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Propaganda für die Jungen

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un angeblich längst geimpft - Regime erlässt Schießbefehl an Grenze

  • vonMirko Schmid
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Kim Jong Un verpasst seiner Staatswerbung ein jüngeres Gesicht. Das Land ist wegen des Coronavirus abgeriegelt, der Diktator ersten Berichten zufolge bereits geimpft.

  • In Nordkorea herrscht der Mangel, das Coronavirus verschärft die Situation.
  • Diktator Kim Jong Un versucht mittels staatlicher Propaganda vom Mangel abzulenken und setzt auf eine junge Zielgruppe.
  • Der engste Kreis um Kim Jong Un soll bereits Impfungen gegen das Coronavirus erhalten haben.

+++ 15.25 Uhr: Einem Medienbericht zufolge sollen in Nordkorea Kim Jong Un und weitere Mitglieder seiner Familie bereits gegen das Coronavirus geimpft sein. Auf der Onlineplattform „19fortyfive“ schreibt Harry Kazianis, Nordkorea-Experte des „Zentrums für Nationale Interessen“ in Washington, dass neben dem Diktator ebenfalls hochrangige Beamte aus dessen Führungsriege in den vergangenen zwei bis drei Wochen geimpft worden sein sollen. Der verwendete Corona-Impfstoff soll Kazianis zufolge aus China stammen. Er beruft sich dabei auf Informationen, die er von zwei japanischen Geheimdienstmitarbeitern erfahren habe.

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un setzt auf harte Maßnahmen

Zur Situation in dem Land schreibt Kazianis außerdem, dass ein Offizieller nach Verstößen gegen die Corona-Verordnungen hingerichtet worden sei. Auch habe das Regime in Nordkorea einen Schießbefehl an den Grenzen erlassen, um jegliche Versuche in das Land einzudringen, zu unterbinden.

Kim Jong Un, der Große Anführer Nordkoreas soll bereits gegen das Coronavirus geimpft sein (Archivbild).

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un richtet Offizielle hin

Erstmeldung vom 02.12.2020: Pjöngjang - In Nordkorea gibt es kein Corona. Die Grenzen wurden früh genug dichtgemacht und der große Anführer Kim Jong Un persönlich hat es geschafft, das kommunistische Land frei vom Coronavirus zu halten, indem er weise und umsichtig agierte. Das in etwa ist Inhalt der Staatspropaganda in Nordkorea. Als eines der wenigen Länder weltweit hat die asiatische „Volksrepublik“ bisher keinen einzigen offiziellen Corona-Fall vermeldet.

Kim Jong Un lässt Offizielle hinrichten, weil er ihnen Versagen im Kampf gegen Corona vorwirft.

Kim Jong Un riegelt Nordkorea und Hauptstadt Pjöngjang wegen Corona ab

Und doch fährt Alleinherrscher Kim Jong Un jetzt eine harte Linie zur Abwehr des Coronavirus, der laut nordkoreanischer Staatspropaganda per „gelbem Staub“ aus China herüberwehen soll. Zwei Offizielle sollen hingerichtet worden sein, weil Kim ihnen Versagen in der Bekämpfung der Corona-Pandemie vorwarf.

Die Hauptstadt Pjöngjang mit ihrer Population von knapp 2,9 Millionen Menschen ist im kompletten Lockdown, die Regierung ruft die Bevölkerung dazu auf, in ihren Häusern zu bleiben, die Straßen sind ausgestorben. Die Region Jangjang an der Grenze zu China ist strikt abgetrennt, um zu verhindern, dass das Virus sich aus dem Nachbarland eingeschleppt ausbreitet.

Während er sein Land abriegelt, beschäftigt sich Kim Jong Un gleichzeitig mit seinem Image. Nordkorea ist bettelarm und gebeutelt von Sanktionen, Waren bezieht das karge Land fast ausschließlich aus China. Und doch ist die Koreanische „Volksrepublik“ auf Einnahmen aus dem Tourismus und somit darauf angewiesen, die vergleichsweise wohlhabenden chinesischen Urlauberinnen und Urlauber ins Land zu locken.

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un die Staatspropaganda modernisieren

In einer sich rasant veränderten Umwelt muss Nordkorea befürchten, abgehängt zu werden. Die herkömmliche Propaganda mit Plakaten, Staatsfernsehen und patriotischen Radioberichten hat ihre durchschlagende Wirkung verloren, seit das Internet die Informationsbeschaffung revolutioniert hat.

Auch wenn die meisten Websites in Nordkorea gesperrt sind, finden Nachrichten und Bilder abseits der Staatspropaganda ins Land. Kim Jong Un ist sich dessen bewusst und versucht jetzt, die staatliche Propaganda auch für jüngere Generationen aufbereitet anzubieten und so auch die Onlinekanäle linientreu zu gestalten.

Wie der „Spiegel“ in einer ausführlichen Geschichte berichtet, erschafft das Regime in Nordkorea eigene „Youtuber“, junge, loyale und auf hip getrimmte „Korrespondenten“, die aufwendig aufbereitetes Videomaterial aus den weniger von Armut geprägten Fleckchen des Landes auf die Smartphones der jungen Generation bringen. Eine der populärsten nordkoreanischen Videobloggerinnen ist Un A, die im Rahmen ihrer Serie „What‘s Up Pyongyang“ die protzerischen Fassaden und Plätze von und vor Versammlungshallen und Regierungsgebäuden portraitiert.

In Nordkorea hungern Menschen - Kim Jong Un überspielt Mangel mit Staatspropaganda

Ganz ähnlich der Youtube-Kanal „Echo of Truth“. Hier führen junge „Guides“ auf russisch, koreanisch und englisch durch die Hauptstadt und produzieren steif auf gute Laune polierte Bilder von Menschen in Achterbahnen und von reich gefüllten Supermarktregalen. Die Nachricht: Uns geht es gut, im Korea des Kim Jong Un muss niemand hungern. Die Lebensrealität vieler Menschen in Nordkorea sieht anders aus.

Im Interview mit dem „Spiegel“ widerspricht der Politologe Kang Dong-wan der nordkoreanischen Selbstdarstellung. „Der Alltag dort unterscheidet sich sehr stark von der Welt, die wir in den Videos zu sehen bekommen,“ so Kang, „Es mag nicht leicht sein, alle Regale in den Supermärkten zu füllen, aber es gibt noch Nachschub. Das bedeutet nicht, dass die nordkoreanische Wirtschaft gut läuft.“

Und die Menschen in Nordkorea gelangen immer mehr an Informationen über den wahren Zustand ihrer Nation. Auch wenn das Internet weitgehend durch die Regierung um Kim Jong Un gesperrt ist, sollen immer mehr südkoreanische Serien, Filme und Nachrichten per eingeschmuggelter Datenträger wie Micro-SD-Karten ins Land gelangen, berichtet der Politologe.

„Moranbong Band“: Kim Jong Un gründet „Girlband“

Kim Jong Un und seine Abteilung für Propaganda und Agitation der Arbeiterpartei müssen Schritthalten, wollen sie die herrschenden Zustände aufrecht erhalten. Und so steuern die Machthabenden beispielsweise mit einer „Girlband“ nach westlichem Vorbild dagegen. Die „Moranbong Band“ gibt staatlich organisierte Konzerte, verbreitet Propagandabotschaften in ihren Texten, bespielt die Social Media-Kanäle. Der Wettlauf um die jungen Menschen hat begonnen in Nordkorea. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © dpa

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