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Coronavirus

Großbritannien nach Corona-Lockdown auf „Einbahnstraße in die Freiheit“

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Noch vor wenigen Monaten versank Großbritannien im Corona-Chaos. Dank Impfstrategie wandelt sich das Land zum Vorreiter im Kampf gegen die Pandemie.

London - Der britische Premierminister Boris Johnson hatte es als ersten großen Schritt auf der „Einbahnstraße in die Freiheit“ angekündigt, jetzt ist es so weit: Nach Monaten im Corona-Lockdown haben in England wieder Geschäfte, Fitnessstudios, Friseure und Biergärten geöffnet. Herrschte noch vor wenigen Monaten Corona-Chaos, hat sich Großbritannien mittlerweile zum Vorreiter im Kampf gegen die Pandemie gewandelt.

Möglich sind die Öffnungen wegen der deutlich niedrigeren Neuinfektionen, die vor allem dem raschen Fortschritt des Impfprogramms zu verdanken sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei knapp 30 Fällen pro 100 000 Einwohnern; mehr als 32 Millionen Menschen - weit mehr als die Hälfte der Erwachsenen - haben eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Johnson rief seine Landsleute jedoch auf, vorsichtig zu bleiben und nicht über die Stränge zu schlagen. Kontaktbeschränkungen bleiben in Kraft, Auslandsurlaub sowie Treffen in geschlossenen Räumen verboten.

Die Menschen genießen einen Drink und ein Mittagessen im „The Angel on the Bridge“ in Henley on Thames, westlich von London. In England werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie weiter gelockert.

Die ersten Kosmetikstudios und Friseure öffneten bereits um Mitternacht. „Es ist unglaublich“, sagte Toni Hendry von einem Salon in London dem Sender Sky News. „Wir haben 3000 Leute auf der Warteliste. Es hat drei bis vier Wochen gedauert, die Termine zu organisieren.“ Auch die Pubs dürfen in England nun wieder öffnen. Landesweit vermelden die Pubs, dass sie ausgebucht seien, freie Plätze sind rar, es herrscht Hochbetrieb.

Corona-Lockerungen in England: Menschen drängen sich vor Pubs und Geschäften

Doch es läuft nicht alles glatt: Menschenmassen haben sich vor Geschäften und Pubs in ganz England versammelt. Laut „Independent“ gab es am Montagmorgen (12.04.2021) lange Schlangen vor Geschäften wie „Primark“ in Birmingham, Videoaufnahmen zeigten, wie Menschenmengen am Eingang des Arndale-Zentrums in Manchester drängten und schubsten. In Coventry prüfen die Behörden, ob Abstandsregeln gebrochen wurden, als um Mitternacht gut 100 Menschen vor einem Biergarten warteten. Viele Wirte sind verärgert, da sie aufgrund der weiterhin bestehenden Abstandsregeln nicht öffnen können. Nur 40 Prozent der Gaststätten könnten öffnen, hat der Branchenverband British Beer and Pub Association errechnet - die übrigen bieten nicht ausreichend Platz im Außenbereich.

Die Wirtschaft zeigte sich erleichtert über den Öffnungsschritt. Das legen auch Zahlen des Daten-Dienstleisters Altus Group nahe, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen: Mehr als 400 000 Geschäfte dürfen öffnen, außerdem 20 700 Friseure, 4162 Fitnessstudios, 65 Zoos und Safariparks sowie 75 Freizeitparks. Auch Urlaub im Inland ist wieder möglich, dafür stehen 63 500 Ferienwohnungen bereit. Seit Anfang Januar hatten wegen des bereits dritten Lockdowns weitreichende Kontakt- und Reisebeschränkungen gegolten. Mehr Arbeit kommt nun auch auf die Polizei zu. In London würden die Kräfte aufgestockt, kündigte Vize-Polizeichefin Jane Connors an.

Corona-Lockerungen in England: Experten mahnen weiter zu Vorsicht

Ein Mitglied der wissenschaftlichen Pandemie-Influenza-Gruppe für Modellierung (Spi-M) der Regierung hat laut „Independent“ gewarnt, dass die Lockerung der Beschränkungen zu einem „Wiederaufleben“ der Infektionsraten mit Coronaviren führen könnte.

Dr. Mike Tildesley, Hochschullehrer für Modellierung von Infektionskrankheiten an der University of Warwick, sagte gegenüber „Times Radio“: „Es ist schwer, dies kategorisch zu sagen, aber ich denke, wir müssen uns daran erinnern, dass es bei jeder Form der Lockerungen es zu mehr Vermischungen kommen wird, und das könnte zu erhöhten Risiken führen.“ Er appelliert: „Es ist wirklich sehr wichtig, dass die Menschen die Regeln befolgen.“

Premier Johnson verschiebt ersten Pub-Besuch wegen Tod von Prinz Philip

Auf sein erstes Pint muss Premier Johnson noch warten. Zwar hatte er angekündigt, gleich am Montag „langsam, aber unwiderruflich“ ein Pint an seine Lippen zu führen. Wegen der Staatstrauer nach dem Tod von Queen-Gatte Prinz Philip hat er den Pub-Besuch aber verschoben.

Auch in anderen Gebieten des Vereinigten Königreichs wurden manche Regeln gelockert. Wales gestattet nun wieder nicht notwendige Reisen in andere Landesteile und in Nordirland hoben die Behörden die „Stay at Home“-Anordnung auf - Schüler gehen wieder in die Schulen.

Der nächste Lockerungsschritt ist in England ab dem 17. Mai geplant. Dann sollen Restaurants und Pubs auch wieder ihre Innenräume wieder öffnen dürfen. Auslandsurlaub könnte dann ebenfalls wieder erlaubt werden; derzeit drohen hohe Geldstrafen. Ganz aufgehoben werden sollen die Corona-Regeln dann am 21. Juni. Aber noch ist das alles nicht in Stein gemeißelt: Premier Johnson hat angekündigt, alle Lockerungen noch einmal zu überprüfen. Mindestens 127 000 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus in Großbritannien bereits gestorben - die hohe Zahl lastet auf der Regierung. (Sonja Thomaser mit dpa)

Rubriklistenbild: © ADRIAN DENNIS

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