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Corona

Corona: Stimmung kippt - Grüne fordern Alternativen zum Lockdown

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Die Stimmung in der Bevölkerung kippt: Immer mehr Menschen fordern eine Lockerung der ihrer Meinung nach zu harten Anti-Corona-Maßnahmen.

  • Seit Mitte Dezember befindet sich Deutschland wegen der Corona-Krise in einem „harten Lockdown“.
  • Ursprünglich wurden die Corona-Maßnahmen noch vom überwiegenden Teil der Bevölkerung getragen.
  • Doch inzwischen wandelt sich das Bild. Der Widerstand gegen die Corona-Politik nimmt zu.

Update vom 01.03.2021, 10.45 Uhr: Auch die „Die Grünen“ fordern jetzt Alternativen zum strengen Corona-Lockdown und flankierende Maßnahmen für schrittweise Öffnungen. In einem am Montag vorgelegten Strategiepapier schlagen Grünen-Chef Robert Habeck und Gesundheitsexperte Janosch Dahmen unter anderem vor, dass jeder Bürger sich „mindestens zwei Mal in der Woche“ auf das Coronavirus testen können soll. Schnelltests sollten für Menschen, die Sozialleistungen beziehen, kostenlos sein.

„Wenn Beschränkungen keinen Beitrag mehr zur Eindämmung der Infektion leisten, dürfen sie nicht aufrechterhalten werden“, schreiben Habeck und Dahmen. Der Staat sei „in der Pflicht, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Rechte nicht länger als unbedingt nötig eingeschränkt werden“. Die Politiker fürchten große gesellschaftliche Konflikte, wenn etwa Gerichte die Entscheidung darüber fällen würden, wer wen wieder besuchen könne.

Einen digitalen Impfnachweis sehen die Grünen-Politiker nicht als eine Art Freifahrtschein für Geimpfte, sondern nur im Zusammenspiel mit der Ausweitung von Tests. „Digitale Nachweise eines aktuellen Negativtests, der Nachweis von aktueller Immunität durch überstandene Krankheit (aktueller Antikörpertiter) und Impfungen sind dann gleichzustellen“, heißt es in dem Papier. Damit würde eine „rechtliche Ungleichbehandlung von Geimpften und Nichtgeimpften vermieden“.

Besonders eine Öffnung der Geschäfte wünschen sich die Deutschen.

Stimmung kippt - Forderungen nach Lockerungen werden lauter

Erstmeldung: Berlin - Die täglichen Fallzahlen des Robert Koch-Instituts lassen noch lange nicht auf eine Entspannung der Corona-Lage in Deutschland schließen. Trotzdem ist es nach Auffassung einer großen Mehrheit der Deutschen zweieinhalb Monate nach Beginn des harten Corona-Lockdowns Zeit für Lockerungen.  Die Infektionszahlen sind weiter auf einem hohen Niveau. In den letzten 24 Stunden gab es schon wieder fast 5.000 Neuinfektionen. Eintrittstests sollen aber trotzdem weitere Öffnungen ermöglichen. Diesen Wunsch äußern Branchen wie die Gastronomie oder auch die Hotellerie seit Wochen. Ob das funktionieren kann, ist aber umstritten.

Corona-Lockdown: Nur noch ein Drittel der Deutschen für „weiter so“

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zufolge sind nur noch gut ein Drittel für eine Beibehaltung (26 Prozent) oder Verschärfung (9 Prozent) der geltenden Einschränkungen. 43 Prozent meinen dagegen, der Lockdown sollte bei den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Mittwoch (03.03.2021) weiter gelockert werden. 17 Prozent sind sogar für eine komplette Rückkehr zur Normalität. 5 Prozent machten keine Angaben.

Für eine Lockerung der Maßnahmen43 Prozent
Für eine Beibehaltung der geltenden Einschränkungen26 Prozent
Für eine komplette Aufhebung der Restriktionen17 proznet
Für eine Verschärfung der Maßnahmen9 Prozent
Keine Angaben5 Prozent

Lange Zeit stand die Mehrheit der Deutschen hinter den harten Anti-Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Inzwischen ist die Stimmung allerdings gekippt. Der Wunsch nach Öffnung überwiegt - wobei die Schulen nicht an Nummer eins stehen.

Corona-Lockdown stößt vermehrt auf Ablehnung

Zum ersten Mal seit Beginn des „harten Lockdowns“ Mitte Dezember gibt es damit in den alle zwei bis vier Wochen durchgeführten YouGov-Umfragen eine Mehrheit für Lockerungen. Zu Beginn der Corona-Krise standen noch fast drei Viertel (73 Prozent) hinter den Maßnahmen von Bund und Ländern, zu denen die Schließung von Geschäften, Schulen, Restaurants und Hotels sowie das Verbot von Kultur- und Sportveranstaltungen mit Zuschauern gehören. Anfang Januar waren noch fast zwei Drittel (65 Prozent) für eine Beibehaltung oder Verschärfung der Maßnahmen. Vor der letzten Bund-Länder-Konferenz am 10. Februar war es dann nur noch die Hälfte der Befragten, inzwischen liegt der Anteil nur noch bei bei 35 Prozent.

Bund und Länder hatten zuletzt am 10. Februar eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen. Schulen und Kitas wurden danach zum Teil wieder geöffnet, am heutigen Montag (01. März 2021) folgten die Friseure. Der überwiegende Teil der Maßnahmen blieb aber bestehen.

Lockdown: Deutsche wollen wieder shoppen

Am dringendsten ist nun nicht der Wunsch nach einer weiteren Öffnung von Schulen, sondern die Möglichkeit, wieder uneingeschränkt einkaufen gehen zu können. 49 Prozent sagen, dass ihnen die Öffnung von Geschäften besonders wichtig ist. Dahinter folgt die Lockerung der Vorschriften, mit wie vielen Menschen man sich treffen darf (43 Prozent). Die Öffnung von Restaurants ist 42 Prozent der Befragten besonders wichtig. Erst dann folgen die Schulen (32 Prozent), deren Öffnung die Politik als besonders wichtig erachtet.

Die Öffnung von Dienstleistungsbetrieben wie Kosmetik- oder Massagestudios sind 18 Prozent besonders wichtig. Dahinter folgt die Möglichkeit, zum Beispiel in Fitnessstudios Sport zu treiben (16 Prozent). Am Ende der Prioritätenliste sind der Besuch von Kulturveranstaltungen (12 Prozent), das Reisen ohne Beschränkungen (11 Prozent), das Übernachten in Hotels (9 Prozent) und der Besuch von Sportveranstaltungen (5 Prozent) zu finden. Die Befragten konnten jeweils drei Bereiche nennen, die ihnen besonders wichtig sind.

Lockdown: Anhänger der AfD wollen mit überwältigender Mehrheit Lockerungen

Die Skepsis gegenüber den Einschränkungen überwiegt inzwischen bei den Anhängern aller im Bundestag vertretenen Partei. Am größten ist der Wunsch nach Lockerung bei den Wählern der AfD (72 Prozent) und FDP (67 Prozent). Dahinter folgen die Anhänger der Linken (58 Prozent), der CDU/CSU (57 Prozent), der SPD (54 Prozent) und der Grünen (49 Prozent).

Die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung in der Corona-Pandemie nimmt unterdessen weiter zu. Nur noch 48 Prozent der Befragten bewerten das Regierungshandeln sehr positiv (7 Prozent) oder eher positiv (41 Prozent). Anfang Februar waren noch 50 Prozent eher zufrieden, im Oktober waren es sogar noch 57 Prozent und während der ersten Corona-Welle im April 67 Prozent. Heute zeigen sich 22 Prozent sehr unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierung und weitere 25 Prozent eher unzufrieden. 5 Prozent machen keine Angaben.

Bundesfamilienministerin lehnt Verlängerung des Lockdowns ab

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erhofft sich von den Bund-Länder-Gesprächen am Mittwoch Lockerungen der Corona-Beschränkungen. „Für mich ist ganz klar, dass es Öffnungsschritte geben muss“, sagte Giffey dem „Handelsblatt“. „Die neuen Entwicklungen bei der Zulassung von Selbsttests und das begonnene Impfen geben Rückenwind dafür.“

Allerdings sei es sicherlich nicht verantwortbar, alles zeitgleich wieder zu öffnen. „Das Öffnen muss stufenweise geschehen und verantwortlich sein“, mahnte Giffey. „Wir dürfen nicht riskieren, Erfolge wieder zu verlieren.“

Eine Verlängerung des Lockdowns bis April, wie ihn die Intensiv- und Notfallmediziner fordern, lehnte Giffey ab. Der Einzelhandel ringe bereits mit großen Existenzängsten, und die Politik müsse auch die Zeit nach Corona im Blick behalten: „Wir dürfen nicht in eine Situation kommen, in der unsere Innenstädte veröden, weil die Geschäfte den Lockdown nicht überlebt haben.“ (Stefan Krieger mit Agenturmaterial)

Rubriklistenbild: © Ole Spata

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