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Kontaktverfolgung mit Smartphone

Mit der Luca-App durch die Corona-Krise: Wie sie funktioniert

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Restaurant, Theater, Shoppen – durch die digitale Kontaktverfolgung mit der Luca-App soll trotz Corona vieles wieder möglich werden. Doch ein paar Bedenken gibt es.

  • Die Luca-App bietet eine Chance für eine sichere Öffnung von Läden während der Corona-Krise.
  • Hersteller:innen der App versichern, dass die Betriebe nicht auf die persönlichen Daten der Gäste zugreifen können.
  • Datenschützer:innen sagen: Es darf kein „faktischer Zwang“ entstehen, eine App zu installieren oder zu nutzen.

Berlin – Es ist bereits mehr als drei Monate her, dass Smudo in der Talkshow von Sandra Maischberger die von ihm mitentwickelte App Luca zum Nachverfolgen von Infektionsketten vorstellte. Die Resonanz nach der Sendung blieb damals, Ende November, überschaubar.

Erst als der Musiker Ende Februar erneut in einer Fernsehrunde, dieses Mal bei Anne Will, über Luca und die damit verbundenen Chancen für die Öffnungen von Läden und Lokalen berichtete, nahm die Diskussion Fahrt auf. Bereits kurz nach der Sendung soll der Server zusammengebrochen sein, weil sich so viele Menschen registrieren lassen wollten. Auch in der Politik ist die App seitdem Thema, im Gespräch ist sogar eine bundesweite Nutzung.

Unter anderem in der Türkei durften Cafés und Restaurants trotz Corona wieder öffnen. Mithilfe der Luca-App könnte das auch in Deutschland möglich sein.

Mit der Luca-App über QR-Code in Lokalitäten einchecken – trotz Corona

Und so funktioniert Luca: Inhaberinnen und Inhaber von Geschäften, Restaurants, Kinos, Theater, Sportstudios und anderen Lokalitäten geben ihre Adresse in die App ein. Alle Menschen, die diese Orte besuchen wollen, tragen ebenfalls ihre Kontaktdaten ein und checken sich beim Betreten mit einem QR-Code ein.

Beim Verlassen kann man dann entweder manuell auschecken oder – wenn die entsprechende Option aktiviert ist – automatisch auschecken. Letzteres passiert, wenn man eine gewisse Distanz zu einer besuchten Örtlichkeit zurückgelegt hat.

Bei einer Corona-Infektion können Daten in der Luca-App freiwillig übermittelt werden

Die Hersteller der App versichern, dass die Inhaber des Betriebs nicht auf die persönlichen Daten der Gäste zugreifen können. Die Daten sollen auf deutschen Servern verschlüsselt gespeichert und nach 30 Tagen automatisch gelöscht werden. Sollte es an einem besuchten Ort eine gemeldete Corona-Infektion geben, können die Inhaberinnen und Inhaber die Check-in-Datensätze der Gäste an das Gesundheitsamt übermitteln. Dort kann man die Datensätze entschlüsseln und die Betroffenen kontaktieren.

Ist man selbst infiziert, kann man die Daten freiwillig aus der Luca-App an das Gesundheitsamt übermitteln. Die Besitzerinnen und Besitzer der besuchten Betriebe werden dann auch informiert. Die Hoffnung: Auf diese Weise sollen Infektionsketten leichter nachzuverfolgen sein. Voraussetzung ist natürlich, dass viele Menschen die App nutzen – und vor allem auch die Gesundheitsämter angeschlossen sind.

Fachleute sehen die Luca-App als „Lichtblick“ gegen Corona

Fachleute beurteilen die App überwiegend positiv. So bescheinigt Maximiliane Wilkesmann, Professorin für Arbeits- und Organisationssoziologie an der Technischen Universität Dortmund, ihr das Potenzial, ein „Lichtblick“ zu sein „in der Wiederherstellung von Alltag für Bürgerinnen und Bürger, die durch die pandemiebedingten Einschränkungen ermüdet und emotional erschöpft sind“. Erforderlich dafür seien eine „klare politische Positionierung für die Einführung der App“ – sowie die flächendeckende Nutzung und bundesweite Integration in das System der Gesundheitsämter.

QR-Code scannen und bei Infektionsrisiko informiert werden. Das ist die Idee der Luca-App.

Ute Teichert, Direktorin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen und Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdiensts, sieht in Luca ein „extrem einfach zu erstellendes digitales Kontakttagebuch, das auch auf älteren Smartphones funktioniert und analoge Schlüsselanhänger für Menschen ohne Smartphone unterstützen soll“. Damit wäre die gesamte Bevölkerung erreichbar. „Durch die automatische Anbindung der Gesundheitsämter an die Luca-App erhalten diese dann per Knopfdruck den vollständigen Datensatz.“

Dabei sei „sofort klar“, ob es irgendwo bereits weitere Infektionen gegeben und sich möglicherweise ein Cluster gebildet habe. Solche Zusammenhänge seien bisher „schwer zu entdecken, weil zum Beispiel der eine Infektionsfall in einem Restaurant von einer anderen Person im Gesundheitsamt bearbeitet wird als der zweite Fall“.

Corona-Pandemie: Daten der Luca-App werden verschlüsselt gespeichert

In puncto Datenschutz sieht Dennis-Kenji Kipker, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Informationsrecht an der Universität Bremen, für die Luca-App keine Probleme. Die Datenschutzerklärung sei „umfassend und auch öffentlich ohne Installation einsehbar“, die Daten würden verschlüsselt gespeichert und nicht „inflationär“ auf Vorrat erhoben.

Allerdings hält es Dennis-Kenji Kipker nicht für ausgeschlossen, dass die Kontaktverfolgungsdaten, auch für andere Zwecke „allgemeiner staatlicher Sicherheit“ genutzt werden. So sei bereits für klassische Kontaktlisten im Sommer bekannt geworden, dass unter anderem die bayerische Polizei die Kontaktdaten auch für Ermittlungen genutzt habe, die nicht damit in Zusammenhang gestanden hätten. Sollte es also tatsächlich eine bundesweite Empfehlung und damit Finanzierung für die Luca-App geben, dann müsse der Programmiercode öffentlich einsehbar sein, fordert Journalist Markus Reuter auf Netzpolitik.org. Nur so ließe sich überprüfen, dass die Daten sicher an die Gesundheitsämter gingen.

Datenschutz betont Wichtigkeit einer freiwilligen Nutzung der Luca-App

Anne Riechert, Professorin für Datenschutzrecht und Recht in der Informationsverarbeitung an der Frankfurt University of Applied Sciences, betont bei aller insgesamt positiven Bewertung auch die Wichtigkeit einer freiwilligen Nutzung der App. Es dürfe kein „faktischer Zwang“ entstehen, eine App zu installieren oder zu nutzen.

Allerdings, sagt Thilo Wichert, Mitglied des Netzwerks Datenschutzexpertise, sei es privaten Betreiben erlaubt, „nur solche Gäste zu akzeptieren, die die Luca-App installiert haben beziehungsweise sich bereiterklären, sich über ein bei der Luca-Anwendung alternativ vorgesehenes Kontaktformular einzutragen“. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Shady Al-Assar/dpa

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