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Coronavirus

Mit Masken zu mehr Einfluss - China nutzt Corona-Krise für mehr Präsenz in Europa

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In der Corona-Krise hilft China mittel- und osteuropäischen Staaten, zum Beispiel mit der Lieferung von Schutzmasken. Auch eine Studie zeigt: Pekings Präsenz in Europa wächst.

  • In den Zeiten der Corona-Krise erhöht China seinen Einfluss
  • Mit Sicherheitsausrüstung wie Masken hilft das Land mittel- und osteuropäischen Staaten
  • Studie fordert mehr Engagement Europas

Prag/Peking - Zum Empfang der vermummten Gäste war Serbiens Staatschef Aleksandar Vucic ohne Schutzmaske und Handschuhe zum Belgrader Flughafen geeilt. Die Chinesen hätten als „Erste den Virus besiegt“ und sich als „Freunde in schweren Zeiten“ erwiesen, begrüßte er vor zwei Wochen die aus Peking eingeflogenen Mediziner: „Ohne die Hilfe Chinas und von Präsident Xi Jinping hätten wir keine Chance.“

Nur China könne Belgrad helfen, hatte Serbiens Regierungschef schon vor der Landung überschwänglich die „eiserne Freundschaft“ zu Peking gepriesen. Wenig gute Worte fand er wegen des anfänglichen EU-Exportverbots für Beatmungsgeräte hingegen für die europäischen Partner: „Es gibt keine europäische Solidarität. Dies ist ein Märchen auf dem Papier.“ Auch Ungarns Regierungschef Viktor Orbán äußerte jüngst heftige Kritik an der EU: Sie leiste Ungarn keine Hilfe, ganz im Gegensatz zu China.

Corona-Krise: Mit Hilfe der „Schutzmasken-Diplomatie“ stärkt China seinen Einfluss im Osten Europas

Serbien erhält in der Corona-Krise mit Abstand die meiste Hilfe von der EU. Doch ausgerechnet das Ursprungsland des Coronavirus weiß die Pandemie auf dem internationalen Parkett am besten zu nutzen: Mit Hilfe der „Schutzmasken-Diplomatie“ stärkt China seinen ohnehin stark gewachsenen Einfluss im Osten Europas.

Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie zu Chinas „17+1“-Plattform bestätigt Pekings gewachsene Präsenz in Zentral- und Mitteleuropa. „Keine leere Muschel mehr“ nennt sich die umfangreiche, von China-Experten aus zehn Staaten verfasste Arbeit der „Assoziation für Internationale Fragen“, einer Nichtregierungsorganisation aus Prag, über das Projekt. Peking hatte es 2012 ins Leben gerufen, beteiligt sind mittlerweile 17 Partnerstaaten. Die Vertiefung der chinesischen Beziehungen zu den sogenannten CEE-Staaten, also den Ländern Mittel- und Osteuropas, sei „keineswegs ein leeres Gerede mehr“.

China in der Corona-Krise: Studie zeichnet kein einheitliches Bild

Die EU hat die chinesische Charmeoffensive an ihrer Ostflanke stets skeptisch beäugt: Kritiker argwöhnen, dass Peking auf das Prinzip „teile und herrsche“ setze. Bei der Analyse der sich vor allem auf die Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit konzentrierenden „17+1“-Initiative zeichnen die Verfasser der Studie derweil ein uneinheitliches Bild.

Einerseits sei die Initiative keineswegs mehr so substanzlos wie oft vermutet. Andererseits sei deren wirtschaftliche Bedeutung trotz des von Peking forcierten Großprojekts einer „Neuen Seidenstraße“ in den vielen Partnerstaaten weit hinter den anfänglichen Erwartungen geblieben. Sicher sei, dass sich die politischen Beziehungen Pekings zu den Partnerstaaten seit 2012 erheblich intensiviert hätten.

Die EU müsse bei der wirtschaftlichen Belebung des Westbalkans eine „aktivere“ Rolle spielen und diesem einen „klaren Weg“ in die Mitgliedschaft aufweisen, um Chinas Einfluss zu begrenzen, raten die Verfasser.

China gerät in der Corona-Krise zunehmend unter Druck. Ein brisanter Geheimdienstbericht spricht von Vertuschung und nimmt ein Labor in Wuhan in den Fokus.

Von Thomas Roser

Entspannte Stimmung: Die Menschen in Chinas Hauptstadt Peking feiern längst wieder – doch werden Corona-Gebote nicht eingehalten, greift die Polizei strikt durch.

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