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Covid-19

Corona-Mutante kursieren: So ist die Lockdown-Lage in Deutschlands Nachbarstaaten

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Neben Deutschland setzen auch zahlreiche andere europäische Staaten auf einen Lockdown in der Pandemie. Ein zentrales Problem sind Corona-Mutationen: Wie das Infektionsgeschehen vor Ort ist.

  • Der Corona-Pandemie* entgegnen zahlreiche Nachbarstaaten Deutschlands mit einem Lockdown.
  • Allerdings kursieren auch vielerorts neue Mutanten des Coronavirus Sars-CoV-2.
  • Im Vergleich zu Deutschland zeigen sich einige Unterschiede in der Pandemie-Strategie.

Frankfurt – Als Ende des Jahres 2019 die Nachricht von einem sich in Wuhan ausbreiteten Virus* in Deutschland kursierte, dachten wohl die wenigsten, dass sich die Bundesrepublik Mitte Februar des Jahres 2021 bereits im zweiten Lockdown einer Pandemie befinde würde. Dieser wurde bis Anfang März begrenzt*, allerdings steht die Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen im Vordergrund. Derzeit verhalten sich die Zahlen an Neuinfektionen positiv*, sie sinken stetig – es gibt nur vereinzelte Ausreißer. Das sei das Ergebnis des strikten Lockdowns, werden Politikerinnen und Politiker der großen Koalition nicht müde zu betonen.

Doch nicht nur Deutschland hat sich einen Lockdown auferlegt, einige Nachbarstaaten ebenfalls. Wie die Corona-Lage, das Infektionsgeschehen und der Umgang mit neuen Mutanten vor Ort ist, zeigt der Überblick.

Corona in Frankreich – Lage ist angespannt

Anders als in Deutschland, wo mittlerweile Neuinfektionen im niedrigen vierstelligen Bereich verkündet werden, ist die Lage in Frankreich, mit einer Bevölkerung von 67 Millionen Menschen, angespannter. Die französischen Gesundheitsbehörden melden regelmäßig rund 20.000 neue Corona-Infektionen – Tendenz steigend. Vor Ort gilt eine Ausgangssperre ab 18 Uhr. Es gilt zwar keine Homeoffice-Pflicht, eine dringende Empfehlung wurde jedoch ausgesprochen. Trotz schlechterer Corona-Werte als in Deutschland hat Frankreich allerdings seit dem Sommer die Schulen und Kitas offengelassen. Allerdings gelten auch dort verschärfte Regeln, wie das Tragen medizinischer Masken für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. Jean Castex, französischer Premierminister, sagte kürzlich über den Lockdown: Man kenne „die wirtschaftlichen, sozialen, menschlichen und manchmal sogar gesundheitlichen Folgen“. Die aktuelle Lösung zu beschließen, sei für die Politik der letzte Ausweg gewesen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

In Europa kursieren derzeit verschiedene Corona-Mutante. (Archivfoto)

Trotz höherer Neuinfektionszahlen unterscheidet ein Aspekt Frankreich von Deutschland. Die Sterblichkeitsrate von Covid-19-Erkrankten ist dort circa 40 Prozent niedriger. Eine mögliche Erklärung dafür stellt die Tatsache dar, dass Frankreich nahezu doppelt so viele Corona-Tests durchführt und Erkrankungen früher erkannt werden können. Das berichtet die „Deutsche Presse-Agentur“.

Die kursierenden Corona-Mutanten machen sich in Frankreich bemerkbar. Zwischen 20 und 25 Prozent der Neuinfektionen waren vergangene Woche auf die Sars-CoV-2-Variante aus Großbritannien zurückzuführen. Die Varianten aus Brasilien und Südafrika machen hingegen lediglich zwischen vier und fünf Prozent der Infektionen aus. Angesichts der raschen Ausbreitung der neuartigen Viren zeigt sich Clément Beaune, französischer Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, beunruhigt – und warnt vor „bösen Überraschungen“, beispielsweise an den Grenzen. Deshalb stehe er im regen Austausch mit den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Corona-Lage in Frankreich fassen die Gesundheitsbehörden auf einer Karte übersichtlich zusammen.

Corona in Tschechien: Hohe Infektionszahlen

In Tschechien scheint die Lage zum Infektionsgeschehen zunächst ähnlich wie in Frankreich. Seit Wochen melden die Gesundheitsämter Neuinfektionszahlen zwischen 15.000 und 17.000. Allerdings sind diese Fallzahlen für Tschechien deutlich dramatischer, da die Bevölkerung viel kleiner ist. In Tschechien leben knapp elf Millionen Menschen. Auch dort herrscht aktuell eine Lockdown-Situation: Maskenpflicht in Innenräumen und im Freien, nächtliche Ausgangssperre, geschlossener Einzelhandel, Einreisestopp. Die Regierung hat erst Anfang der Woche einen neuen, zweiwöchigen Notstand in Tschechien verhängt. Auf diese Weise hofft Ministerpräsident Andrej Babiš, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bekommen.

Auch in Tschechien kursieren bereits mehreren Virusvarianten von Sars-CoV-2. Sorgen bereitet den Behörden insbesondere die Mutante aus Großbritannien, die einen Großteil der mutationsbedingten Neuinfektionen ausmacht. „Die Situation ist nicht gut, eine sehr ansteckende britische Corona-Mutante breitet sich im ganzen Land aus“, sagte Ministerpräsident Babiš am Montag (15.02.2021). Deutschland hat Tschechien mittlerweile zum Virusmutationsgebiet erklärt. Die Corona-Lage vor Ort fassen die Gesundheitsbehörden im Überblick zusammen.

Corona in Österreich: Ausbau der Teststrategie statt Lockdown

Österreich hat den Lockdown vor circa einer Woche aufgeweicht: Schulen, Friseure und Läden sind wieder vollständig geöffnet. Zutrittsbedingung ist bei Schulen und Friseuren, definiert als „körpernahe Dienstleistungen“, ein negativer Corona-Test. Lag die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen im November des Jahres 2020 noch auf Rekordniveau, sinkt sie seitdem stetig. Mittlerweile werden lediglich zwischen 1200 und 1500 Neuinfektionen täglich vermeldet. Diese Zahl muss im Kontext der im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Bürgerinnen und Bürgern, knapp neun Millionen Menschen, bewertet werden. Die Gastronomie bleibt hingegen vorerst geschlossen. Über weitere Lockerungen ab Ostern denkt die Regierung derzeit laut nach.

Im Überblick: Wie das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschlands Nachbarländern ist. (Illustration)

Im Vergleich zu Deutschland setzt Österreich auf eine andere Vorgehensweise in der Pandemie. Statt den Inzidenzwert im Land so niedrig wie möglich zu drücken, wurden die Testkapazitäten deutlich erhöht. Solange sich die Werte einpendeln und stabil bleiben, habe diese Strategie Bestand, heißt es aus den österreichischen Gesundheitsbehörden. Seit den Corona-Lockerungen wurden bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen in Österreich getestet. „Wir sind unter den Ländern, die am meisten testen in ganz Europa“, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz jüngst, wie die österreichische Nachrichtenagentur „APA“ berichtet. Die Strategie unterstützen sollen ab März sogenannte „Wohnzimmer-Tests“. Dabei handelt es sich um Schnelltests für Zuhause, die auch in Deutschland ab März zur Verfügung stehen sollen. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* am Dienstag (16.02.2021) an. Die Corona-Tests für Zuhause dienen allerdings nur der eigenen Kontrolle. Sie eignen sich nicht als Vorlage, um die Schule besuchen zu können.

Corona-Mutanten sind in Österreich ebenfalls ein Thema. Insbesondere die britische und die südafrikanische Variante verbreiten sich im Land. Es sei Vorsicht geboten, betonte Bundeskanzler Kurz am Montagabend. Die Corona-Lage zeigen die Behörden in Österreich auf einer Karte auf.

Corona in den Niederlanden: Mutanten breiten sich aus

In den Niederlanden gilt vorerst ein Lockdown. Bis Ende Februar ist das öffentliche Leben sehr eingeschränkt. Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen rückläufig, die Behörden schätzen die Lage aber kritisch ein. Die nächtliche Ausgangssperre wurde deshalb kürzlich bis Anfang März verlängert. Gelockert wurde hingegen im Bereich der Grundschulen. Seit Montag (15.02.2021) findet wieder Präsenzunterricht statt.

Unabhängig von Corona-Restriktionen wagen die Niederlande ein Pilotprojekt im Veranstaltungssektor. Theater und Kabarettshows sollen vor Zuschauern stattfinden. Auch in Fußballstadien soll Publikum zugelassen werden, unter umfangreichen Hygienekonzepten. Zutrittsbedingung ist ein negativer Corona-Test. Das berichtet die niederländische Nachrichtenagentur „ANP“. Auch in den Niederlanden spielen Corona-Mutanten bezüglich der Neuinfektionen eine immer größere Rolle. Die örtlichen Behörden schätzen, dass circa die Hälfte der neuen Infektionen auf verschiedene Varianten zurückzuführen ist, vor allem auf die britische. Genaue Daten dazu fehlen allerdings noch. Mehrere Studien sollen das Feld untersuchen, wie die „Deutsche Presse-Agentur“ berichtet. Die Corona-Lage in den Niederlanden fassen die Gesundheitsämter auf einer Karte zusammen.

Corona in Dänemark: Lockdown trotz sinkender Zahlen

Dänemark verschärft ab Mittwoch (17.02.2021) die Corona-Maßnahmen im Land. Grund dafür sind kursierende Mutanten. Das bezieht sich vor allem auf die Varianten aus Südafrika und Großbritannien. Laut Angaben des dänischen Gesundheitsinstituts „SSI“ ist mittlerweile mehr als jede vierte Probe des Virus von der britischen Mutante kontaminiert. Die neuen Regeln betreffen insbesondere Berufspendler, die nun einen lediglich drei Tage alten Corona-Test zur Einreise vorlegen dürfen. „Es ist wichtig, dass Leute, die im Grenzland wohnen und arbeiten, die Grenze überqueren können“, betonte der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke – und ergänzte: „Es ist aber auch wichtig, Dänemark gegen Virus-Varianten zu beschützen, die eine größere Unsicherheit in der Epidemie schaffen können.“

Die Corona-Fallzahlen entwickeln sich – unabhängig von kursierenden Mutante – seit Dezember vergangenes Jahres positiv. Wurden damals noch 4000 Neuinfektionen täglich vermeldet, sind es nun oftmals zwischen 500 und 1000. Zur Einordnung ist auch in diesem Fall ist wichtig, dass in Dänemark knapp sechs Millionen Menschen leben, nicht wie in Deutschland mehr als 83 Millionen. Die dänischen Gesundheitsbehörden informieren über die Corona-Lage vor Ort in einem Überblick.

Corona in Polen: Mutanten spielen kaum eine Rolle

In Polen entwickeln sich die Corona-Fallzahlen ebenfalls positiv, allerdings auf einem höheren Niveau als in Dänemark. Unter fast 38 Millionen Menschen, die in Polen leben, kommt es täglich zu rund 7000 Neuinfektionen. Das vermelden die Gesundheitsämter regelmäßig. Das Land hat erst kürzlich einige Corona-Lockerungen beschlossen. Kinos, Skigebiete und Hotels dürfen wieder öffnen. Dadurch erfreuen sich zahlreiche Veranstaltungen großer Beliebtheit: Dort kam bereits zu Verstößen.*

Die Wiedereröffnungen sind Teil einer zweiwöchigen Testphase. Anschließend soll das Infektionsgeschehen neu beurteilt werden. Von den Lockerungen verspricht sich die polnische Regierung insbesondere eine Revitalisierung der lokalen Wirtschaft, wie die polnische Nachrichtenagentur „PAP“ berichtet.

Bezüglich der Corona-Mutanten bleibt die Regierung um Premierminister Mateusz Morawiecki vorsichtig. Nach der Einreise nach Polen ist eine zehntägige Quarantäne notwendig.

Corona in Belgien: Rückgang der Infektionszahlen

In Belgien verzeichnen die Gesundheitsbehörden einen Rückgang der Infektionszahlen. Diese befinden sich auf einem ähnlichen Niveau, wie in Deutschland, wobei auch in diesem Fall die Bevölkerungsgröße in Relation gesetzt werden muss. In Belgien leben rund elfeinhalb Millionen Menschen. Im Vergleich zu Deutschland sind die Infektionszahlen, trotz des Rückgangs, immer noch auf einem kritischen Niveau. Im Kontrast zu den sinkenden Fallzahlen der Neuinfektionen steigt die Todesrate unter den Betroffenen. Das berichten mehrere belgische Medien übereinstimmend.

Derweil ist die Lage bezüglich Corona-Mutanten in Belgien unklar. Mehrere Fälle wurden bereits vermeldet, jedoch existieren noch keine übersichtlichen Studien dazu. Die allgemeine, pandemische Lage in Belgien beschreibt die belgische Gesundheitsbehörde in einer Übersicht.

Corona in Luxemburg: Steigende Zahlen – Maßnahmen verlängert

Luxemburg hat die Corona-Maßnahmen jüngst bis Mitte März verlängert. Auch dort sind steigende Inzidenzen der Grund. Unabhängig vom Infektionsgeschehen und den Corona-Einschränkungen sind der Einzelhandel und Kultureinrichtungen bereits seit dem 11. Januar in Luxemburg wieder geöffnet.

Berichten des nationalen Gesundheitslabors zufolge kursiert in Luxemburg vor allem die britische Corona-Mutante, in drei verschiedenen Mutationen. Bislang handelt es sich bei Betroffenen um Einzelfälle. Bezüglich der Verbreitung der Mutante warnt das Gesundheitsministerium dennoch. Es sei wichtig, die derzeit geltenden Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten und Kontakte zu reduzieren, betonte ein Sprecher. Man beobachte die Entwicklung der Mutante sehr genau, hieß es weiter. (Tobias Utz) *fr.de, hna.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa

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