Krankenzahl weitgehend auf breitflächiges Testen. Stattdessen werden die Kontaktpersonen von bereits infizierten Personen gesucht und dann getestet.

Während auf diese pragmatische Weise Infektionen übersehen werden, werden zugleich größere Erkenntnisse erzielt, was die Ansteckungswege angeht. Auch wegen dieser Vorarbeit in der Infektionskontrolle ist die zweite Welle, die Japan dieser Tage ereilt, nicht annähernd so hoch wie etwa in Deutschland. Mit nur gut 2.400 Neuinfektionen wurde Mitte November ein Tagesrekord aufgestellt. Die relativ geringe Wucht erklärt sich aber auch dadurch, dass sich die Menschen an Regeln halten. Japans Regierung bestraft ihre Bürger nicht bei Verstößen – es gibt praktisch ohnehin keine. Masken werden getragen, dringende Empfehlungen zur Quarantäne werden beherzigt.

Coronavirus in Asien: Quarantäneregeln in Singapur streng überprüft

Das ähnlich erfolgreiche Singapur mit seinen 5,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zählt nach einem kürzlichen Anstieg der Infektionen nun 58.000 Covid-19-Erkrankungen – aber nur 28 Tote. Das liegt auch daran, dass weitere Ansteckungen vermieden werden konnten. Über die vergangenen zwei Wochen gab es kaum 100 Neuinfektionen. Denn die Quarantäneregeln werden auch hier streng überprüft.

Wer isoliert wird, den beobachtet der Staat mit einer Art elektronischen Fessel oder durch Überprüfung per Handy. Wer durch Quarantäneanordnungen Verdienstausfälle zu beklagen hat, wird vom Staat entschädigt.

Rubriklistenbild: © Philip FONG/AFP

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