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Corona-Pandemie

Indische Corona-Variante löst weltweit Sorge aus – Lufthansa hält an Flugverbindungen fest

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  • Sophie Vorgrimler
    Sophie Vorgrimler
  • Delia Friess
    Delia Friess
  • Sonja Thomaser
    Sonja Thomaser

Indien verzeichnet die bisher größte Corona-Welle weltweit. Mitverantwortlich für die dramatische Lage soll auch die neue Mutante B.1.617 sein. Trotzdem bleibt die Lufthansa bei ihren Verbindungen.

Update vom Dienstag, 27.04.2021, 10.10 Uhr: Die Lufthansa hält ihre Flugverbindungen nach Indien trotz der dramatischen Corona-Lage auf dem Subkontinent vorerst weiter aufrecht. „Mit unserem Flugangebot erhalten wir auch unter anderem eine geringe Mindestkonnektivität und geben damit insbesondere deutschen Bürgern und Bürgerinnen die Sicherheit, gesellschaftlich oder wirtschaftlich wichtige Aufgaben erledigen zu können oder nach Hause zu kommen“, erklärte am Dienstag ein Unternehmenssprecher in Frankfurt.

Zudem würden die Frachtkapazitäten für notwendige Transporte genutzt. Lufthansa fliegt nach eigenen Angaben derzeit zehn Verbindungen pro Woche zwischen Frankfurt und Indien. In der Bundesregierung gibt es nach Informationen der „Deutschen Presse-Agentur“ Überlegungen, den Flugverkehr mit dem Land vorübergehend ganz zu stoppen.

Lufthansa-Flugzeuge am Frankfurter Flughafen. (Symbolfoto)

Indien: Mutante verschlimmert Corona-Lage

Update vom Montag, 26.04.2021, 10.00 Uhr: Indien leidet immer stärker unter der Last der Coronavirus-Pandemie - womöglich verstärkt durch die Ausbreitung der indischen Virusmutante B.1.617. Die Variante weist mehrere Mutationen auf, darunter E484Q und L452R. Mit diesen Abkürzungen wird die genaue Position der jeweiligen Erbgutveränderung im Virus-Genom angegeben. Die beiden Mutationen sind der Grund, warum B.1.617 auch als Doppelmutante bezeichnet wird.

E484Q ähnelt einer Mutation, die auch bei den südafrikanischen, brasilianischen und britischen Mutanten festgestellt wurde: der Mutation E484K. Diese wird von Experten als „Escape-Mutation“ bezeichnet, da sie dem Virus hilft, dem Immunsystem des menschlichen Körpers zu entkommen. Die zweite Mutation, L452R, ist einer kalifornischen Studie zufolge ein „effizienter Verbreiter“ für das Virus.

Ob die beiden Mutationen die Variante tatsächlich gefährlicher machen, ist noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftlern zufolge sind weitere Daten nötig, um B.1.617 als gefährliche Variante einzustufen.

Die Corona-Pandemie in Indien hat sich dramatisch zugespitzt.

Wirken Impfstoffe gegen die Mutante?

Die indische Mutation E484Q ist verwandt mit der britischen, südafrikanischen und brasilianischen Mutation E484K. Diese steht im Verdacht, den Schutz durch die Antikörper zu verringern, die ein Mensch nach einer vorangegangenen Erkrankung oder Impfung gegen das Corona-Virus aufgebaut hat, wie der Evolutionsvirologe Stephen Goldstein von der Universität Utah erklärt.
Nach Angaben des indischen Experten Mishra wird die Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die indischen Mutante derzeit getestet. Experten sind der Meinung, dass eine Impfung in jedem Fall einen gewissen Schutz bietet, insbesondere vor einem schweren Verlauf der Krankheit.

Corona-Mutante aus Indien: Bundesregierung plant Einreiseverbot wegen Virusvariante

Update, 12.25 Uhr: Die Bundesregierung plant, Indien zum sogenannten Virusvarianten-Gebiet zu erklären. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Sollte sich das Kabinett um Bundeskanzlerin Angela Merkel zu diesem Schritt entscheiden, wäre die Einreise aus Indien nach Deutschland nur noch in Ausnahmefällen gestattet.

Das Einreiseverbot aus Indien würde in Deutschland ab Montag gelten. Die Bundesregierung reagiert damit auf die Verbreitung der neuen Coronavirus-Variante B.1617. „Um unsere Impfkampagne nicht zu gefährden, muss der Reiseverkehr mit Indien deutlich eingeschränkt werden“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) laut den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ein Familienmitglied eines Corona-Toten vollzieht in einem Krematorium dessen letzte Ölung. Indiens unterfinanziertes Gesundheitssystem kollabiert angesichts der bislang schlimmsten Corona-Welle, weltweit.

Corona-Mutante B.1617 verbreitet sich in Indien - Lauterbach warnt vor Mutante

Update vom Samstag, 24.04.2021, 10.00 Uhr: Angesichts der Corona-Infektionslage in Indien haben Politiker und Gesundheitsexperten schnelle Handlungen gefordert. Der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte bereits auf Twitter vor der Corona-Variante B.1.617, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde, gewarnt. Da die Corona-Mutante mittlerweile auch in Europa, darunter Belgien und Deutschland, aufgetaucht ist, werden Rufe nach einem schnellen Handeln und einem Flugstopp aus Indien lauter.

Corona-Variante B.1.617 aus Indien: Gefährlichkeit wird noch erforscht - Flugstopp gefordert

So forderte Manfred Weber (CSU), Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament, die sofortige Einstellung aller Flugverbindungen aus Indien in die EU. „Die indische Doppelvariante scheint sich schnell auszubreiten und die Situation dort droht, außer Kontrolle zu geraten“, warnte Weber gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Eine Corona-Patientin sitzt weinend auf einem Bett in einem Krankenhaus, nachdem durch ein Leck in einem Sauerstofftank in dem Krankenhaus die Sauerstoff-Versorgung für einige Zeit unterbrochen war. Mindestens 22 Corona-Patienten sind infolge eines undichten Sauerstofftanks in einem indischen Krankenhaus gestorben.

Ob die Variante ansteckender oder zu schwereren Verläufen führt, sei derzeit nicht bekannt, berichtet hingegen Ärzteblatt.de. Dem Fachblatt zufolge stufe „Public Health England“ B.1.617 nur als „Variant under investigation“ ein und auch das Robert-Koch-Institut (RKI) habe sie bisher nicht auf die Liste der besorgniserregenden Virus­varianten gesetzt. Wie das Ärzteblatt weiter berichtet, sei der Begriff „Doppelmutante“ nach Ansicht von Sharon Peacock von der Universität Cambridge, Direktorin des COVID-19 Genomics UK Consortium („COG-UK“), ungenau. Der Begriff „Doppelmutante“ sollte deshalb ebenso vermieden werden wie die Bezeichnung „Indienvariante“, da unklar sei, wo B.1.617 Variante entstanden ist, berichtet die Fachzeitung außerdem. Es sei denkbar, dass uns die „Variante vor neue Herausforderungen“ stelle, Belege seien aber noch nicht da, sagte RKI-Vizechef Lars Schaade.

Politiker und Ärztepräsident fordern Flugstopp aus Indien wegen Corona-Mutante

CSU-Politiker Weber hingegen fordert, dass diesmal die EU-Innenminister schneller und konsequenter handeln und sofort ein vorübergehendes Verbot von Flügen aus Indien und Einreisebeschränkungen verhängen müssten. Kanada und Großbritannien hätten bereits entsprechende Schritte eingeleitet hätten, begründete Weber seine Forderungen. Insgesamt müssten die EU-Länder „aufgrund der Dynamik der Corona-Pandemie besser und schneller im koordinierten Vorgehen werden“.

Auch Frank Ulrich Montgomery, Weltärzte-Präsident. sprach sich für Schutzmaßnahmen gegen die indische Corona-Variante aus. „Die indische Mutationsvariante des Virus, die besonders ansteckend und besonders gefährlich sein soll, führt uns deutlich vor Augen, wie wichtig internationale Absprachen, konsequente Lockdown-Maßnahmen und Einschränkungen der Mobilität sind“, sagte er der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Indische Corona-Mutante in Belgien entdeckt

Update vom Freitag, 23.04.2021, 09.59 Uhr: Zum ersten Mal ist die neue indische Variante des Coronavirus in Belgien entdeckt worden. Die doppelte Mutation, die Variante B.1.617, sei bei einer Gruppe von 20 indischen Studenten nachgewiesen worden, die Mitte April mit dem Flugzeug in Paris gelandet waren und anschließend per Bus nach Belgien gekommen seien, berichteten die belgischen Behörden. Die Studierenden stehen demnach in Aalst und Leuven unter Quarantäne. Dort wollten sie eine Ausbildung als Krankenpfleger:innen beginnen.

Das Coronavirus breitet sich in Indien immer schneller aus. (Symbolbild)

Vor ihrem Abflug nach Europa mussten sich die Studenten einem PCR-Test und dann bei der Ankunft erneut einem Schnelltest unterziehen. Fünf Tage nach ihrer Busfahrt zeigten sie dann erste Symptome einer Corona-Erkrankung.

Corona-Mutante aus Indien bereits in anderen Staaten entdeckt

Die sogenannte Doppel-Mutante des Coronavirus aus Indien ist bereits in anderen Staaten entdeckt worden, darunter in den USA, Australien, Israel und Singapur. Viele Länder haben deshalb Einreisesperren für Reisende aus Indien erlassen oder Reisewarnungen ausgegeben.

Erstmeldung vom Donnerstag, 23.04.2021, 16.44 Uhr: Neu Dehli - Die Infektionszahlen in Indien explodieren. So viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag gab es weltweit noch nie in einem Land: Binnen 24 Stunden sind fast 315.000 neue Corona-Fälle registriert worden. Mehr als 2000 Menschen starben in diesem Zeitraum, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag (22.04.2021) in Neu Delhi mitteilte.

Für den massiven Anstieg der Infektionszahlen wird unter anderem eine indische Doppelmutation des Coronavirus verantwortlich gemacht. Das Virus hat sich in Indien, wie zuvor auch in Großbritannien und Südafrika, verändert. Die Variante B.1.617, wie Wissenschaftler:innen die indische Variante getauft haben, gilt als besonders tückisch. Sie trägt zwei Mutationen des Spike-Proteins in sich, dies ist der wichtigste Türöffner für das Sars-CoV-2-Virus, um neue Menschen zu infizieren.

Wegen der doppelten Corona-Mutation haben viele Länder Einreisesperren für Reisende aus Indien erlassen. Mehrere Staaten gaben Reisewarnungen aus - die USA selbst für bereits gegen das Coronavirus geimpfte Menschen. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Dienstag (20.04.2021) Deutsche in Indien, die nicht gegen Corona geimpft sind, aufgefordert, sie sollten „eine temporäre Rückkehr nach Deutschland bis zur Stabilisierung der medizinischen Versorgungslage erwägen“.

Corona-Mutante aus Indien: Lauterbach warnt

Die Sorge, die die Wissenschaft beschäftigt ist, ob die indische Mutante B1.617 aufgrund ihrer Doppelmutation in der Lage sein könnte, Ungeimpfte schneller anzustecken und sogar geimpfte Menschen neu anzustecken.

Daher hatte auch Karl Lauterbach am Montag (19.04.2021) vor der indischen Doppelmutante des Coronavirus gewarnt. „In Indien bahnt sich Covid Katastrophe an“, schrieb der SPD-Gesundheitsexperte auf Twitter. „Neue Mutation B1.617 setzt sich massiv durch, auch gegen B117. Da B1.617 sich auch bei Impfung durchsetzen kann, kommt auch auf Europa ein Problem zu.“

Corona-Pandemie

Alles Wichtige zur Corona-Pandemie finden Sie im kompakten Überblick in den Corona-News.

Corona-Mutante aus Indien ansteckender als ursprüngliches Coronavirus

Bisher steht fest, dass die indische Mutante generell ansteckender ist als das ursprüngliche Coronavirus. Ob sie allerdings auch leichter übertragbar ist als die hochansteckende britische Corona-Mutante B.1.1.7, weil sie in einigen Gebieten die B.1.1.7-Mutante verdrängt, ist noch unklar. Festgestellt wurde bisher aber, dass die für die erhöhte B.1.1.7-Infektiosität wichtige Mutation N501Y in der indischen Mutante fehlt, so die „F.A.Z.“.

Völlig unklar ist aber, wie es um den Impfschutz bei der indischen Corona-Variante steht. Die beiden Mutationen der indischen Variante werden „mit einer reduzierten Neutralisierbarkeit durch Antikörper oder T-Zellen in Verbindung gebracht, deren Umfang nicht eindeutig ist“, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage vom „ZDF“. Es könne also sein, dass auch geimpfte Personen sich anstecken und auch der Immunschutz einer durchlaufenen Erkrankung nicht vor einer erneuten Infektion schützt. Es ist also möglich, dass die Impfwirkung bei der indischen Corona-Mutante gebremst wird und man dann bei einer Ansteckung trotz Impfung an Corona erkrankt, wie es bei der südafrikanischen Mutante der Fall ist, bei der es zu einer deutlichen Verringerung der neutralisierenden Antikörper kommt.

Corona-Mutante aus Indien: Verbreitung bremsen

Die gute Nachricht ist aber, dass diese Immundämpfung es auch bei den bisherigen Mutanten nicht bewirkt hat, dass die Schutzwirkung der Corona-Impfstoffe völlig aufgehoben wurde, so die „F.A.Z.“: Die Impfstoffe lösen eine so breite Immunantwort aus, dass in den meisten Fällen offenbar immer noch genügend wirksame Antikörper und T-Immunzellen vorhanden sind.

Von entscheidender Bedeutung wird sein, wie schnell man mit der Impfstrategie global vorankommt und inwiefern es gelingt, die Verbreitung von Corona-Mutanten, sei es die südafrikanische, die britische oder eben jetzt die indische, zu bremsen. Da sind sich Fachleute einig. (Sonja Thomaser mit afp)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler

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