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Pandemiegeschehen

Neue Corona-Varianten: Biontech-Impfstoff schützt nur bedingt

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Neue Corona-Varianten sind unlängst in Brasilien und Südafrika aufgetaucht. Laut Studien wirkt der Impfstoff von Biontech/Pfizer nicht gegen alle Varianten des Virus.

  • Nach der britischen Variante des Coronavirus werden weitere Mutante bekannt.
  • Der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll gegen die Mutation B.1.1.7. aus Großbritannien wirksam sein.
  • Bei neuen Varianten aus Brasilien und Südafrika sind Reinfektionen mit dem Coronavirus möglich.

Berlin – Gute und weniger gute Nachrichten zum Impfstoff von Biontech/Pfizer: Studien deuten darauf hin, dass er zuverlässig auch vor der britischen Variante des Coronavirus schützt. Bei den Mutanten aus Südafrika und Brasilien aber sieht es danach aus, dass der Schutz nicht voll greift.

Zudem könnte grundsätzlich die Wirksamkeit des Impfstoffs nach der ersten von zwei nötigen Dosen geringer sein als bisher angenommen. Das würde das Vorgehen von Großbritannien infrage stellen, die zweite Impfung später als vorgesehen zu verabreichen, um mehr Menschen die erste Dosis geben zu können.

Neue Corona-Mutante: Impfstoff von Biontech/Pfizer gewährt geringeren Schutz nach der ersten Dosis

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ und die „Times of Israel“ berichten, geht der israelische Coronavirus-Berater Nachman Ash davon aus, dass der Schutz nach der ersten Dosis geringer ist „als wir gedacht haben“ und wahrscheinlich niedriger ausfalle, „als von Pfizer präsentiert“. Allgemein wird die Wirksamkeit nach der ersten Impfung mit 52 Prozent beziffert; nach der zweiten Impfung soll sie bei 95 Prozent liegen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Wirkung nach der ersten Dosis nicht sofort, sondern erst nach zehn bis 14 Tagen eintritt.

Zugleich gibt es eine gute Nachricht. Das Sheba Medical Center bei Tel Aviv untersuchte sein Krankenhauspersonal. Ergebnis: 98 Prozent des Personals wiesen nach der zweiten Dosis ein hohes Niveau an Antikörpern auf. Mehr als gedacht also.

Beobachtungen deuten daraufhin, dass der Schutz nach der ersten Dosis des Biontech/Pfizer-Vakzins geringer sein könnte als bisher angenommen.

Impfstoff von Biontech/Pfizer: Studien belegen Wirksamkeit gegen Corona-Variante aus Großbritannien

In Israel sind mehr als zwei Millionen Menschen geimpft, gut 400 000 davon haben bereits die zweite Dosis. Laut israelischem Gesundheitsministerium wurden bis Anfang der Woche 12 400 Menschen trotz Impfung positiv auf das Virus getestet, davon hatten 96 auch die zweite Dosis erhalten. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Israel trotz Impfung und Lockdown nach wie vor sehr hoch, allein am Dienstag wurden 10 000 gemeldet, 30 bis 40 Prozent der zuletzt untersuchten positiven Proben zeigten die Virus-Variante aus Großbritannien.

Die Impfung von Biontech/Pfizer soll Studien zufolge gegen die britische Variante beziehungsweise gegen den Stamm B.1.1.7. des Coronavirus wirken. Die Hersteller des Biontech/Pfizer-Vakzins hatten sich bereits vor Wochen optimistisch gezeigt, ihr Impfstoff schütze vor dieser Mutante. Die Einschätzung gründet auf Laboruntersuchungen, bei denen die Blutseren von 16 Teilnehmer:innen der Impfstoff-Studien dem ursprünglichen Virus aus Wuhan und der britischen Mutante ausgesetzt wurde. Beide Varianten seien gleich neutralisiert worden, heißt es. Zudem weist Biontech/Pfizer darauf hin, die neue mRNA-Technologie erlaube, auf Mutationen zu reagieren und Vakzine anzupassen.

Corona-Variante und Impfstoffe: Einfallstor ist das Spike-Protein

Diese Annahme, dass eine durchgemachte Infektion mit dem bislang kursierenden Coronavirus und die darauf abgestimmte Impfung auch vor der neuen britischen Variante schützen, wird von weiteren Studienergebnissen gestützt. Das berichten unter anderem die Medizinportale Medicalexpress (USA) und Doc-Check (Deutschland). So hat ein britisch-niederländisches Forschungsteam getestet, ob die Antikörper aus den Blutproben von 36 Patient:innen, die unterschiedlich schwere Verläufe von Covid-19 überstanden haben, die britische Variante neutralisieren können. Laut Medicalexpress gelang das in den meisten – aber nicht allen – Fällen.

Für die südafrikanische und die brasilianische Mutante dürfte das aber vermutlich nicht zutreffen, zumindest nicht zu hundert Prozent. Allen bekannten Varianten gemeinsam ist, dass sie mehrere Mutationen am Gen für das Spike-Protein aufweisen, mit dem das Virus an die menschlichen Zellen dockt. Gegen dieses Protein zielen alle bisher entwickelten Impfstoffe.

Corona-Varianten aus Brasilien und Südafrika: Reaktionen auf Impfstoffe müssen erforscht werden

In den Varianten, die in Südafrika und Brasilien entdeckt wurden, findet sich an diesem Spike-Protein-Gen nun eine bestimmte dominante Mutation mit Namen E484K, die offenbar dem Immunschutz entkommen kann, den der Körper durch eine frühere Infektion oder eine Impfung gebildet hat. Die Varianten, die diese Mutationen tragen, sollen ein „signifikantes Risiko einer Reinfektion“ bergen und dürften vermutlich auch eine „Bedeutung“ für die Impfstoffe haben, werden die Studienautoren im „Medicalexpress“ zitiert.

Berichte von Reinfektionen aus Südafrika und Brasilien bestätigen den Verdacht. So kam es in der Stadt Manaus zu einem neuerlichen Corona-Ausbruch, obwohl dort 75 Prozent der Bevölkerung bereits eine Infektion durchgemacht haben sollen. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa/POOL/dpa

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